Mehrwertsteuer-Senkung auf Restaurantbesuche: Studie sieht kaum Entlastung fĂŒr GĂ€ste
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 13:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Trotz der seit Jahresbeginn geltenden niedrigeren Mehrwertsteuer auf Restaurantspeisen profitieren GĂ€ste einer neuen Untersuchung zufolge kaum von gĂŒnstigeren Preisen.
Studie sieht kaum Weitergabe der Steuersenkung
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststÀtten (NGG) teilte mit, die Studie liefere keine Hinweise darauf, dass die Mehrwertsteuersenkung in nennenswertem Umfang an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden sei. Im Durchschnitt hÀtten sich die Preise sogar um 0,5 Prozent erhöht. Die Steuer war zum Jahreswechsel von 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt worden.
GroĂe Datenauswertung aus tausenden Restaurants
Das Beratungsunternehmen wmp consult wertete im Auftrag der NGG die Preise von 180.000 Gerichten in bundesweit mehr als 12.000 Restaurants aus. Erhoben wurden die Daten im Oktober 2025, also vor der Absenkung, sowie im Februar und MÀrz dieses Jahres. Bei neun von zehn untersuchten Gerichten blieben die Preise demnach unverÀndert, bei 8 Prozent stiegen sie, bei rund 1 Prozent sanken sie.
Gewerkschaft und VerbraucherschĂŒtzer ĂŒben Kritik
NGG-Vorsitzender Guido Zeitler erklĂ€rte, die Bundesregierung habe mit der Mehrwertsteuersenkung auch die GĂ€ste entlasten wollen, tatsĂ€chlich sei davon nichts bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch spricht von Steuergeschenken fĂŒr Gastro-Betriebe und Fastfood-Konzerne wie McDonald's, wĂ€hrend die Menschen unter hohen Preisen Ă€chzen wĂŒrden. Die Steuersenkung werde anders als versprochen eben nicht an die Verbraucher weitergegeben, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler.
Branchenverband verweist auf stabil gehaltene Preise
Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Deutschen Hotel- und GaststĂ€ttenverbands (Dehoga), Jana Schimke, hĂ€lt dem entgegen, drei Viertel der Betriebe â konkret 73,4 Prozent â hĂ€tten ihre Preise durch die Absenkung der Mehrwertsteuer trotz massiv gestiegener Kosten stabil halten können. Eine frĂŒher im MĂ€rz veröffentlichte gröĂere Auswertung des Datenspezialisten Meoton hatte bereits ergeben, dass die Steuersenkung aus Sicht der Verbraucher vor allem dazu gefĂŒhrt habe, dass die Preise nicht weiter gestiegen seien. PreisnachlĂ€sse wurden auch damals nur in geringem Umfang festgestellt.
Steuersenkung als Ausgleich fĂŒr gestiegene Kosten
Viele Gastronomen hatten schon vor der Mehrwertsteuersenkung angekĂŒndigt, diese vor allem dazu zu nutzen, stark gestiegene Kosten auszugleichen. Nach Darstellung von Schimke reagierten Betriebe unterschiedlich auf die GesetzesĂ€nderung: Manche hĂ€tten Preissenkungen vornehmen können, andere Löhne angehoben, neue Mitarbeiter eingestellt, modernisiert oder ihr Angebot weiter verbessert.
Belastete BeschÀftigte im Gastgewerbe
Nach Gewerkschaftsangaben wurden die Einsparungen nicht zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der rund 2 Millionen BeschĂ€ftigten der Branche genutzt. Eine Befragung von mehr als 2.100 BeschĂ€ftigten aus Hotellerie sowie System- und Betriebsgastronomie zwischen Juni und Juli dieses Jahres ergab, dass viele stark ĂŒberlastet seien. Drei Viertel der BeschĂ€ftigten könnten sich nach langen Arbeitstagen nicht ausreichend erholen, 79 Prozent berichteten von kurzfristigen DienstplanĂ€nderungen, die die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erschwerten.
Dehoga fordert mehr FlexibilitÀt bei Arbeitszeiten
Von der Dehoga hieĂ es dazu, gesetzliche Arbeitszeitgrenzen sowie Schutz- und Ruhezeiten mĂŒssten selbstverstĂ€ndlich eingehalten werden. Gleichzeitig brauche das Gastgewerbe FlexibilitĂ€t. Der Verband regte an, die wöchentliche Höchstarbeitszeit zu erhöhen, um mehr Selbstbestimmung fĂŒr BeschĂ€ftigte zu erreichen.
Steuersenkung ohne spĂŒrbare Entlastung
Die NGG-Studie zeichnet ein Bild, das viele GĂ€ste aus dem Alltag kennen: Trotz einer deutlichen Senkung der Mehrwertsteuer auf Restaurantspeisen von 19 auf 7 Prozent bleiben Restaurantbesuche aus Sicht der Verbraucher weitgehend so teuer wie zuvor. Die Auswertung von wmp consult ĂŒber 180.000 Gerichte in mehr als 12.000 Restaurants zeigt, dass die Preise im Mittel sogar leicht um 0,5 Prozent gestiegen sind. In neun von zehn FĂ€llen blieben sie unverĂ€ndert, nur bei rund einem Prozent sanken sie. Damit wird eine zentrale politische Erwartung verfehlt: Die Entlastung fĂŒr GĂ€ste ist im Wesentlichen ausgeblieben.
Spannung zwischen Entlastung und Kostendruck der Betriebe
Die Studie trifft auf eine Branche, die seit Jahren unter massiv gestiegenen Kosten fĂŒr Energie, Lebensmittel und Personal steht. Viele Gastronomen hatten schon vor der Steuersenkung angekĂŒndigt, die Entlastung vor allem zur Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen Lage zu nutzen. Laut Dehoga nutzten Betriebe den Spielraum unterschiedlich â etwa fĂŒr höhere Löhne, zusĂ€tzliche Stellen oder Investitionen. FĂŒr GĂ€ste bedeutet das: Die gesenkte Steuer wirkt eher als Puffer gegen noch stĂ€rkere Preisanstiege, nicht als Quelle fĂŒr spĂŒrbar niedrigere Rechnungen. Bereits frĂŒhere Datenauswertungen wie die von Meoton hatten darauf hingewiesen, dass PreisnachlĂ€sse fĂŒr Konsumenten nur in geringem Umfang vorkommen.
Belastete BeschÀftigte und politische Konfliktlinien
Besonders brisant ist die Frage, was die Steuersenkung fĂŒr die rund zwei Millionen BeschĂ€ftigten im Gastgewerbe bringt. Die NGG verweist auf hohe Ăberlastung, fehlende Erholungsphasen und kurzfristige DienstplanĂ€nderungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschweren. Gleichzeitig fordert die Dehoga mehr FlexibilitĂ€t, etwa ĂŒber eine höhere wöchentliche Höchstarbeitszeit. FĂŒr die Politik stellt sich damit die doppelte Herausforderung, einerseits Steuerinstrumente so zu gestalten, dass sie tatsĂ€chlich bei GĂ€sten ankommen, und andererseits Arbeitsbedingungen so zu regulieren, dass die Branche genĂŒgend Personal findet und hĂ€lt, ohne BeschĂ€ftigte weiter an die Belastungsgrenze zu bringen.
