Ifo-Institut erhöht Wachstumsprognose auf 0,4 Prozent
20.06.2024 - 10:33:20Das Ifo-Institut hat seine Prognose fĂŒr das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden Jahr von 0,2 auf 0,4 Prozent angehoben. Die Kaufkraft der privaten Haushalte steige, der Export dĂŒrfte anziehen:
«Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Krise», sagte Ifo-Konjunkturchef Timo WollmershÀuser in Berlin. Die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung trage allerdings zur Verunsicherung der Konsumenten und Investoren bei.
Die Löhne stiegen, die Inflation dĂŒrfte dieses Jahr weiter abflauen auf 2,2 Prozent. Damit könnte der zu Jahresanfang sogar rĂŒcklĂ€ufige Konsum der privaten Haushalte allmĂ€hlich wieder steigen, sagte WollmershĂ€user. Der weltweite Handel und die globale Industrieproduktion dĂŒrften sich ab der zweiten JahreshĂ€lfte weiter erholen und damit auch den deutschen Export steigen lassen. Allerdings werde das frĂŒhere Niveau nicht mehr erreicht werden, weil die energieintensive Industrie Deutschland verlasse.
Die Lockerung der Geldpolitik unterstĂŒtze Investitionen, sagte der Konjunkturforscher. Das Ifo-Institut rechnet mit zwei weiteren Zinssenkungen der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) im laufenden Jahr. Das könnte «Ende des Jahres vielleicht eine Trendwende in der Bauwirtschaft einleiten».
«Ein bisschen Aufhellung, aber strukturelle Probleme sind ungelöst»
«Die Weichen sind tendenziell auf Erholung gestellt», sagte WollmershĂ€user. Aber die Bundesregierung habe keinen klaren wirtschaftspolitischen Kurs. Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest sagte, bei der Konjunktur gebe es «ein bisschen Aufhellung, aber die strukturellen Probleme sind ungelöst». Die Investitionen in Deutschland seien rĂŒcklĂ€ufig, weil stabile Rahmenbedingungen fehlten. Mit neuen BĂŒrokratielasten und ĂŒberflĂŒssiger Regulierung wie zum Beispiel dem Energieeffizienzgesetz richte die Wirtschaftspolitik sogar Schaden an. Debatten ĂŒber eine Mietpreisbremse und energetische Vorgaben schreckten Investoren im Wohnungsbau ab.
Die Zahl der Arbeitslosen dĂŒrfte laut Ifo-Prognose dieses Jahr von 2,6 Millionen auf 2,7 Millionen steigen. Das entspricht einer Quote von 5,9 Prozent. Im nĂ€chsten Jahr soll die Arbeitslosenzahl dann wieder auf 2,6 Millionen sinken. Die Zahl der ErwerbstĂ€tigen werde voraussichtlich leicht steigen von 45,9 Millionen auf 46,1 Millionen in diesem Jahr und auf 46,2 Millionen im nĂ€chsten Jahr.
FĂŒr 2025 wird mit 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum gerechnet
Fuest verteidigte die Schuldenbremse. Sie lasse der Politik genug Handlungsspielraum. Aber leider verwende sie die Steuergelder vor allem fĂŒr Konsumausgaben statt fĂŒr Investitionen in die Zukunft. Das Staatsdefizit wird nach EinschĂ€tzung des Ifo-Instituts deutlich sinken, von 99 Milliarden auf 73 Milliarden Euro im laufenden Jahr und auf 54 Milliarden Euro nĂ€chstes Jahr.
FĂŒr nĂ€chstes Jahr rechnet das Ifo-Institut mit 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum. Neue Risiken etwa durch Zölle im Handel mit China oder den USA sind in den Prognosen nicht berĂŒcksichtigt. Sollte Donald Trump erneut US-PrĂ€sident werden und die Steuern senken, könnte das die deutschen Exporte auch antreiben, sagte Fuest.


