China, Wirtschaftspolitik

China setzt niedrigstes Wachstumsziel seit Jahrzehnten

05.03.2026 - 04:24:39 | dpa.de

Mit 4,5 bis 5 Prozent fÀllt das Ziel so niedrig aus wie seit 1991 nicht mehr. MinisterprÀsident Li verweist auf globale Risiken und wirtschaftliche Probleme in China.

  • Chinas MinisterprĂ€sident Li Qiang verliest den Arbeitsbericht der Regierung. Das Wachstumsziel ist so niedrig wie seit 1991 nicht mehr.  - Foto: Johannes Neudecker/dpa
    Chinas MinisterprÀsident Li Qiang verliest den Arbeitsbericht der Regierung. Das Wachstumsziel ist so niedrig wie seit 1991 nicht mehr. - Foto: Johannes Neudecker/dpa
  • Auch Staats- und Parteichef Xi Jinping verfolgt in der Großen Halle des Volkes des Auftakt des Volkskongresses.  - Foto: Johannes Neudecker/dpa
    Auch Staats- und Parteichef Xi Jinping verfolgt in der Großen Halle des Volkes des Auftakt des Volkskongresses. - Foto: Johannes Neudecker/dpa
  • Vor seiner Rede verbeugte sich MinisterprĂ€sident Li vor den Delegierten.  - Foto: Johannes Neudecker/dpa
    Vor seiner Rede verbeugte sich MinisterprÀsident Li vor den Delegierten. - Foto: Johannes Neudecker/dpa
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China hat zum Beginn des Nationalen Volkskongresses das niedrigste Wachstumsziel fĂŒr seine Wirtschaft seit Jahrzehnten ausgegeben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2026 um 4,5 bis 5 Prozent wachsen, hieß es im Arbeitsbericht der Regierung, den MinisterprĂ€sident Li Qiang in der Großen Halle des Volkes in Peking vorstellte. Seit 2023 hatte die kommunistische FĂŒhrung das Wachstumsziel stets mit rund fĂŒnf Prozent angesetzt. Ein Wert von 4,5 Prozent gab es zuletzt im Jahr 1991.

Ökonomen sehen in dem vorsichtig formulierten Ziel ein Signal, dass sich die FĂŒhrung auf moderateres Wachstum einstellt. Die neue Untergrenze nimmt Druck von der Regierung, die Konjunktur mit großen Investitionsprogrammen ankurbeln zu mĂŒssen. Peking senkt damit auch die Erwartungen in global unsicheren Zeiten mit Kriegen etwa in der Ukraine und im Iran sowie angesichts des Handelsstreits mit den USA unter PrĂ€sident Donald Trump.

Der Nationale Volkskongress ist das Chinas Parlament und tritt einmal im Jahr in Peking zusammen. Die fast 2.800 Delegierten werden nicht in freien Wahlen bestimmt. Die politischen Entscheidungen gelten meist als zuvor innerhalb der Kommunistischen Partei abgestimmt.

MinisterprÀsident sieht Herausforderungen 

Li bestĂ€tigte in seinem Bericht, dass China vor zahlreichen Herausforderungen stehe. Das sich wandelnde internationale Umfeld wirke sich stĂ€rker auf das Land aus. Gleichzeitig bleibe die globale Wirtschaftsdynamik schwach, und Multilateralismus sowie freier Handel stĂŒnden unter zunehmendem Druck. 

Auch im Inland sieht die Regierung Probleme. Der Übergang zu neuen Wachstumstreibern sei schwierig, wĂ€hrend das Ungleichgewicht zwischen einer starken Produktion und einer schwachen Nachfrage deutlich sei. FĂŒr viele Menschen werde es schwieriger, Arbeit zu finden und ihr Einkommen zu steigern. Zudem seien manche Lokalregierungen angesichts der Lage auf dem Immobilienmarkt - der sich weiterhin in einer Krise befindet - stark belastet. 

Eine grundlegende KursĂ€nderung erkennen viele Experten jedoch nicht. Chinas Wirtschaftsmodell bleibt weiterhin industrie- und exportorientiert. Auch der neue FĂŒnfjahresplan, der beim Volkskongress verabschiedet werden soll, wird nach den bisher bekannten Eckpunkten nicht nur auf eine StĂ€rkung des Konsums abzielen, sondern weiterhin die Notwendigkeit betonen, die technologische Entwicklung voranzutreiben. KI und Roboter sollen in den kommenden Jahren Chinas Alltag und Wirtschaft weiter erobern.

Budget lĂ€sst Spielraum fĂŒr Konjunktur 

Auch bei der Finanzpolitik setzt Peking offenbar auf KontinuitĂ€t. Der neue Haushaltsentwurf sieht ein Defizit von rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung vor. Damit könnte die Regierung die Wirtschaft weiter stĂŒtzen, ohne ein deutlich grĂ¶ĂŸeres Konjunkturprogramm aufzulegen.

«In gewisser Weise steht China vor einer Reihe schwerwiegender Herausforderungen, die den nĂ€chsten großen politischen Plan zu einer Frage von "alles oder nichts" machen», sagte China-Analystin Katja Drinhausen vom Berliner Forschungsinstitut Merics. Zwar werde versucht, den Konsum durch Maßnahmen wie sozialpolitische Reformen oder regionale Entwicklungsziele zu steigern, aber die AbhĂ€ngigkeit vom Export werde weiterhin eine wichtige SĂ€ule der chinesischen Wirtschaft bleiben, sagte Drinhausen.

Konsum ist schon lÀnger Thema

Über die StĂ€rkung des Konsums als Mittel, um Wohlstand zu garantieren und das Wachstum zu erhalten, spricht die Kommunistische Partei schon lange. Auch der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) empfahl der Volksrepublik, den Umbau zu einem konsumgetriebenen Wachstumsmodell zur «obersten PrioritĂ€t» zu machen. Der private Konsum trĂ€gt bisher nur knapp 40 Prozent zum Wachstum bei und liegt damit nach IWF-Daten unter dem Durchschnitt der IndustrielĂ€nder der OECD.

Auch beim MilitĂ€r setzt China seinen bisherigen Kurs fort. Der Verteidigungshaushalt soll nach Angaben der Regierung erneut steigen. FĂŒr 2026 sind Ausgaben von rund 1,7 Billionen Yuan (etwa 236 Milliarden Euro) vorgesehen, ein Plus von etwa sieben Prozent. Damit bleibt China nach den USA das Land mit dem zweitgrĂ¶ĂŸten MilitĂ€rbudget der Welt. Die FĂŒhrung in Peking begrĂŒndet die Aufstockung regelmĂ€ĂŸig mit der Modernisierung der StreitkrĂ€fte und dem Schutz nationaler Interessen.

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