Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission will Privilegien für 7 Millionen abschaffen

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Rentenkommission schlägt die Abschaffung von Steuer- und Abgabenprivilegien für Minijobs vor. Millionen Beschäftigte wären von der Reform betroffen.

Minijob-Reform: Rentenkommission empfiehlt grundlegende Änderungen
Ein moderner Schreibtisch mit Finanzunterlagen und einem Taschenrechner als Symbol für die Reform der Minijobs. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt eine grundlegende Reform der Minijobs. Steuerliche Sonderregeln und Sozialabgaben-Befreiungen stehen auf dem Prüfstand.

Millionen Beschäftigte betroffen

Rund 6,8 bis 7 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland geringfügig beschäftigt. Die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 Euro monatlich. Besonders viele Minijobber arbeiten im Handel (über eine Million), im Gastgewerbe (rund 873.000) und im Dienstleistungssektor (etwa 774.000).

Auffällig: Zwischen 56 und 66 Prozent der Minijobber sind Frauen. Und nur 20,9 Prozent von ihnen zahlen freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Ein Risiko für die Altersvorsorge.

Das plant die Kommission

Die Alterssicherungskommission schlägt in Empfehlung 26 vor, den Sonderstatus von Minijobs bei Steuern und Sozialabgaben weitgehend abzuschaffen. Die Kernpunkte:

  • Rentenversicherungspflicht: Die Befreiungsmöglichkeit (Opt-out) soll entfallen. Nur Schüler sollen ausgenommen bleiben.
  • Höhere Pauschalbesteuerung: Der Arbeitgeber-Steuersatz steigt von 2 auf 5 Prozent.
  • Pflegeversicherung: Ein Arbeitgeberbeitrag wird geprüft.
  • Krankenversicherung: Ab Januar 2027 steigt der Pauschalbeitrag der Arbeitgeber von 13 auf 17,5 Prozent.

Für Minijobber bedeutet das: Bei 603 Euro Verdienst wären monatlich 21,71 Euro Eigenbeitrag fällig. Pro Beitragsjahr bringt das rechnerisch 5,68 Euro mehr Rente pro Monat.

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Politik uneins, Wirtschaft warnt

Die thüringische Sozialministerin nannte die Vorschläge im Juli 2026 „im Grundsatz richtig“. Minijobs seien oft keine Übergangslösung, sondern führten dauerhaft in die Altersarmut. In Thüringen waren Ende 2025 rund 124.000 Minijobber registriert – 27.000 davon bereits im Rentenalter.

Ein CDU-Abgeordneter verteidigte die Reform als Teil eines Kompromisses zur Stabilisierung des Rentensystems. Er rechnet mit steigenden Beitragssätzen ab 2028 und einer Stabilisierung in den 2030er Jahren.

Ganz anders die Wirtschaft: Verbände aus Gastgewerbe, Handel und Handwerk in Nordrhein-Westfalen warnen vor einer „massiven Verteuerung“. Die Anhebung des Pauschalsteuersatzes um 150 Prozent plus höhere Sozialabgaben gefährdeten die Attraktivität der Minijobs. Schon jetzt zahlen Arbeitgeber über 30 Prozent Abgaben. Droht die 40-Prozent-Marke, verlieren Betriebe die nötige Flexibilität für saisonale Spitzen.

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Vereine unter Druck

Auch der gemeinnützige Bereich könnte betroffen sein. In Schleswig-Holstein, wo rund 230.000 Minijobber arbeiten, befürchten Vereine steigende Lohnnebenkosten. Die Folge: weniger Angebote oder höhere Mitgliedsbeiträge.

Konkrete Gesetzentwürfe liegen noch nicht vor. Die BdDebatte aber hat längst begonnen.

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