Metall-, Elektroindustrie

Metall- und Elektroindustrie: 300.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesamtmetall warnt vor weiterem Stellenabbau, während die IG Metall ihre Warnstreiks ausweitet und Tarifverhandlungen fortgesetzt werden.
Eine leere, stillgelegte Industriehalle mit schweren Maschinen in einer düsteren, atmosphärischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der deutschen Metall- und Elektro-Industrie droht ein massiver Beschäftigungsabbau. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall stehen angesichts der anhaltenden Unterauslastung in den kommenden zwei bis drei Jahren weitere 300.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Wie Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander laut einem Bericht vom 4. November 2026 darlegte, würde die Zahl der Beschäftigten in diesem Fall auf 3,4 Millionen sinken. Dies wäre der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Bereits seit 2019 habe der Deindustrialisierungsprozess die Branche 350.000 Arbeitsplätze gekostet.

Verhärtete Fronten in der laufenden Tarifrunde

Die Warnung fällt in eine Phase zugespitzter Tarifkonflikte. Zander warf den Gewerkschaften vor, aus organisationspolitischen Gründen unnötigen Schaden anzurichten, während monatlich rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gingen.

Die IG Metall fordert in den Verhandlungen für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche 5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von 12 Monaten sowie verbindliche Zusagen zur Jobsicherung. Zudem verlangt die Gewerkschaft in einzelnen Bezirken Regelungen zur Gewinnbeteiligung und eine Stärkung unterer Entgeltgruppen sowie zusätzliche Vergütungen für Auszubildende.

Demgegenüber steht ein Angebot der Arbeitgeberseite, das eine Einmalzahlung sowie eine dauerhafte Entgelterhöhung von 1,3 Prozent vorsieht, die erst im Juli 2028 wirksam werden soll. Die Laufzeit soll insgesamt 26 Monate betragen.

Regionale Arbeitgeberangebote, etwa im Südwesten und an der Küste, beinhalten vor der ersten Erhöhungsstufe längere Nullmonate sowie Klauseln, nach denen Unternehmen mit unzureichender Ertragskraft die Einmalzahlung verschieben oder streichen können.

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Bundesweite Ausweitung der Warnstreiks

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, weitet die IG Metall die Arbeitsniederlegungen deutlich aus. Nach einer ersten Warnstreikwelle mit rund 38.000 Beschäftigten an 220 betrieblichen Aktionen kündigte die Gewerkschaft für die laufende Woche Arbeitsniederlegungen in mehr als 2.000 Betrieben im gesamten Bundesgebiet an.

Im Bezirk Küste beteiligten sich mehrere Tausend Beschäftigte an Kundgebungen und Ausständen, unter anderem an Standorten in Bremen und Hamburg. In Berlin legten Beschäftigte in elf Betrieben im Bezirk Spandau zeitweise die Arbeit nieder, darunter im Motorradwerk von BMW sowie an Standorten von Siemens, Osram und BSH Hausgeräte.

Auch in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz traten Belegschaften zahlreicher Zuliefer- und Maschinenbaubetriebe in den Ausstand. Vertreter der regionalen Arbeitgeberverbände bezeichneten die Streikmaßnahmen als unverantwortbar und warnten vor einer weiteren Verschärfung des personellen Abbaus.

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Sparprogramme und Stellenabbau belasten Standorte

Die angespannte Branchenlage spiegelt sich bereits in konkreten Restrukturierungsplänen wider. So plant der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler den Abbau von 3.460 Stellen in Europa, wovon 2.660 Arbeitsplätze auf Standorte in Deutschland entfallen.

Zudem sollen fünf Werke geschlossen werden. Branchenvertreter sehen in solchen Maßnahmen die Bestätigung eines tiefgreifenden Strukturwandels, der die deutsche Industrie unter erheblichen Anpassungsdruck setzt.

Mehr zum Thema bei n-tv: „Tarifkonflikt mit IG Metall: Arbeitgeber sehen weitere 300.000 Jobs in Industrie in Gefahr - n“

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