Mercedes-Benz, Homeoffice

Mercedes-Benz: Homeoffice abgeschafft, 40-Stunden-Woche ohne Ausgleich

01.07.2026 - 23:42:01 | boerse-global.de

Mercedes-Benz plant die Abschaffung von Homeoffice und fordert unbezahlte Mehrarbeit. Hintergrund sind drastisch gesunkene Gewinne und ein gefallener Aktienkurs.

Mercedes-Benz verschärft Sparkurs: Homeoffice-Aus und Mehrarbeit geplant
Mercedes-Benz - Ein verlassenes, modernes Büro mit leeren Schreibtischen und Stühlen, ein Mercedes-Benz-Logo auf einem Bildschirm im Hintergrund. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Vorstandschef Ola Källenius plant die komplette Abschaffung der Homeoffice-Regelungen – und fordert unbezahlte Mehrarbeit.

Rückkehr ins Büro – ohne Kompromisse

Mobiles Arbeiten soll bei Mercedes-Benz Geschichte sein. Die Unternehmensleitung will eine verpflichtende Büropräsenz an fünf Tagen pro Woche für die gesamte Belegschaft durchsetzen. Verhandlungen mit dem Betriebsrat über neue Richtlinien zur mobilen Arbeit gelten als gescheitert.

Doch damit nicht genug: Parallel fordert der Vorstand eine Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit – ohne Lohnausgleich. Konkret steht eine 40-Stunden-Woche im Raum, vergütet auf dem Niveau der aktuellen 35-Stunden-Woche.

Gewinn halbiert – Aktie unter Druck

Der Hintergrund der harten Gangart ist eine deutliche Verschlechterung der Geschäftszahlen. Im Geschäftsjahr 2025 halbierte sich der Gewinn des Stuttgarter Konzerns auf rund 5,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 10,4 Milliarden.

Der Trend setzte sich fort: Im ersten Quartal 2026 ging das Ergebnis um 17,2 Prozent zurück. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn über 25 Prozent an Wert.

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Sonderzahlung verschoben – Offshoring forciert

Um die Liquidität zu sichern, verschiebt Mercedes eine für Juli geplante Sonderzahlung. Rund 90.000 Mitarbeiter sollten ursprünglich einen sogenannten Transformationsbaustein erhalten – 18,4 Prozent eines Monatsentgelts. Die Auszahlung kommt nun erst 2027.

Parallel treibt der Konzern das Offshoring von Verwaltungsfunktionen voran. Ziel: die Kostenstrukturen weiter zu entlasten.

IG Metall ruft zu Protesten auf

Die Arbeitnehmervertretungen reagieren mit deutlicher Ablehnung. Die IG Metall hat für den 3. Juli zu großangelegten Protesten an zahlreichen Standorten aufgerufen. Betroffen sind unter anderem Sindelfingen, Untertürkheim, Rastatt, Bremen, Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Ein weiterer Protesttag ist für den 4. Juli geplant.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Beschäftigten für wirtschaftliche Einbußen geradestehen sollen – während gleichzeitig der Druck durch Mehrarbeit und den Wegfall flexibler Modelle steige.

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Standort Deutschland unter Druck

Die Debatte bei Mercedes ist Teil einer branchenweiten Diskussion. Die Arbeitskosten in der deutschen Industrie lagen im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 45 Euro pro Stunde – der EU-Schnitt liegt bei 34,90 Euro. Die Lohnstückkosten in Deutschland sind rund 22 Prozent höher als in den wichtigsten Vergleichsländern.

Die 35-Stunden-Woche gerät zunehmend unter Druck. Während Mercedes auf Mehrarbeit und Präsenz setzt, planen andere wie Volkswagen bereits massiven Stellenabbau und Werksschließungen.

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