Minijobs: 846 offene Stellen in Frankfurt zeigen Personalnotstand
27.05.2026 - 01:30:05 | boerse-global.deDer deutsche Einzelhandel sucht händeringend nach studentischen Aushilfen und Minijobbern – und lockt mit Stundenlöhnen von bis zu 21,90 Euro.
Die Personalknappheit im Handel erreicht neue Dimensionen. Aktuelle Stellenanzeigen von ALDI SÜD zeigen: Wer sich fürs Regaleeinräumen oder Kassieren bewirbt, kann mit üppigen Vergütungen rechnen. Die Discounter-Kette bietet Studenten befristete Verträge über zwölf Monate und zahlt je nach Region zwischen 15,00 und 21,90 Euro pro Stunde. In Heilbronn etwa sucht das Unternehmen explizit studentische Verkaufshilfen.
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846 offene Minijobs allein in Frankfurt
Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet eine hohe Dichte an Minijob-Stellen in den Großstädten. Frankfurt am Main kommt Stand 26. Mai auf stolze 846 offene Positionen für geringfügige Beschäftigungen. Zu den Arbeitgebern zählen Lidl, Müller, REWE und Takko Fashion. Personaldienstleister wie „power people" zahlen für verschiedene Service-Tätigkeiten zwischen 14,96 und 16,50 Euro die Stunde.
Doch nicht nur die Bezahlung lockt. Der Handel bietet zunehmend spezialisierte Karrierewege. ALDI SÜD wirbt für sein Ausbildungsprogramm 2026 – vom Verkäufer bis zum Handelsfachwirt für Abiturienten. Auch das Handwerk sucht Nachwuchs: Eine Bäckerei in Wendeburg etwa lässt ihre Azubis bereits um vier Uhr morgens anrücken.
Regionale Unterschiede sind eklatant
Während die Metropolen mit Stellenangeboten nur so überquellen, sieht die Lage auf dem Land anders aus. In Essen und Paderborn finden Studenten lokale Jobs bei Lidl oder Edeka sowie Ferienarbeit in der Logistik. In Rheine und Wilhelmshaven dagegen? Fehlanzeige. Spezialisierte Portale meldeten für den 24. Mai innerhalb eines 30-Kilometer-Radius keine studentischen Minijobs. Betroffene müssen auf Nachbarstädte wie Osnabrück oder Delmenhorst ausweichen.
Zustelldienste bleiben ein verlässlicher Arbeitgeber. Zustellerkom.de sucht Zeitungsausträger in Remscheid, Lüdenscheid und Karlsruhe. Im Süden der Republik boomen saisonale Jobs: Der Landkreis Passau etwa fragt Reifenmonteure und Servicekräfte für die Gastronomie nach.
Streit um BAföG-Erhöhung
Die Jagd nach Studenten fällt in eine Zeit hitziger Debatten um die staatliche Studienfinanzierung. Unionsfraktionschef Jens Spahn äußerte sich skeptisch zu geplanten Erhöhungen von BAföG und Bürgergeld. Eigentlich sollte die BAföG-Wohnpauschale zum Wintersemester 2026/27 von 380 auf 440 Euro steigen.
Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Nur noch 613.000 Studierende bezogen 2024 BAföG – der niedrigste Stand seit 25 Jahren. Studentenverbände und das Deutsche Studentenwerk warnen: Bleiben die Erhöhungen aus, müssen noch mehr junge Menschen jobben gehen, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu stemmen.
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„Tasty Theo" schließt nach 27 Jahren
Ein Sinnbild für den Wandel: In Offenbach schließt im Sommer der Schülerkiosk „Tasty Theo" an der Theodor-Heuss-Schule. Das Projekt startete 1999 – mit einer „Kiosk-Klasse" von 25 Schülern. Heute sind es noch zehn. Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist eingebrochen, der Betrieb lief zuletzt nur noch drei statt fünf Tage die Woche. Die Schulleitung bestätigte die Schließung.
Silberne Talente gefragt
Der Handel reagiert kreativ auf den Personalmangel. Neben Studenten setzen Unternehmen zunehmend auf „Silver Talents" – Senioren, die weiterarbeiten wollen. Ein Beispiel aus Hamburg sorgte Ende Mai für Aufsehen: Eine 90-jährige Kassiererin bei Budni zeigt, dass das Alter keine Rolle mehr spielt.
Parallel locken Marketing-Aktionen Kunden in die Läden. Edeka verschenkt am 27. Mai Fan-Shirts zur anstehenden Fußball-WM – ein geschickter Schachzug, um die Frequenz zu steigern.
Ausblick: WM befeuert Personalsuche
Die Nachfrage nach studentischen Aushilfen dürfte bis in den Sommer hoch bleiben. Am 11. Juni startet die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Der Handel rüstet sich für Umsatzsprünge während der Spiele.
Für Studierende, die im August ins neue Schul- oder Semesterjahr starten, gilt: Frühzeitig BAföG beantragen. Der Landkreis Harburg rät zu zügiger Einreichung, denn das Geld wird pro Schuljahr bewilligt und muss jährlich neu beantragt werden. Bei der erwarteten Antragsflut drohen sonst Verzögerungen.
Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt auf die Mischung aus studentischen Minijobbern, Auszubildenden und älteren Arbeitnehmern angewiesen. Die Zeiten, in denen der Handel aus dem Vollen schöpfen konnte, sind vorbei.
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