Minijob-Reform, Koalition

Minijob-Reform: Koalition plant Ende der 520-Euro-Jobs

28.06.2026 - 06:18:18 | boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt die Abschaffung der Beitragsfreiheit für Minijobs. Arbeitgeber warnen vor Personalnot, Gewerkschaften begrüßen den Schritt.

Minijob-Reform: Koalition plant Ende der Sozialabgabenfreiheit
Minijob-Reform - Nahaufnahme von Händen, die deutsche Euro-Münzen und einen Taschenrechner halten, symbolisiert finanzielle Auswirkungen von Rentenreformen. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Reformvorschlag sieht vor, Minijobs voll in die Sozialversicherungspflicht zu nehmen. Das würde Millionen geringfügig Beschäftigte betreffen.

33 Empfehlungen zur Rettung der Rente

Die Rentenkommission hat ihr Paket vorgelegt. Insgesamt 33 Vorschläge sollen das System stabilisieren. Der Kern: Die Beitragsfreiheit für Minijobs fällt. Nur Schüler bleiben ausgenommen. Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas haben bereits Zustimmung signalisiert.

Rund sieben Millionen Menschen arbeiten in Deutschland geringfügig. Knapp 80 Prozent von ihnen lassen sich von der Rentenversicherung befreien. Das soll sich ändern. „Die Politik hat notwendige Anpassungen über Jahrzehnte verschleppt“, sagte Wirtschaftsweise Martin Werding am Freitag. „Jetzt muss gehandelt werden.“

Gastwirte und Händler schlagen Alarm

Besonders betroffen wären Branchen mit vielen Minijobbern. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion warnte am Freitag vor schweren Folgen für Gastgewerbe, Tourismus und Einzelhandel. Viele Minijobber arbeiten bereits in einer Hauptbeschäftigung. Eine Abschaffung der Grenze würde Personalengpässe verschärfen.

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Im Saarland ist jeder zweite der 20.000 Beschäftigten im Gastgewerbe auf Minijob-Basis tätig. Bundesweit sind es rund 873.000 Stellen. Auch Landwirte fürchten um ihre flexible Beschäftigungsform.

Gewerkschaften sehen Chance

Die Fronten sind klar: Arbeitnehmervertreter und Sozialverbände bewerten die Pläne grundlegend anders. Der Sozialverband Deutschland warnt vor Altersarmut, besonders bei Frauen. „Minijobs sind eine Falle“, so ein Sprecher. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht dagegen eine Chance, eigene Rentenansprüche aufzubauen.

Die Gewerkschaft NGG unterstützt die Reform. Minijobber seien in Krisen nicht abgesichert – sie haben etwa keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Auch der DGB forderte am Sonntag das Ende der Sozialversicherungsfreiheit. Eine Rente mit 70 lehnt er aber ab.

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Ab Juli gelten neue Regeln

Unabhängig von der großen Reform treten bereits am Mittwoch erste Änderungen in Kraft. Die Verdienstgrenze liegt weiter bei 603 Euro. Neu ist: Minijobber können ihre Befreiung von der Rentenversicherung widerrufen. Bei 603 Euro Verdienst zahlen sie dann rund 22 Euro Eigenanteil pro Monat.

Gleichzeitig steigen die gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent. Der Freibetrag für Witwenrenten erhöht sich auf 1.122,53 Euro monatlich. Die grundsätzliche Debatte um die Zukunft der Minijobs bleibt aber offen – der Widerstand aus der Wirtschaft ist massiv.

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