Minijob-Debatte, Rentenkommission

Minijob-Debatte: Rentenkommission will Sonderstatus für 6,8 Millionen abschaffen

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt die Abschaffung des Minijob-Sonderstatus. Arbeitgeber und CSU protestieren, die Koalition sucht einen Kompromiss.

Minijob-Reform: DGB-Kritik und Rentenkommission fordern Abschaffung
Offizielle Dokumente und ein Füllfederhalter auf einem Schreibtisch als Symbol für arbeitsmarktpolitische Debatten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat Minijobs als problematische Beschäftigungsform scharf kritisiert. In einem Gastbeitrag Anfang August bezeichnete sie die geringfügige Beschäftigung als „süßes Gift“ für den Arbeitsmarkt. Die Äußerung fällt in eine Zeit, in der die Rentenkommission weitreichende Änderungen empfiehlt.

Rentenkommission will Sonderstatus abschaffen

Die Kommission schlägt vor, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs weitgehend abzuschaffen. Ausgenommen bleiben sollen lediglich Schüler. Die Tragweite einer solchen Reform zeigen aktuelle Daten der Minijob-Zentrale: Rund 6,8 Millionen Menschen sind in Deutschland geringfügig beschäftigt.

Davon entfallen etwa 6,5 Millionen auf den gewerblichen Bereich, rund 250.000 arbeiten in Privathaushalten. Ein regionaler Schwerpunkt liegt in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 1,5 Millionen Minijobbern – vor allem in Handel und Kfz-Reparatur. Befürworter der Reform wollen die Beschäftigten stärker in das sozialversicherungspflichtige System integrieren. Berichten zufolge zählen auch Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas dazu.

Wirtschaftsverbände und CSU laufen Sturm

Der Widerstand formiert sich auf mehreren Seiten. CSU-Chef Söder sprach sich klar gegen eine Abschaffung aus. Auch die Deutsche Zeitungsgesellschaft (DZG) fordert in ihrer Wachstumsagenda den Erhalt der Minijobs. Der Verband verweist auf die Gastwelt: Allein dort arbeiten zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen auf dieser Basis.

Insgesamt sind Minijobs für rund 7 Millionen Beschäftigte eine wichtige Einkommensquelle – für die Hälfte davon als Zweitverdienst. Ökonomen warnen zudem vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen. Ein Forscher der HHL befürchtet, dass Beschäftigung ohne Minijobs in die Schwarzarbeit abwandern könnte.

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Koalition sucht Kompromiss

In der Regierung zeichnen sich Verhandlungsspielräume ab. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese stellte Anfang August Ausnahmen für Studierende und Rentner in Aussicht. Die Union lehnt solche Sonderregelungen bisher ab und fordert stattdessen eine tragfähige Gegenfinanzierung für andere rentenpolitische Vorhaben wie die Rente mit 63.

Die Bedeutung für ältere Menschen zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Rund 14 Prozent der 65- bis 74-jährigen Rentner waren 2025 erwerbstätig. Bei Männern lag der Anteil mit 16 Prozent höher als bei Frauen mit 11 Prozent. Ein Großteil dieser Gruppe arbeitet in geringem zeitlichem Umfang.

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Midijobs: Finanzielle Einbußen drohen

Die Reformpläne könnten auch die Gleitzone der Midijobs treffen. Berechnungen zeigen: Der Wegfall von Beitrags-Vorteilen würde Beschäftigte spürbar belasten. Bei einem Bruttoeinkommen von 700 Euro drohen zusätzliche Sozialbeiträge von rund 119 Euro pro Monat. Bei 1.200 Euro Verdienst wären es etwa 73 Euro.

Mehr als eine Million Beschäftigte wären von solchen Änderungen betroffen. Während die Debatte läuft, fordern regionale DGB-Verbände wie in Köln-Bonn flankierend mehr Kinderbetreuung. Das Ziel: die Frauenbeschäftigungsquote erhöhen und Alternativen zu prekärer Arbeit schaffen.

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