Mercedes-Benz, Präsenztage

Mercedes-Benz: Vier Präsenztage pro Woche für 38.000 Bürobeschäftigte geplant

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die geplante Präsenzregelung betrifft rund 38.000 Bürobeschäftigte; ihre Einführung 2027 hängt noch von der Zustimmung der Betriebsräte ab.

Mercedes-Benz plant vier Bürotage pro Woche für Beschäftigte
Leere, moderne Büroarbeitsplätze in einem Stuttgarter Konzerngebäude bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Der Automobilhersteller Mercedes-Benz plant eine deutliche Verschärfung seiner Richtlinien für mobiles Arbeiten. In einer E-Mail informierte das Unternehmen seine Büroangestellten in Deutschland am 29. September 2026 darüber, dass künftig eine Standardpräsenz von vier Tagen pro Woche vor Ort vorgesehen ist. Damit leitet der Stuttgarter Konzern eine Kehrtwende in seiner Arbeitskultur ein, nachdem über Jahre hinweg flexible Regelungen dominiert hatten.

Ende der weitgehenden Homeoffice-Freiheit

Bislang basierte das mobile Arbeiten bei Mercedes-Benz auf einer Betriebsvereinbarung aus dem Jahr 2016, die den Beschäftigten theoretisch bis zu fünf Tage Homeoffice pro Woche ermöglichte. In der Praxis führte dies laut Konzernkreisen zeitweise zu einer Präsenzquote in den Büros von etwa 50 Prozent. Nach Schätzungen sind von der Neuregelung rund 38.000 Bürobeschäftigte in Deutschland betroffen.

Die neue Regelung sieht vor, dass Führungskräfte für Vollzeitbeschäftigte künftig bis zu vier Präsenztage pro Woche festlegen können, ohne dies gesondert begründen zu müssen.

Individuelle Ausnahmen sollen zwar weiterhin möglich bleiben, doch für Führungskräfte selbst ist eine dauerhafte Anwesenheit im Büro vorgesehen. Berichten zufolge habe der Vorstandsvorsitzende Ola Källenius ursprünglich sogar eine vollständige Rückkehr an fünf Tagen angestrebt.

Fokus auf Produktivität und Unternehmenskultur

Mercedes-Benz begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit, die Zusammenarbeit, die Innovationskraft und die allgemeine Unternehmenskultur zu stärken. Eine höhere Präsenz vor Ort solle die Produktivität steigern.

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Dieser Kurswechsel erfolgt vor dem Hintergrund einer schwierigen wirtschaftlichen Lage: Der Konzern hat mit sinkenden Gewinnen und rückläufigen Verkaufszahlen zu kämpfen. Die Anpassung der Arbeitsmodelle wird daher als Teil einer breiteren Effizienzdebatte innerhalb des Unternehmens gewertet.

Die neue Betriebsvereinbarung soll voraussichtlich am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Voraussetzung hierfür ist jedoch noch die formale Zustimmung der Betriebsratsgremien an den verschiedenen Standorten, die derzeit noch aussteht.

Branchenweiter Trend zur Präsenzpflicht

Mercedes-Benz steht mit diesem Vorhaben nicht allein in der deutschen Automobilindustrie. Auch andere Hersteller überdenken ihre Homeoffice-Regelungen im Zuge des wirtschaftlichen Drucks. Anfang September 2026 teilte der Vorstand von Audi mit, die bestehende Vereinbarung zum mobilen Arbeiten kündigen zu wollen. Diese erlaubt es den Mitarbeitern bisher, nach Absprache in unbegrenztem Umfang von zu Hause aus zu arbeiten.

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Besonders tiefgreifende Einschnitte kündigten sich zudem bei Volkswagen an. Das Unternehmen hat zum 31. Dezember 2026 zehn von 13 Haustarifverträgen für rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland gekündigt. VW-Chef Oliver Blume brachte in diesem Zusammenhang auch Änderungen bei der Arbeitszeit ins Gespräch.

Zur Diskussion stehen eine Erhöhung der Jahresarbeitszeit, etwa durch den Verzicht auf Urlaubstage, oder längere Wochenarbeitszeiten ohne entsprechenden Lohnausgleich. Laut dem Vorstand liegen die Arbeitskosten bei VW in Deutschland etwa doppelt so hoch wie an anderen europäischen Standorten des Konzerns.

Widerstand der Arbeitnehmervertreter

Die Pläne zur Verschärfung der Arbeitsbedingungen stoßen auf deutlichen Widerstand seitens der Gewerkschaften. Die IG Metall kritisierte insbesondere das Vorgehen bei Volkswagen scharf und kündigte Gegenwehr an. Für die zweite Oktoberhälfte 2026 sind bereits Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und VW angesetzt. Da die Friedenspflicht am 1. Januar 2027 endet, werden Warnstreiks zum Jahresbeginn nicht ausgeschlossen.

Zusätzlich zu den unternehmensspezifischen Konflikten beginnen am 7. Oktober 2026 die allgemeinen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektrobranche. Die IG Metall fordert hierbei 5 Prozent mehr Entgelt für bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigte.

Eine Umfrage der Gewerkschaft unter 267.000 Mitarbeitern verdeutlicht die gemischte Stimmung in der Branche: Während rund die Hälfte der Befragten die aktuelle Betriebslage als gut oder sehr gut bewertet, stuft ein Fünftel die Situation als schlecht oder sehr schlecht ein.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Homeoffice: Mercedes-Mitarbeiter sollen wieder vier Tage pro Woche ins Büro“

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