Tote und Verletzte bei stÀrkstem Erdbeben seit 25 Jahren in Taiwan
03.04.2024 - 08:11:29(mehr Details)
TAIPEH (dpa-AFX) - Mindestens vier Menschen sind beim stÀrksten Erdbeben seit 25 Jahren auf Taiwan ums Leben gekommen. Wie die nationale Feuerwehr-Behörde am Mittwoch weiter mitteilte, wurden zudem mindestens 57 Menschen verletzt. Unter den Toten waren ein Lastwagenfahrer, dessen Fahrzeug laut Berichten beim Fahren von einem Steinschlag getroffen wurde, und drei Wanderer. Insgesamt sprach die Behörde Stand Mittag (Ortszeit) von mehr als 900 UnfÀllen verschiedenster Art.
Das Beben trat am Morgen (Ortszeit) wenige Kilometer vor der OstkĂŒste Taiwans auf. Die Wetterbehörde registrierte an der sĂŒdöstlichen KĂŒste der Insel bei der Stadt Hualien in einer Tiefe von 15,5 Kilometern eine BebenstĂ€rke von 7,2. Die Erdbebenwarte in den USA (USGS) gab eine StĂ€rke von 7,4 in dem Gebiet an. In Japan sprachen die Behörden laut Medienberichten sogar von einer StĂ€rke von 7,7.
WohnhĂ€user zum Teil eingestĂŒrzt
BrĂŒcken, Gleise, Autobahnen, öffentliche GebĂ€ude und WohnhĂ€user: Wichtige Infrastruktur wurde durch die ErschĂŒtterungen in Mitleidenschaft gezogen. Das Beben war landesweit zu spĂŒren. Besonders heftig traf es die OstkĂŒstenstadt Hualien, wo GebĂ€ude durch die heftigen ErdstöĂe teils schwer beschĂ€digt wurden. Auf Fotos war zu sehen, wie mehrere HĂ€user einsackten und in Schieflage gerieten.
Laut Augenzeugen war das Beben auch in und um die Hauptstadt Taipeh deutlich zu spĂŒren. In Neu-Taipeh, das die Hauptstadt umschlieĂt, wurden demnach drei Menschen verletzt, als ein Lagerhaus einbrach. Bewohner der Hauptstadt berichteten, dass in ihren HĂ€usern und Wohnungen EinrichtungsgegenstĂ€nde und Geschirr zu Bruch gingen. Der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene wurde in mehreren groĂen StĂ€dten der Insel mit mehr als 23 Millionen Einwohnern eingestellt. Auch der Schnellzugverkehr wurde unterbrochen.
Tsunami-Warnungen in mehreren LĂ€ndern
Ăber mehrere Stunden warnten Taiwan, China, Japan und die Philippinen vor Tsunamis, ehe die Warnungen zunĂ€chst gelockert und spĂ€ter aufgehoben wurden. Im nordöstlich von Taiwan gelegenen Japan löste das Erdbeben eine Warnung vor einem drei Meter hohen Tsunami fĂŒr nahegelegene Inseln der sĂŒdwestjapanischen PrĂ€fektur Okinawa aus. Die Bewohner der betroffenen Inseln wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.
Auf den Philippinen gaben die Behörden ebenfalls eine Tsunami-Warnung heraus. Es wĂŒrden hohe Tsunami-Wellen erwartet, die stundenlang andauern könnten, teilte das nationale Institut fĂŒr Vulkanologie und Seismologie mit. Menschen in mehreren Provinzen des Inselstaates wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen und die KĂŒstenregionen zu verlassen.
China bietet Hilfe an
Im Nachbarland China, das Taiwan als abtrĂŒnnige Provinz betrachtet, war das Erbeben ein Hauptthema in den Nachrichten des Staatsfernsehens. Die chinesischen Behörden seien ĂŒber die Lage sehr besorgt, sagte die Sprecherin des chinesischen BĂŒros fĂŒr Taiwan-Angelegenheiten, Zhu Fenglian, am Mittwoch in Peking. Das Festland beobachte die Situation und sei bereit, Katastrophenhilfe anzubieten. Ob Taiwan die Hilfe Chinas annehmen wird, blieb offen. Zwischen den beiden Staaten gibt es immer wieder Spannungen wegen Pekings Gebietsanspruch, obwohl in Taiwan seit Jahrzehnten eine unabhĂ€ngige und demokratisch gewĂ€hlte Regierung an der Macht ist.
Produktionsstopp bei wichtigem Chiphersteller
Das Beben hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: Taiwans wichtiger Halbleiter-Hersteller TSMC TW0002330008 etwa hielt die Produktion an, wie die Behörde des Industrieparks der Stadt Hsinchu mitteilte. Die Firma evakuierte laut Berichten Arbeiter wĂ€hrend des Bebens aus der Produktion. Auch andere Betriebe stoppten die Arbeit vorĂŒbergehend. Der staatseigene Energieversorger berichtete von mehr als 308 000 Haushalten in Taiwan, bei denen mit dem Beben der Strom ausfiel. Zehntausende waren auch danach zeitweilig noch ohne Strom.
Zuletzt wurde Taiwan im September 1999 von einem Beben der StÀrke 7,3 getroffen. Damals kamen mehr als 2400 Menschen ums Leben. Taiwan liegt in einer erdbebengefÀhrdeten Zone auf der Grenze der Eurasischen Platte und der Philippinischen Meeresplatte.

