Metall-Tarifstreit, Warnstreiks

Metall-Tarifstreit: Warnstreiks für 3,7 Millionen Beschäftigte ab 1. November

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Entgelt; erste Warnstreiks sind ab dem 1. November 2026 zulässig.
Leere, moderne Industriehalle mit schweren Maschinen und Fertigungsanlagen in gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Gewerkschaft IG Metall hat das erste Tarifangebot der Arbeitgeberseite für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie als unzureichend zurückgewiesen.

Da die Entgelttarifverträge am 31. Oktober 2026 auslaufen, endet die Friedenspflicht an diesem Tag um 24 Uhr. Erste Warnstreiks in den Betrieben sind damit ab dem 1. November 2026 um 0:00 Uhr zulässig. Die Gewerkschaft kündigte an, ihre Warnstreikankündigung gegen Ende der Woche offiziell vorzulegen.

Weite Kluft zwischen Forderungen und Angebot

Die Arbeitgeberseite legte eine Offerte vor, die für Juli 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts vorsieht. Erst ab Juli 2028 soll eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent greifen.

Bei einer angestrebten Gesamtlaufzeit bis Ende 2028 knüpften die Verbände das Angebot zudem an erweiterte Sonderregeln: Betriebe mit schwacher Ertragslage sollen die Möglichkeit erhalten, Sonderzahlungen auszusetzen, wobei zusätzliche Verhandlungsspielräume für Betriebsräte geschaffen werden sollen. Bislang liegt der Schwellenwert für eine automatische Differenzierung bei einer Nettoumsatzrendite von 2,3 Prozent.

Die IG Metall fordert dagegen eine Entgelterhöhung von 5 Prozent sowie ein entsprechendes Plus bei den Ausbildungsvergütungen ab November bei einer kurzen Laufzeit von 12 Monaten. Entsprechend scharf fiel die Reaktion der gewerkschaftlichen Verhandlungsführer aus.

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Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, bezeichnete die Vorlage als faktische Minus-Runde; die dortige Tarifkommission will an diesem Samstag über das weitere Vorgehen entscheiden.

Im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen stufte Bezirksleiter Jan Otto den Vorschlag als weltfremd und enttäuschend ein, womit eine Einigung derzeit außer Reichweite liege. Die Streikvorbereitungen würden deshalb forciert.

Regionale Zuspitzung und Branchenlage

Die regionalen Schwerpunkte verdeutlichen die Distanz der Tarifparteien. In Baden-Württemberg, wo die IG Metall 5 Prozent für etwa 900.000 Beschäftigte verlangt, würde die von den Arbeitgebern vorgeschlagene Einmalzahlung rund 700 Euro betragen.

Nach Angaben des Verbands Südwestmetall müssten jedoch etwa 45 Prozent der Betriebe diese Zahlung gar nicht leisten: Rund 25 Prozent der 641 Mitgliedsunternehmen schreiben Verluste, weitere rund 20 Prozent erreichen nicht die geforderte Mindestrendite von 2,3 Prozent.

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Der Verbandsvorsitzende Peter Krause drängte darauf, nun rasch zu einer Lösung zu finden. Zugleich forderten die Arbeitgeber im Südwesten eine Senkung der betrieblichen Krankenkosten. In der Region Heilbronn kündigten in den vergangenen Monaten zudem drei Unternehmen ihre überregionale Tarifbindung auf.

In Niedersachsen rief die IG Metall bereits ab dem 1. November 2026 zu Warnstreiks auf. Für die rund 120.000 Beschäftigten im Zuständigkeitsbereich der Bezirksleitung Hannover beziffert die Gewerkschaft die angebotene Einmalzahlung auf rund 660 Euro brutto bei einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2028. Der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall verwies demgegenüber auf erhebliche strukturelle Probleme: Während die weltweite Industrieproduktion seit 2018 um 15 Prozent zulegen konnte, brach die heimische Produktion der Metall- und Elektroindustrie im selben Zeitraum um 15 Prozent ein.

Auch in Sachsen zeichnet sich ein harter Konflikt ab. Der dortige Arbeitgeberverband VSME schlug vor, für das Jahr 2027 lediglich eine geringe Einmalzahlung zu leisten, die Tabellenentgelte 2027 gar nicht und erst im Juli 2028 um 1,3 Prozent anzuheben.

Bereits die erste Verhandlungsrunde am 14. Oktober 2026 war dort ohne Angebot geblieben. Die Gewerkschaft verlangt für die rund 155.000 Beschäftigten in Sachsen neben den 5 Prozent mehr Entgelt für 12 Monate auch verbindliche Zusagen zur Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen, Gewinnbeteiligungen sowie eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen.

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