Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission plant Sozialversicherungspflicht

28.06.2026 - 20:31:46 | boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt die Abschaffung der Sozialabgabenfreiheit für Minijobs. Gastronomie und Handwerk kündigen Widerstand an.

Rentenkommission plant Ende der Minijob-Sozialversicherungsfreiheit
Minijob-Reform - Eine Hand hält eine Lupe über ein Dokument mit Finanzdiagrammen und deutschem Text, das die Prüfung neuer Vorschriften symbolisiert. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Kernstück: Die Sozialversicherungsfreiheit für Minijobs soll weitgehend wegfallen. Beschäftigungsverhältnisse sollen künftig grundsätzlich der Rentenversicherungspflicht unterliegen.

Am 27. Juni übergaben die Experten ihren Bericht an Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas. Insgesamt 33 Maßnahmen zur Sicherung des Rentensystems sind darin enthalten. Die Verdienstgrenze für Minijobs liegt derzeit bei 603 Euro.

Künftig sollen solche abgabenfreien Jobs nur noch für Schüler erlaubt sein. Für Rentner oder Frauen in der Familienphase würde die Privilegierung entfallen. Auch Midijobs zwischen 603 und 2.000 Euro sollen voll sozialversicherungspflichtig werden.

Die Bundesregierung signalisierte bereits, die Empfehlungen umsetzen zu wollen.

Heftiger Widerstand aus Gastronomie und Handwerk

Gegen die Pläne regt sich massiver Protest. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht die Branche vor großen Herausforderungen. Allein im Gastgewerbe arbeiten rund 1,1 Millionen Menschen auf Minijob-Basis.

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Hauptgeschäftsführerin Ingrid Schimke kündigte entschiedenen Widerstand an. Sie verwies darauf, dass Arbeitgeber bereits jetzt pauschale Beiträge von 15 Prozent zur Renten- und 13 Prozent zur Krankenversicherung zahlen.

Auch das Handwerk warnt vor den Folgen. Präsident Kai-Uwe Dittrich befürchtet eine Zunahme der Schwarzarbeit. Bei Lohnzusatzkosten von knapp 43 Prozent fordert er drastische Einsparungen im Sozialsystem. Andere Teile des Pakets, wie die Abschaffung der Rente mit 63, unterstützt er jedoch.

Zuspruch von Experten und Gewerkschaften

Unterstützung kommt aus der Wissenschaft und von Arbeitnehmervertretern. Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bezeichnet Minijobs als Sackgasse, die besonders Frauen in die Altersarmut treibe. Die aktuellen Regelungen seien eine Subventionierung bestimmter Branchen.

Ähnlich sieht es Guido Zeitler, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Minijobs würden prekäre Beschäftigungsverhältnisse zementieren. Eine Einbeziehung in die Sozialversicherung sei notwendig. Der Sozialverband SoVD warnt vor den langfristigen Risiken für die Rentenbiografien von Frauen.

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Politische Einordnung und Zeitplan

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann rechtfertigte die Vorschläge am heutigen Sonntag. Die Rentenversicherungspflicht für Minijobs sei nötig, um die Systemstabilität zu gewährleisten. Eine Erhöhung der Reichensteuer zur Gegenfinanzierung schloss er nicht aus.

Kritik kommt von Ex-Finanzminister Christian Lindner (FDP). Er will das Paket in dieser Form nicht mittragen. Besonders die Einbeziehung von Selbstständigen und die Erhöhung der Rentenbeiträge durch die Kapitalrente stoßen auf Ablehnung.

Der Koalitionsausschuss wird sich voraussichtlich am 1. Juli mit dem Thema befassen. Ziel der Regierung ist zudem eine flankierende Gesundheitsreform bis zum 10. Juli. Rund 6,8 Millionen Menschen sind aktuell in Minijobs tätig – für sie hätten die Änderungen massive Auswirkungen.

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