Minijob-Reform, ArbeitgeberbeitrÀge

Minijob-Reform: ArbeitgeberbeitrÀge steigen auf 17,5 Prozent

13.06.2026 - 22:20:29 | boerse-global.de

Handel und Gastgewerbe kritisieren geplante Anhebung der Sozialabgaben auf Minijobs als existenzbedrohend.

Minijob-Reform: VerbÀnde warnen vor massiven Mehrkosten
Minijob-Reform - Nahaufnahme von Euro-MĂŒnzen und -Banknoten unter einem VergrĂ¶ĂŸerungsglas, mit verschwommenem Hintergrund eines GeschĂ€fts oder Restaurants. 13.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

FĂŒhrende VerbĂ€nde des Einzelhandels und des Gastgewerbes schlagen Alarm – sie fĂŒrchten massive Mehrbelastungen durch höhere Abgaben auf Minijobs.

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Kritik an steigenden Lohnnebenkosten

Ein zentraler Streitpunkt: die geplante Anhebung der pauschalen ArbeitgeberbeitrÀge zur Sozialversicherung. Alexander von Preen, PrÀsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), warnte Mitte Juni vor einer Erhöhung von derzeit 13 Prozent auf 17,5 Prozent.

Nach Berechnungen des Verbandes kÀmen auf die Unternehmen jÀhrlich rund 1,6 Milliarden Euro zusÀtzlich zu. Von Preen fordert den Erhalt der aktuellen Regelungen, um die FlexibilitÀt im Einzelhandel nicht zu gefÀhrden.

Auch der Deutsche Hotel- und GaststĂ€ttenverband (Dehoga) sieht die BeschĂ€ftigungsform bedroht. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Jana Schimke kritisierte am Freitag, dass die Belastung fĂŒr Minijobber im Bereich Gesundheit und Pflege sogar auf bis zu 21 Prozent steigen könnte. In einer Branche mit hohem Personaleinsatz gefĂ€hrde das ArbeitsplĂ€tze.

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Neben Minijobs sind auch Midijobs im Einkommensbereich zwischen 603 und 2000 Euro von den Neuregelungen betroffen.

Umfangreiches Sparpaket geplant

Die Reform soll die Kassen bis 2027 um mindestens 16,3 Milliarden Euro entlasten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte das Vorhaben am Donnerstag im Bundestag als notwendig fĂŒr die langfristige StabilitĂ€t des Systems. Ohne Gegenmaßnahmen drohe das Finanzloch bis 2030 auf rund 44 Milliarden Euro anzuwachsen.

Zu den weiteren geplanten Maßnahmen gehören:

  • EinschrĂ€nkung oder Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung fĂŒr Ehepartner
  • Anhebung der gesetzlichen Zuzahlungen auf 7,50 bis 15 Euro
  • Streichung von Kassenleistungen bei Homöopathie, Cannabis, Hautkrebs-Screening und KieferorthopĂ€die
  • EinfĂŒhrung einer Zuckersteuer
  • Deckelung der Pflegebudgets in Kliniken

Warken signalisierte zwar GesprĂ€chsbereitschaft fĂŒr DetailĂ€nderungen, betonte aber: Das Gesetz verlange allen Beteiligten Opfer ab – ohne Unzumutbares zu fordern.

Politischer Widerstand formiert sich

Die Opposition ĂŒbte scharfe Kritik. Die GrĂŒnen sprachen von einem „Kahlschlag in der Versorgung“, die Linke warnte vor Personalabbau. Auch die AfD bezeichnete die PlĂ€ne als unsozial und unwirksam. UnterstĂŒtzung erhielt die Reform hingegen vom GKV-Spitzenverband und von ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger.

Ein weiterer Konfliktpunkt: die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen. Eine Untersuchung des IGES-Instituts beziffert deren Volumen auf rund 64 Milliarden Euro. Kritiker und der Bundesrat fordern, dass der Bund die BeitrĂ€ge fĂŒr BĂŒrgergeld-Bezieher vollstĂ€ndig ĂŒbernimmt. Bisher zahlt der Staat nur eine Pauschale – laut Marktbeobachtern entsteht so ein jĂ€hrlich Minus von rund 9 Milliarden Euro.

Zeitplan steht auf der Kippe

Die Koalition will das Gesetz noch vor der Sommerpause Mitte Juli verabschieden. Der 26. Juni gilt als möglicher Beschlusstermin. BundesratsprÀsident Andreas Bovenschulte (SPD) rechnet jedoch mit erheblichem Widerstand der LÀnderkammer. Er warnt vor Klinikinsolvenzen und erwartet eine Anrufung des Vermittlungsausschusses nach der nÀchsten Bundesratssitzung am 10. Juli.

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