SchÀden, Knie-Spritzen

Mehr SchÀden als Nutzen durch Knie-Spritzen und Co

Veröffentlicht am: 19.08.2025 um 12:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschlands Krankenkassen warnen Patientinnen und Patienten vor möglichen SchÀden und Nebenwirkungen durch Selbstzahlerleistungen beim Arzt.

So verursachen Spritzen gegen Knie- oder HĂŒftschmerzen wegen Arthrose regelmĂ€ĂŸig SchĂ€den, wie der Medizinische Dienst Bund bei der PrĂ€sentation seines neuen IGeL-Monitors mitteilte. Die Schmerzreduktion sei hingegen so minimal, "dass sie klinisch nicht von Bedeutung ist".

IGeL steht fĂŒr individuelle Gesundheitsleistungen in Ă€rztlichen Praxen. Jedes Jahr geben gesetzlich Versicherte laut dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen mindestens 2,4 Milliarden Euro dafĂŒr aus - von Augenheilkunde bis zur Urologie. Die OrthopĂ€die gehört mit 397 Millionen Euro zu den drei umsatzstĂ€rksten Fachgebieten im IGeL-Markt.

Bei den Knie- und HĂŒftspritzen geht es um Infektionen mit HyaluronsĂ€ure, die fehlende GelenkflĂŒssigkeit ausgleichen soll. Seit ĂŒber 50 Jahren wurden diese Injektionen anhand von Studien mit zehntausenden Patientinnen und Patienten bewertet, wie der Medizinische Dienst erlĂ€uterte. Mögliche SchĂ€den ĂŒberwiegen demnach den Nuten deutlich.

Stoßwellen bei Schulterschmerzen

Auch Kalkschulter und Tennisarm treiben viele Patientinnen und Patienten in die Praxis, beeintrĂ€chtigt durch Schmerzen und verringerte BewegungsfĂ€higkeit. Hier wird ihnen oft Stoßwellentherapie angeboten, auch dies eine Selbstzahlerleistung. Und das, obwohl laut der Krankenkassen-Erhebung kaum aussagefĂ€hige Studien zu der Therapie vorliegen. Bringt Stoßwellentherapie etwas? "Unklar", lautete das Urteil des Medizinischen Dienstes.

Bilanz ernĂŒchternd

Der IGeL-Monitor nimmt nach und nach die verschiedenen angebotenen Therapien unter die Lupe. Nun zogen die Expertinnen und Experten ein ernĂŒchterndes Fazit. Von 60 geprĂŒften IGeL werden 31 Leistungen negativ bewertet. Bei 26 ist das Ergebnis mangels ausreichender Studien unklar. Nur 3 Selbstzahlerleistungen schneidet mit tendenziell positiv ab.

"Wir brauchen Fakten statt Werbung"

Vieles schade mehr, als dass es nĂŒtze, sagte der Vorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, Stefan Gronemeyer. Dass IGeL dennoch oft durchgefĂŒhrt wĂŒrden, liege an mangelhafter Information der Patientinnen und Patienten in vielen Praxen.

Eine Umfrage des Medizinischen Dienstes zeigt: Viele Versicherte denken, die Leistungen seien sinnvoll, wĂŒrden aber nicht mehr von den Kassen angeboten. "Das ist falsch", sagte Gronemeyer. Er kritisierte Nutzenversprechen durch Praxisflyer und -TV. An die Adresse niedergelassener Ärzte sagte Gronemeyer: "Wir brauchen Fakten statt Werbung in den Wartezimmern."

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