Metall-Tarifrunde, Metall

Metall-Tarifrunde: IG Metall bereitet Warnstreiks ab 1. November vor

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach gescheiterten Tarifgesprächen plant die Gewerkschaft ab 1. November Arbeitsniederlegungen; Arbeitgeber verweisen auf wirtschaftliche Belastungen.
Leere Industriehalle einer Metallfabrik mit großen Maschinen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Nach dem Auslaufen der Friedenspflicht in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie bereitet die IG Metall bundesweit Warnstreiks vor. Auch die Arbeitgeberseite stellt sich auf Arbeitsniederlegungen ein. So stufte Carsten Rahier von Hessenmetall Nordhessen entsprechende Aktionen am 28. Oktober 2026 als wahrscheinlich ein. Hintergrund sind mehrere ergebnislose Verhandlungsrunden in zentralen Tarifbezirken.

Warnstreiks ab Anfang November im Tarifgebiet Mitte

Im Tarifgebiet Mitte, das Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit rund 388.000 Beschäftigten umfasst, endete die zweite Tarifrunde in Hanau ohne Resultat. Die Gewerkschaft kündigte daraufhin Warnstreiks ab 00.01 Uhr in der Nacht zum Sonntag, dem 1. November, an.

Bezirkschef Jörg Köhlinger bezeichnete den Vorschlag der Unternehmer als lausig. Detaillierte Planungen zu den Streikmaßnahmen sowie ein Termin für eine dritte Verhandlungsrunde standen zunächst noch aus.

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Ralph Wangemann, Arbeitsdirektor bei Opel, verteidigte die Offerte hingegen als konstruktiv und angemessen. Er verwies auf die prekäre Lage der Industrie und betonte, dass hohe Arbeitskosten einen gewichtigen Teil dieses Problems darstellten.

Das Angebot der Arbeitgeberseite sieht eine Laufzeit von 26 Monaten vor, verbunden mit einer Einmalzahlung im kommenden Jahr, die laut VEM von der Situation des jeweiligen Unternehmens abhängt. Erst ab Juli 2028 soll eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent greifen.

Pfalzmetall verwies zudem darauf, dass die Löhne im April bereits um 3,1 Prozent angehoben worden seien. Demgegenüber verlangt die Gewerkschaft bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fünf Prozent mehr Geld sowie Vereinbarungen zur Standortsicherung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen.

Festgefahrene Fronten im Norden, Osten und Westen

Ein ähnliches Bild zeigt sich in weiteren Verhandlungsregionen. In Sachsen-Anhalt lehnte die Gewerkschaft das Angebot des Verbands VME ab, das neben einer Laufzeit von 26 Monaten eine Einmalzahlung im Juli 2027 in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttos sowie eine Tabellenerhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028 enthält.

Bezirksleiter Thorsten Gröger kritisierte, der Vorschlag komme zu spät, greife zu kurz und sei zu niedrig bemessen. Auch hier sind Warnstreiks ab dem 1. November vorgesehen.

In Niedersachsen legte NiedersachsenMetall ein strukturell vergleichbares Angebot vor, das laut Arbeitgeberangaben eine Einmalzahlung von rund 660 Euro brutto im Juli 2027 beinhaltet, während die Tabellen erst im 21. Monat um 1,3 Prozent steigen sollen.

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Neben einer tabellenwirksamen Erhöhung um fünf Prozent bei zwölf Monaten forderte die Arbeitnehmerseite soziale Komponenten und eine Gewinnbeteiligung.

Bei einer Inflationsrate in Niedersachsen von 3,3 Prozent im September verlangten die Arbeitgeber ihrerseits Gespräche über Krankenstände und Künstliche Intelligenz. Nach Erhebungen der Krankenkasse DAK lag der Krankenstand im Land im ersten Halbjahr 2026 bei 5,5 Prozent und damit 0,2 Punkte unter dem Vorjahreswert.

An der Küste scheiterte die Verhandlung für rund 130.000 Beschäftigte in Oldenburg. Begleitet von einer Demonstration mit nach Polizeiangaben rund 1.500 Teilnehmenden sprach die IG Metall mit Blick auf die aktuelle Inflationsrate von 3,3 Prozent von einer Minusrunde.

Die nächste Runde ist dort für den 6. November in Bremen avisiert. Der Arbeitgeberverband Nordmetall wies darauf hin, dass die Branche seit 2019 gut 340.000 Arbeitsplätze verloren habe und ein weiterer Abbau von bis zu 300.000 Stellen drohe; zudem liege die Produktion 15 Prozent unter dem Niveau von 2018.

Arbeitgeber warnen vor wirtschaftlichen Belastungen

Auch in Berlin und Brandenburg wies die Gewerkschaft das Angebot für etwa 96.000 Beschäftigte am 28. Oktober 2026 zurück. Bezirksleiter Jan Otto bezeichnete den Vorschlag als nicht verhandelbar, da er auf ein Reallohnminus hinauslaufe.

VME-Verhandlungsführer Henning Brandes hielt dagegen, Arbeitsniederlegungen seien ein absolut falsches Signal. Ähnliche Konflikte zeichnen sich in Thüringen für rund 28.000 Beschäftigte sowie in Nordrhein-Westfalen ab, wo unter anderem die IG Metall Herford Aktionen vorbereitet.

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Hessenmetall Nordhessen berichtete für den 28. Oktober 2026, dass in der Region binnen zwölf Monaten rund 1.300 Industriejobs verloren gingen. Die Auslastung liege im Maschinenbau und in der Automobilindustrie bei lediglich rund 80 Prozent.

Für das Jahr 2026 zeichne sich bundesweit eine Produktion ab, die voraussichtlich rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2018 verharre, während die Löhne in diesem Zeitraum um mehr als 20 Prozent gestiegen seien.

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