Coface, Barometer

Coface Barometer: Blick auf die Weltwirtschaft zeigt ein gemischtes Bild

22.10.2024 - 09:25:00

Mainz - WĂ€hrend die US-Wirtschaft auf ein Soft Landing zusteuert, ist der Euro-Raum weiterhin mit vielen Unsicherheiten konfrontiert, insbesondere im Industriesektor. China kĂ€mpft unterdessen darum, sein Wachstum aufrechtzuerhalten. Vor diesem Hintergrund hat der Kreditversicherer Coface seine RisikoeinschĂ€tzung fĂŒr 5 LĂ€nder angepasst: Einem verbesserten LĂ€nderrisiko in Albanien, Zypern, Ruanda und Costa Rica steht die Abwertung von Israel gegenĂŒber. Das LĂ€nderrisiko beschreibt das allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale Kreditrisiken zu bewerten und einordnen zu können.

Nach einem vielversprechenden Start in das Jahr 2024 hat der Euro-Raum einen erneuten Einbruch im Industriesektor erlebt. Die Aussichten sind wenig optimistisch, wie der RĂŒckgang des Einkaufsmanagerindexes (PMI) zeigt. Deutschland ist als Europas fĂŒhrender Industriestandort nach wie vor besonders stark betroffen, die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes lag im Juli 2024 noch immer 12 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Der Dienstleistungssektor, der den Aufschwung im Euro-Raum zuletzt getrieben hatte, ist ebenfalls rĂŒcklĂ€ufig und der Private Konsum wird durch die anhaltend hohe Sparquote und die erhöhte politische Unsicherheit gebremst. DarĂŒber hinaus leiden Unternehmen im Euro-Raum nach wie vor unter einem starken Anstieg der LohnstĂŒckkosten von 4,2 Prozent im zweiten Quartal 2024 gegenĂŒber dem Vorjahr, der ihre Gewinnspannen unter Druck setzt. "Nachdem die Margen in der ersten JahreshĂ€lfte 2023 in allen LĂ€ndern des Euro-Raums ihren Höchststand erreicht hatten, sind sie in Deutschland und den Niederlanden um fast 2 Prozentpunkte und in Spanien und Italien um das Doppelte gesunken. Dadurch geraten viele Unternehmen unter Druck, wie der Anstieg der Insolvenzen in den letzten Monaten zeigt", erklĂ€rt Coface-Volkswirtin Christiane von Berg.

Von der geldpolitischen zur finanzpolitischen Wende?

Die ersten Zinssenkungen durch die Fed und die EZB im Jahr 2024 markieren den Beginn der erwarteten geldpolitischen Lockerung. WĂ€hrend die Geldpolitik im nĂ€chsten Jahr weniger restriktiv sein wird, sollte sich eine restriktivere Fiskalpolitik in einigen LĂ€ndern, insbesondere im Euro-Raum, negativ auf das Wachstum auswirken. Im Juli 2024 eröffnete die EuropĂ€ische Kommission ein Defizitverfahren gegen sieben LĂ€nder, darunter Frankreich, Italien, Ungarn und Polen. "Die betroffenen LĂ€nder wurden zu einem harten Sparkurs verpflichtet, womit weitere Wachstumsimpulse ausbleiben. Somit sollte das Wachstum im Euro-Raum nach einem mageren Plus von 1,0 Prozent in diesem Jahr gegenĂŒber dem Vorjahr, im kommenden Jahr mit 1,3 Prozent nur leicht stĂ€rker ausfallen", sagt Christiane von Berg.

