Mindestlohn 13,90 Euro: 6,6 Millionen Jobs betroffen, Bauern warnen
27.06.2026 - 06:32:17 | boerse-global.de
Die Anhebung um 8,4 Prozent bringt Millionen BeschĂ€ftigten mehr Geld â doch Branchenvertreter schlagen Alarm.
Landwirtschaft in der Zange
Bis zu 6,6 Millionen ArbeitsverhĂ€ltnisse sind von der Erhöhung betroffen. Das entspricht rund 17 Prozent aller Jobs in Deutschland. Besonders hĂ€ufig trifft es Ostdeutschland und weibliche BeschĂ€ftigte: Dort fĂ€llt jeweils jeder fĂŒnfte Arbeitsplatz unter die Neuregelung.
In einigen Branchen sind die Auswirkungen noch drastischer. Im Gastgewerbe sind 56 Prozent der Stellen betroffen, in der Landwirtschaft etwa 43 Prozent.
Auf dem Deutschen Bauerntag 2026 in Freiburg warnte DBV-VizeprĂ€sident Holger Hennies vor einer akuten Existenznot. Besonders Obst-, GemĂŒse- und Weinbauern litten unter den steigenden Arbeitskosten. Hinzu kommen bĂŒrokratische HĂŒrden und EinschrĂ€nkungen beim Pflanzenschutz.
In der Wissenschaft wird unterdessen ĂŒber eine pauschale Absenkung des Mindestlohns fĂŒr SaisonarbeitskrĂ€fte um 20 Prozent diskutiert. Das soll die WettbewerbsfĂ€higkeit heimischer Sonderkulturen sichern.
Minijobs und Pendler: Das Àndert sich
Mit dem höheren Stundenlohn steigt auch die Minijob-Grenze. Sie liegt 2026 bei 603 Euro monatlich â bisher waren es 556 Euro. Bei 13,90 Euro Mindestlohn sind das maximal rund 43 Arbeitsstunden pro Monat.
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Der Midijob-Bereich erstreckt sich nun von 603,01 Euro bis 2.000 Euro. Ein gelegentliches Ăberschreiten der Minijob-Grenze bleibt bis zu zweimal im Jahr erlaubt.
Auch die Pendlerpauschale wurde angepasst: Sie betrĂ€gt jetzt 38 Cent pro Kilometer ab dem ersten Kilometer. Zuvor gab es fĂŒr die ersten 20 Kilometer nur 30 Cent. Die Bundesregierung rechnet mit einer Entlastung von 1,1 Milliarden Euro in diesem Jahr â ab 2027 sollen es jĂ€hrlich 1,9 Milliarden Euro sein.
Kritiker bemĂ€ngeln: Höhere Einkommen profitieren ĂŒberproportional. Zudem schaffe die Regelung Anreize fĂŒr lĂ€ngere Fahrtstrecken.
Demografie bremst den Arbeitsmarkt
Trotz der Lohnsteigerungen bleibt die Lage angespannt. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer zeigt eine ungĂŒnstige Entwicklung: Die BeschĂ€ftigungskomponente fiel zuletzt unter den Wert von 100.
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Experten fĂŒhren das auf die demografische Schrumpfung zurĂŒck. Immer mehr Babyboomer gehen in Rente. Der daraus resultierende FachkrĂ€ftemangel sorgt paradoxerweise dafĂŒr, dass die Arbeitslosigkeit trotz hoher Nachfrage steigt.
FĂŒr 2027 ist bereits die nĂ€chste Erhöhung geplant: Der Mindestlohn soll auf 14,60 Euro steigen, die Minijob-Grenze auf 633 Euro.
Die Landwirtschaft kĂ€mpft zusĂ€tzlich mit hohen DĂŒngemittelkosten. Bundesagrarminister Alois Rainer prĂŒft eine nationale Aufstockung der EU-Hilfen von 60 auf bis zu 180 Millionen Euro. Die angespannte Haushaltslage macht weitere SpielrĂ€ume jedoch eng.
