Deutschland, ThĂŒringen

Bauern befĂŒrchten Ertragseinbußen

04.07.2023 - 19:17:30 | dpa.de

Mit dem Erntewetter ist BauernverbandsprĂ€sident Joachim Rukwied zufrieden. Doch die Ertragsaussichten und die Preise fĂŒr Getreide und Raps treiben nicht nur ihm Sorgenfalten auf die Stirn.

Ein MĂ€hdrescher erntet Wintergerste. Die Landwirte in Sachsen erwarten in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte. FĂŒr die Bauern war der Winter zu trocken. - Foto: Jan Woitas/dpa
Ein MĂ€hdrescher erntet Wintergerste. Die Landwirte in Sachsen erwarten in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte. FĂŒr die Bauern war der Winter zu trocken. - Foto: Jan Woitas/dpa

Bundesweit sind in diesen Tagen die MĂ€hdrescher am Start - die Getreideernte hat fast ĂŒberall begonnen. Der Deutsche Bauernverband rechnet vor allem wegen der Trockenheit im Mai mit einer um etwa sechs Prozent geringeren Ernte als im vergangenen Jahr und einem Ertrag von etwa 40,9 Millionen Tonnen Getreide. Damit setze sich der Trend mit seit Jahren sinkenden ErtrĂ€gen fort, sagte der PrĂ€sident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Dienstag im thĂŒringischen Riethnordhausen (Kreis Sömmerda). Zwischen 2018 und 2022 waren im Schnitt 42,2 Millionen Tonnen Getreide eingefahren worden.

«Die Landwirtschaft spĂŒrt die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich», sagte Rukwied. Die Stimmung in den Agrarbetrieben sei trotz des derzeit guten Erntewetters gedĂ€mpft. Grund seien nicht nur die erwarteten Ertragsverluste, sondern auch ein Preiseinbruch bei Getreide und Raps von 40 bis 45 Prozent im Vergleich zum vergangenen Herbst. «Wir Bauern brauchen höhere Preise.»

Viele Betriebe stelle dieses Situation angesichts gestiegener Kosten vor große Herausforderungen. Die von der EU vorgeschlagenen pauschalen Reduktionsziele beim Pflanzenschutz wĂŒrden zu weiteren ErtragsrĂŒckgĂ€ngen fĂŒhren. Der starke FlĂ€chenverlust - im Schnitt 55 Hektar bundesweit pro Tag - durch Siedlungsbau und Infrastrukturprojekte sorge zusĂ€tzlich fĂŒr rĂŒcklĂ€ufige Erntemengen.

Der Regen fehlt

Der BauernverbandsprĂ€sident rechnet jedoch nicht mit grĂ¶ĂŸeren Auswirkungen auf die Verbraucher. Rukwied: «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Inflation nicht getrieben wird von landwirtschaftlichen Produkten.» Eine Ausnahme seien die Preise fĂŒr Zucker und Schweinefleisch.

Als Grund fĂŒr die erwarteten Einbußen nannte ThĂŒringens BauernprĂ€sident Klaus Wagner fehlende NiederschlĂ€ge gerade zu der Zeit, als sich die Getreidekörner entwickelten. Bei Wintergerste rechnet er mit Ertragseinbußen von bis zu einem Viertel in ThĂŒringen. «Ich bin gespannt, welche Auswirkungen die neue DĂŒngemittelverordnung auf die QualitĂ€t haben wird.»

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes ist Winterweizen mit einer FlĂ€che von 2,84 Millionen Hektar - sie ging um zwei Prozent zurĂŒck - die wichtigste Getreideart. Wintergerste wachse auf 1,27 Millionen Hektar. Danach folgen Sommergerste mit 329.000 Hektar - minus 11 Prozent - und Hafer mit 138.400 Hektar und einem RĂŒckgang von 13 Prozent. Beim Winterraps habe die AnbauflĂ€che um rund 80.000 Hektar auf 1,16 Millionen Hektar in diesem Jahr zugenommen.

Die Situation im Ökolandbau bezeichnete Rukwied als derzeit schwierig. 2022 habe es erstmals seit vielen Jahren einen UmsatzrĂŒckgang von 3,5 Prozent gegeben. Die Verbraucher achteten beim Einkauf stĂ€rker auf den Preis und kauften Bioprodukte verstĂ€rkt bei Discountern. Laut Verband wird rund 11,3 Prozent der LandwirtschaftsflĂ€che im Ökolandbau bewirtschaftet. Insgesamt gebe es fast 31 100 Ökohöfe. Rukwied erwartet, dass die Marktentwicklung die Umstellung konventioneller Betriebe auf Ökolandbau bremst. Bereits 2022 sei die Öko-FlĂ€che nur um 3,7 Prozent gestiegen, 2018 waren es noch 9,1 Prozent.

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