USA vor entscheidender Wahl

Sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten brachte das dritte Quartal 2024 gute Nachrichten bezĂŒglich eines InflationsrĂŒckgangs, was unter anderem auf sinkende Rohstoffpreise, insbesondere fĂŒr Erdölprodukte, zurĂŒckzufĂŒhren ist. Das Szenario eines Soft Landings scheint sich in den Vereinigten Staaten damit zu bestĂ€tigen. Die US-Wirtschaft erweist sich weiterhin als widerstandsfĂ€hig, wie der konjunkturelle Rebound im zweiten Quartal, nach einer kurzfristigen SchwĂ€che im ersten Quartal 2024, zeigt - auch wenn sich die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt allmĂ€hlich abschwĂ€cht. Auswirkungen weit ĂŒber die Vereinigten Staaten hinaus werden die US-PrĂ€sidentschaftswahlen mit den Spitzenkandidaten Kamala Harris und Donald Trump haben. Innenpolitisch setzt sich Kamala Harris fĂŒr eine Preisregulierung und eine Senkung der Wohnkosten ein, wĂ€hrend Donald Trump massive Steuersenkungen und eine Ankurbelung der Energieproduktion anstrebt.

Verlangsamtes Wachstum in China

Das chinesische Wirtschaftswachstum verlangsamt sich trotz der angekĂŒndigten StĂŒtzungsmaßnahmen der Regierung weiter - belastet durch einen kriselnden Immobilienmarkt sowie eine schleppende Binnennachfrage und eine weiterhin gedĂ€mpfte Auslandsnachfrage. In einem weiteren Versuch, das Wachstumsziel der Regierung von 5 Prozent zu erreichen, kĂŒndigte die People's Bank of China (PBoC) Ende September zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzungsmaßnahmen an. Zu diesen gehören noch stĂ€rkere Zinssenkungen und eine Senkung des Mindestreservesatzes fĂŒr Banken, um mehr LiquiditĂ€t in den Markt zu bringen. Um den Wohnungsmarkt zu stabilisieren, plant die PBoC darĂŒber hinaus eine Senkung des Zinssatzes fĂŒr ausstehende Hypothekendarlehen, eine Senkung der Mindestanzahlung fĂŒr Zweitwohnungen und eine Ausweitung des Umfangs von Darlehen an lokale Regierungen fĂŒr den Erwerb von unverkauften Wohnungen zur Umwandlung in Sozialwohnungen.

Der Beitrag der ĂŒbrigen SchwellenlĂ€nder - exklusive China - zum globalen Wachstum wird 2025 mit 40 Prozent unverĂ€ndert hoch bleiben, vor allem dank der starken Dynamik in den Golfstaaten und SĂŒdamerika. Und dies, obwohl Coface fĂŒr Brasilien nach zwei Jahren mit einem Plus von rund 3 Prozent ein weniger dynamisches Wachstum fĂŒr das kommende Jahr prognostizieren. Abgesehen von den inlĂ€ndischen Faktoren sind viele LĂ€nder der Region die großen Gewinner des globalen De-Riskings. So setzen die USA in ihren Lieferketten mehr und mehr auf Nearshoring - hin zum sĂŒdamerikanischen Kontinent, dessen LĂ€nder somit vom US-chinesischen Handelskonflikt profitieren.

LĂ€nderrisiken: 4 Aufwertungen, 1 Abwertung

Im aktuellen Coface Barometer werden vier LĂ€nder heraufgestuft. Dazu zĂ€hlen in Europa Albanien (von C auf B) und Zypern (von B auf A4), die von einem starken Tourismus und dadurch verbesserten Konjunkturaussichten profitieren. Des Weiteren wurde Ruanda von B auf A4 heraufgestuft. Das Land hat sich zu einem wichtigen Standort fĂŒr Dienstleistungen in Ostafrika entwickelt, insbesondere in den Bereichen Finanzen, Logistik und Transport. Costa Rica (von B auf A4) kann vom Nearshoring-Trend in den USA profitieren. In Israel hingegen verdrĂ€ngen die Kriegsanstrengungen die ProduktionsaktivitĂ€t, weshalb das Land auf A4 herabgestuft wird.

Das gesamte Coface Barometer sowie die aktuelle LĂ€nderrisikokarte zum Download unter www.coface.de

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