Riesenschaden, Fake-Artikel

Riesenschaden durch Fake-Artikel und illegales Streaming

12.06.2024 - 05:41:32 | dpa.de

Millionen Menschen freuen sich auf die Fußball-EM und die Olympischen Sommerspiele. Aber auch Markenpiraten und andere BetrĂŒger hoffen auf ordentlich Reibach. Die EU warnt vor den Folgen.

Vor der Fußball-EM und anderen großen Sportereignissen hat die EU vor Markenpiraterie und illegalem Streaming gewarnt. - Foto: Serbische Polizei/EUIPO/dpa

Im Fußball wĂŒrde es dafĂŒr Rote Karten hageln, aber die FĂ€lschung von Sportartikeln und illegales Streaming halten manche Konsumenten offenbar fĂŒr ein Kavaliersdelikt. Dabei fĂŒgt solches Verhalten Rechteinhabern und Herstellern in der EU jĂ€hrlich SchĂ€den in Millionenhöhe zu, wie aus einer am Mittwoch vom Amt der EuropĂ€ischen Union fĂŒr geistiges Eigentum (EUIPO) veröffentlichten Studie hervorgeht.

GeschĂ€digt wird auch der Sport, der auf die Gelder angewiesen ist. Im Vorfeld großer Sportereignisse wie der Fußball-EM in Deutschland, den Olympischen Sommerspielen in Frankreich oder der Tour de France startet die EU-Agentur mit Sitz im spanischen Alicante deshalb eine Kampagne «Play Fair» – ein Appell an Fans, nur offizielle Übertragungen anzuschauen und sich an autorisierte Merchandise-Artikel zu halten. «Wir alle fiebern einem Sommer voll spannender Wettbewerbe entgegen, und da ist Fair Play unverzichtbar – sowohl fĂŒr die Spieler auf dem Platz als auch fĂŒr die Zuschauer daheim», sagte EUIPO-Exekutivdirektor JoĂŁo NegrĂŁo.

Gerade Jugendliche streamen illegal

Die Studie zu Einstellungen und Verhalten der Verbraucher in der EU in Bezug auf geistiges Eigentum zeichnet das Bild einer Branche, die unter Trickserei und Betrug leidet. So haben zwölf Prozent der Menschen in der EU schon einmal Sport-Inhalte aus illegalen Quellen angesehen oder gestreamt, in Deutschland waren es neun Prozent.

In der Altersgruppe der 15- bis 24-JĂ€hrigen gaben sogar 27 Prozent zu, SportĂŒbertragungen auf illegalen Online-KanĂ€len angeschaut zu haben (Deutschland: 21 Prozent). Bulgarischen Jugendliche schossen hier mit 47 Prozent den Vogel ab. Wer sicher gehen will, nicht bei einem illegalen Streaminganbieter gelandet zu sein, kann dies mit dem Tool Agorateka der EUIPO prĂŒfen. Es hilft Verbrauchern, fĂŒr ihr Land legale Inhalte zu finden.

Bei Sport-Großereignissen geht es um viel Geld und um Millionen Zuschauer und Verbraucher. Da wittern nach EinschĂ€tzung des EU-Amts auch BetrĂŒger große Chancen. Illegales Online-Streaming betreffe alle Arten von Inhalten – eben auch Sportveranstaltungen. Nach SchĂ€tzungen des EUIPO wird mit Medienpiraterie jĂ€hrlich ein illegaler Gesamtumsatz von einer Milliarde Euro erzielt.

GefÀlschte Waren im Wert von 120 Millionen Euro beschlagnahmt

Durch gefĂ€lschte Sportartikel erleiden europĂ€ische Hersteller zudem jĂ€hrlich einen geschĂ€tzten Schaden von 850 Millionen Euro - elf Prozent des Branchenumsatzes. Nicht in dieser Zahl enthalten ist Sportbekleidung wie Fußballtrikots und Sportschuhe, die einen großen Teil der gefĂ€lschten Bekleidung ausmacht, deren Gesamtwert in Europa auf zwölf Milliarden Euro jĂ€hrlich geschĂ€tzt wird. 

Vor allem bei jungen EuropÀern haben die FÀlscher der Studie zufolge leichtes Spiel. Zehn Prozent aller Konsumenten zwischen 15 und 24 Jahren haben schon gefÀlschte Sportartikel wissentlich online gekauft - in Deutschland waren es sogar elf Prozent. Polizeibehörden haben zudem europaweit gefÀlschte Sportwaren mit einem geschÀtzten Einzelhandelswert von 120 Millionen Euro beschlagnahmt. 

NegrĂŁo verwies auch auf die negativen Folgen der Verletzungen geistigen Eigentums auf den Sport. Das Anschauen offizieller Übertragungen und der Kauf lizenzierter Produkte sichere den Fortbestand vieler Sportarten. Schließlich wĂŒrden die legal erzielten Einnahmen nach dem Solidarprinzip an die SportverbĂ€nde und Sportler weitergeleitet, betonte der EUIPO-Chef.

EUIPO: GefÀlschte Sportartikel können gefÀhrlich und giftig sein

«Wenn die Fans Live-SportĂŒbertragungen illegal streamen, ist das gesamte Finanzierungsmodell der Olympischen Bewegung, das auf SolidaritĂ€t beruht, gefĂ€hrdet», warnte auch Emma Terho, Vorsitzende der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees vergangenes Jahr bei einer EUIPO-Konferenz. Die Medienrechte wĂŒrden ihren Wert verlieren, niemand wĂŒrde mehr Medienrechte erwerben.

ProduktfĂ€lschung hat auch schwere wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen, wie die EUIPO betonte. Neben Umsatzverlusten und Arbeitsplatzvernichtung fĂŒhren minderwertige Kopien auch zur BeeintrĂ€chtigung des Markenwerts. GefĂ€lschte Waren, die nicht den europĂ€ischen Normen fĂŒr Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz genĂŒgen, bergen zudem ernsthafte Gesundheitsrisiken. Einer Studie zufolge können gefĂ€lschte Sportartikel nicht nur unter UmstĂ€nden im entscheidenden Moment versagen, sondern auch giftige Inhaltsstoffe enthalten.

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