Westliche Volkswirtschaften schwĂ€cheln weiter / Coface passt RisikoeinschĂ€tzung fĂŒr sieben LĂ€nder an
23.10.2023 - 12:45:00Neben der anhaltenden amerikanisch-chinesischen RivalitĂ€t haben mehrere Ereignisse die geopolitische Landschaft in den vergangenen Monaten weiter umgewĂ€lzt. Hierzu gehört die Erweiterung der BRICS-Gruppe um die sechs neuen Mitglieder Saudi-Arabien, Argentinien, Ăgypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ăthiopien und den Iran. Sie zielt auf das Ende der G7-Vorherrschaft ab. "Die Weltordnung, wie wir sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kennen, gerĂ€t mehr und mehr ins Wanken. Wir befinden uns auf dem Weg in eine multipolare Welt", sagt Coface-Volkswirtin Christiane von Berg. Die Eignung der erweiterten BRICS-Gruppe, eine Alternative oder Konkurrenz zur G7 anzubieten, dĂŒrfte kurzfristig jedoch begrenzt bleiben. "Zwar haben alle MitgliedslĂ€nder ein eindeutiges Interesse daran, der Gruppe anzugehören, aber ihre Ziele sind nicht immer deckungsgleich. DarĂŒber hinaus gibt es auch innerhalb der Vereinigung Spannungen, beispielsweise zwischen China und Indien. Zudem sind die PlĂ€ne zur Schaffung einer BRICS-WĂ€hrung, die den Dollar ablösen soll, bislang gescheitert."
Inflation lĂ€sst nach, aber ist nicht ĂŒberwunden
ErwartungsgemÀà ist die Inflation in den letzten Monaten mechanisch, aufgrund eines Basiseffekts aus dem Vorjahr, zurĂŒckgegangen. Dies ist vor allem auf die gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise zurĂŒckzufĂŒhren, die unter den HöchststĂ€nden aus dem vergangenen Jahr liegen. Eine Disinflation bei Waren, das heiĂt ein RĂŒckgang der Inflationsrate durch deutlich langsamer steigende Preise, ist ebenfalls im Gange. Aufgrund einer geringeren Kaufkraft priorisieren Konsumenten Dienstleistungen vor GĂŒtern. In Kombination mit einer Normalisierung der Lieferketten fĂŒhrt dies zu einem geringeren Preisanstieg bei GĂŒtern oder gar fallenden Preisen. "Die Anzeichen dafĂŒr, dass die Inflation auf hohem Niveau verankert ist, bleiben jedoch bestehen, denn die Kerninflation ist in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften bisher nur wenig zurĂŒckgegangen", sagt Christiane von Berg. DarĂŒber hinaus sind die Energiepreise zuletzt aufgrund geopolitischer Risiken wieder angestiegen und damit ein schwer kalkulierbares Inflationsrisiko.
Schleppende Erholung in China
Chinas Aufschwung nach dem Abklingen der Corona-Pandemie und dem Ende der Zero-COVID-Politik ist enttĂ€uschend, die Wirtschaftsdaten fielen sowohl fĂŒr die Binnennachfrage als auch fĂŒr die Exporte schwach aus. Die erwartete Erholung des Konsumverhaltens blieb praktisch aus, da sich die Haushalte zurĂŒckhielten und in unsicheren Zeiten lieber sparten. Auch die Investitionen konnten das chinesische Wachstum nicht entscheidend voranbringen - vor allem der Privatsektor agierte bei den Anlageinvestitionen zurĂŒckhaltend, insbesondere aufgrund des Immobilienmarktes. Auch staatliche Impulse erfolgten nur zögerlich und zeigen erst ab der zweiten JahreshĂ€lfte 2023 Wirkung.
LĂ€nderrisiken: Zwei Verbesserungen und fĂŒnf Herabstufungen
FĂŒr zwei LĂ€nder hat Coface seine LĂ€nderrisikoeinschĂ€tzung verbessert. Belize profitiert von der Erholung der heimischen Tourismusindustrie sowie einer Verbesserung der staatlichen Finanzen und wird von D auf C heraufgestuft. Gleiches gilt fĂŒr die Mongolei, wo das Ende von Chinas Zero-COVID-Politik und die damit einhergehende Ăffnung der chinesischen Grenzen Wirkung zeigen. Insgesamt fĂŒnf LĂ€nder wurden mit einem schlechteren LĂ€nderrisiko versehen. Finnland, Schweden und Neuseeland sind von der generellen KonjunkturschwĂ€che in Westeuropa betroffen und werden nun mit A3 bewertet. Hohe Inflation und Zinsen, ein schwacher AuĂenhandel sowie eine rĂŒcklĂ€ufige heimische Nachfrage schwĂ€chen diese Volkswirtschaften. Kolumbien, nun bei C, hat mit Ă€hnlichen Problemen zu kĂ€mpfen - hinzu kommen klimatische Auswirkungen von El Niño. Der Staatsstreich im Niger hat ebenfalls Konsequenzen: Aufgrund des hohen politischen Risikos wird das westafrikanische Land nun mit D bewertet.
Mit Blick auf das Branchenrisiko hat Coface im aktuellen Barometer insgesamt 33 VerĂ€nderungen vorgenommen. In Westeuropa sind vor allem drei Branchen von Auf- und Abwertungen betroffen. "Wir haben den Energiesektor in allen westeuropĂ€ischen LĂ€ndern auĂer Deutschland heraufgestuft, vor allem aufgrund höherer Margen fĂŒr Kohlenwasserstoffproduzenten und Raffinerien. Die Agrar- und ErnĂ€hrungswirtschaft in der Region erfreut sich ebenfalls einer positiven Dynamik, im Gegensatz zum Papiersektor, der die meisten Herabstufungen zu verzeichnen hat. Hier kommt das schwache Online-GeschĂ€ft des Einzelhandels ins Spiel. Weniger VerkĂ€ufe bedeuten auch weniger Kartonage", sagt Christiane von Berg.
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