Mehrwertsteuer, Ifo-Chef

Mehrwertsteuer: Ifo-Chef fordert Einheitssatz statt 7%-Rabatt

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ifo-PrĂ€sident Fuest plĂ€diert fĂŒr einheitliche 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die Politik lehnt die Reform ab, da sie Preissteigerungen befĂŒrchtet.

Gastronomie-Steuerdebatte: Ifo-Chef Fuest fordert einheitlichen Mehrwertsteuersatz
Ein leeres MenĂŒ auf einem Holztisch in einem modernen Restaurant als Symbol fĂŒr die Mehrwertsteuerdebatte in der Gastronomie. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

In der deutschen Gastronomiebranche zeigt sich derzeit eine deutliche Diskrepanz zwischen steuerlicher Entlastung und der Preisgestaltung fĂŒr Endverbraucher. Berichten vom 8. August 2026 zufolge geben Gastronomiebetriebe die seit dem 1. Januar 2026 geltende reduzierte Mehrwertsteuer von 7 Prozent auf Speisen kaum an ihre GĂ€ste weiter. WĂ€hrend die Branche unmittelbar von der Regelung profitiert, verzeichnen Verbraucher keine entsprechenden Preissenkungen in den Restaurants.

Forderung nach RĂŒckkehr zum Einheitssatz

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest am 6. August 2026 eine grundlegende Reform des Systems gefordert. Er spricht sich fĂŒr die Abschaffung des ermĂ€ĂŸigten Mehrwertsteuersatzes von 7 Prozent aus. Stattdessen schlĂ€gt Fuest einen einheitlichen Steuersatz von 19 Prozent auf alle Waren vor.

Die finanziellen Auswirkungen der aktuellen Ausnahmeregelung sind erheblich. Den Angaben des Ifo-PrĂ€sidenten zufolge belaufen sich die Kosten fĂŒr den ermĂ€ĂŸigten Satz auf jĂ€hrlich 43,5 Milliarden Euro. Durch die EinfĂŒhrung eines einheitlichen Steuersatzes hĂ€tte der Staat netto 36 Milliarden Euro mehr zur VerfĂŒgung. Im Falle einer Abschaffung des ermĂ€ĂŸigten Satzes prognostiziert Fuest jedoch mögliche Preissteigerungen von bis zu 12 Prozent.

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Soziale Abfederung und Ausgleichszahlungen

Die Umstellung auf einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz wĂŒrde insbesondere Haushalte mit geringerem Einkommen belasten. Berechnungen zufolge mĂŒsste die Ă€rmere HĂ€lfte der Bevölkerung mit Mehrkosten von etwa 30 Euro pro Monat rechnen. Um diese Belastung auszugleichen, sieht der Vorschlag von Clemens Fuest ein Entlastungsvolumen von insgesamt 7,2 Milliarden Euro vor.

Konkret sollen Ă€rmere Haushalte eine jĂ€hrliche Gutschrift in Höhe von 360 Euro erhalten. Damit bliebe dem Staat trotz der sozialen Kompensation ein deutliches Plus in der Haushaltskasse. Fuest verweist in diesem Zusammenhang auf internationale Beispiele: WĂ€hrend DĂ€nemark einen einheitlichen Satz von 25 Prozent auf alle Produkte erhebt, verfolgt Österreich einen anderen Weg und senkt den Satz fĂŒr Grundnahrungsmittel auf 4,9 Prozent.

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Politische Ablehnung des Reformvorschlags

In der Politik stĂ¶ĂŸt der Vorstoß des Ifo-Instituts auf Widerstand. Am 6. August 2026 signalisierte die SPD Ablehnung gegenĂŒber einer Abschaffung des ermĂ€ĂŸigten Mehrwertsteuersatzes. SPD-GeneralsekretĂ€r KlĂŒssendorf Ă€ußerte sich ablehnend zu den PlĂ€nen einer Vereinheitlichung auf 19 Prozent.

Die Debatte verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen fiskalischer Effizienz und sozialer VertrĂ€glichkeit. WĂ€hrend Experten wie Fuest die hohen Kosten und die mangelnde Weitergabe der Steuervorteile in der Gastronomie kritisieren, betonen politische Akteure die Bedeutung der aktuellen VergĂŒnstigungen fĂŒr die StabilitĂ€t der Preise bei Waren des tĂ€glichen Bedarfs.

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