Cum-Ex, Milliarden-Steuernachzahlungen

Nicht nur Cum-Ex: Milliarden-Steuernachzahlungen fĂŒr Banken

15.12.2023 - 16:49:48 | dpa.de

Mit Cum-Ex-GeschĂ€ften prellten Banken den deutschen Staat um Milliarden. Noch grĂ¶ĂŸer wurde der Schaden durch Cum-Cum-GeschĂ€fte. Neue Dokumente zeigen, wie stark Banken daran beteiligt waren.

Eine erneute Abfrage der Bafin ergab, dass viele deutsche Banken auch in sogenannte Cum-Cum-GeschÀfte verwickelt waren. - Foto: Boris Roessler/dpa
Eine erneute Abfrage der Bafin ergab, dass viele deutsche Banken auch in sogenannte Cum-Cum-GeschÀfte verwickelt waren. - Foto: Boris Roessler/dpa

Deutsche Banken mĂŒssen Steuern in Milliardenhöhe wegen illegaler AktiengeschĂ€fte nachzahlen. Das zeigt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums an den Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, ĂŒber das der «Bayerische Rundfunk» berichtete. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Demnach hat die Finanzaufsicht Bafin in den vergangenen Jahren mehrfach bei Banken abgefragt, welche Folgen die Beteiligung an Cum-Cum-GeschĂ€ften fĂŒr die GeldhĂ€user haben könnten. Wissen wollten die Aufseher, in welcher Höhe Steuernachzahlungen drohen und ob Banken RĂŒckstellungen gebildet haben. Die Bafin erklĂ€rte, dass an der Abfrage rund 1500 deutsche Banken und ausgewĂ€hlte Wertpapierinstitute teilnahmen. Die Auswertung habe ergeben, «dass keine Insolvenzgefahr bei betroffenen Instituten besteht».

Dritte Umfrage, noch höhere Nachzahlungen

In einer ersten Umfrage 2017 habe laut Bafin nur ein kleiner Teil der Banken angegeben, direkt an Cum-Cum-Deals beteiligt gewesen zu sein, heißt es im Schreiben. «Die möglichen finanziellen Belastungen seien auf etwa 610 Mio. Euro taxiert worden; es seien bereits RĂŒckstellungen in Höhe von circa 273 Mio. Euro gebildet worden.»

In der zweiten Bafin-Umfrage von 2020 gaben die Banken dann deutlich grĂ¶ĂŸere Werte an: Demnach lag die Höhe der möglichen finanziellen Belastungen bei 960 Millionen Euro, von denen etwa 530 Millionen Euro schon wieder an die Finanzbehörden zurĂŒckĂŒberwiesen worden seien.

Nach einer dritten Umfrage beliefen sich die steuerlichen Belastungen aus Cum-Cum-Deals auf gut vier Milliarden Euro. «Davon seien ca. 1,33 Mrd. Euro bereits ausgeglichen und RĂŒckstellungen fĂŒr mögliche Steuernachzahlungen in Höhe von ca. 0,74 Mrd. Euro gebildet worden.»

Bei Cum-Cum-Deals wurden von auslĂ€ndischen Anlegern gehaltene Aktien kurz vor dem Dividendenstichtag an inlĂ€ndische Anteilseigner ĂŒbertragen, etwa Banken. Diese konnten sich die Kapitalertragssteuer anrechnen bzw. erstatten lassen. Danach wurden die Aktien samt Dividende zurĂŒckgereicht und die gesparte Steuer geteilt. Anfang 2020 entschied das Finanzgericht Hessen, dass es sich bei Cum-Cum-Deals um missbrĂ€uchliche Steuergestaltungen handelt.

Ähnlich wie Cum-Ex, aber grĂ¶ĂŸerer Schaden

Cum-Cum-Deals gelten als der große Bruder von Cum-Ex-GeschĂ€ften, mit denen Banken den Staat um geschĂ€tzt einen zweistelligen Milliardenbetrag prellten. Anders als bei Cum-Ex-GeschĂ€ften, bei denen es schon mehrere Urteile gab, etwa gegen den Steueranwalt Hanno Berger, steht die Aufarbeitung von Cum-Cum-Deals noch ganz am Anfang. Zudem ist die Dimension grĂ¶ĂŸer: Der Mannheimer Finanzwissenschaftler Christoph Spengel schĂ€tzt den Schaden durch Cum-Cum fĂŒr den Fiskus zwischen 2000 und 2020 auf 28,5 Milliarden Euro.

Gerhard Schick, der den Verein BĂŒrgerbewegung Finanzwende leitet, forderte mehr Tempo bei der Aufarbeitung. Banken dĂŒrften nicht mit illegalen GeschĂ€ften zu Lasten des Steuerzahlers durchkommen. Die politisch Verantwortlichen in den LĂ€ndern mĂŒssten «endlich in Steuerfahndung und Staatsanwaltschaften die Weichen dafĂŒr stellen, dass diese Milliarden wirklich zurĂŒckgeholt werden können.»

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 64409941 |