Mahle-Werk: Tarifvertrag sichert Abfindungen bis 250.000 Euro
05.06.2026 - 00:30:10 | boerse-global.de
Die IG Metall und betriebliche Interessenvertretungen kämpfen aktuell an mehreren Fronten: Standortsicherung in der Autoindustrie, Zukunft der Stahlproduktion und faire Wahlen. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Salzgitter: Keine Schließung, aber enormer Druck
Bei einer Betriebsversammlung am 4. Juni 2026 in Salzgitter trat Betriebsratschef Björn Harmening Gerüchten über mögliche Standortschließungen entgegen. Er berief sich auf Vereinbarungen aus dem Jahr 2024, die das Werk absichern sollen.
Doch die Zuversicht hat Grenzen. Die Arbeitnehmervertretung verwies auf den massiven Druck durch US-Zölle, die schwierige Marktlage in China und gestiegene Materialkosten. Als strategisches Pfund für die Zukunft gilt die Ansiedlung der PowerCo-Zentrale in Salzgitter – sie soll den Fokus auf Elektromobilität stärken.
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In der Rentendebatte positionierte sich die Vertretung zudem klar: Gegen eine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre.
Mahle-Werk: Sozialplan nach hartem Streik
Im bayerischen Neustadt an der Donau endete ein langer Konflikt. Die IG-Metall-Mitglieder stimmten Anfang Juni einem Sozialtarifvertrag für das dortige Mahle-Werk zu – die Schließung steht für das erste Quartal 2027 fest.
Nach einem achttägigen Erzwingungsstreik sieht die Einigung vor:
- Abfindungen von bis zu 250.000 Euro
- Einen Mitgliederbonus von insgesamt 3,25 Millionen Euro
- Einen Härtefallfonds
- Eine Transfergesellschaft
Die Unternehmensführung von Mahle kritisierte den Streik als unangemessen und warnte vor negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit.
Saarland: Droht das Aus für grünen Stahl?
Im Saarland wächst die Sorge um die Stahlindustrie. Die Betriebsräte von Saarstahl und der Dillinger Hütte rufen gemeinsam mit der IG Metall für den 12. Juni 2026 zu einem Aktionstag in Völklingen auf.
Thema ist die massive Unsicherheit über das 4,3 Milliarden Euro schwere Projekt zur Produktion von grünem Stahl. Ursprünglich für 2029 geplant, steht es nun auf der Kippe. Hintergrund sind Überlegungen auf EU-Ebene zu künftigen CO?-Kosten. Laut der Arbeitnehmervertretung steht der Fortbestand der saarländischen Stahlindustrie zur Disposition.
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Vietnam: Gewerkschaften fordern kürzere Arbeitszeit
International begann am 3. Juni 2026 in Hanoi der 14. Kongress des vietnamesischen Gewerkschaftsbundes (VGCL). 780 Delegierte, die fast 10 Millionen Mitglieder vertreten, wählen dort ein neues Exekutivkomitee und Präsidium für die Amtszeit bis 2031.
Ein zentraler Punkt im Dialog mit der Regierung: die wöchentliche Arbeitszeit auf 40 bis 44 Stunden zu senken und zusätzliche Feiertage einzuführen. Ziel ist, Produktivität und Wohlbefinden der Beschäftigten besser in Einklang zu bringen.
Betriebsratswahl: Manipulationsvorwürfe beim Busunternehmen NVG
Die Integrität von Wahlen in Mitbestimmungsgremien rückt in den Fokus. Anfang Juni 2026 wurden Hinweise öffentlich, die auf eine mögliche Manipulation der Betriebsratswahl beim Busunternehmen NVG aus dem Jahr 2022 hindeuten. Der Fall zeigt, wie wichtig transparente demokratische Prozesse in der Betriebsratsarbeit sind.
Logistik und Handwerk: Investitionen und neue Fachkräfte
Flankiert werden die gewerkschaftlichen Bemühungen durch Infrastrukturprojekte. In Hessisch Lichtenau feierte der Dienstleister Fiege am 2. Juni 2026 Richtfest für ein neues Logistikzentrum. Das über 50.000 Quadratmeter große Center soll im Herbst 2026 fertig werden – mit Photovoltaik und Wärmepumpen.
Auch im Handwerk tut sich was: Ende März 2026 erhielten über 50 Absolventen in Wuppertal ihre Gesellenbriefe im Kfz-Handwerk. Erstmals schlossen auch Fachpraktiker ihre Ausbildung erfolgreich ab.
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