Zu viel Staatsgeld beantragt? Kartellamt prĂŒft Stromanbieter
22.06.2023 - 12:53:29Nach Erdgas- und FernwĂ€rme-Anbietern fĂŒhlt das Bundeskartellamt nun auch Stromversorgern auf den Zahn und geht der Frage nach, ob sie zu viel Geld vom Staat haben wollten. Es seien PrĂŒfverfahren eingeleitet worden, die eine zweistellige Zahl von Unternehmen betreffe, teilte die Bonner Behörde mit.
Es geht um Vertriebsgesellschaften groĂer Energiekonzerne, Stadtwerke, Regionalversorger, Discounter und Ăkoenergie-Anbieter. Sie waren in einer Analyse von Antrags- und Meldedaten als auffĂ€llig eingestuft worden. Die Firmen werden nun zur Entwicklung von Preisen und Kosten befragt.
Die Unternehmen, die unter die Lupe genommen werden, reprĂ€sentierten etwa ein FĂŒnftel der von den Versorgern insgesamt beantragten Entlastungssummen fĂŒr die Belieferung von Privathaushalten und Kleingewerbe, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Hinzu kommen PrĂŒfungen von Versorgern, die GroĂabnehmer beliefert haben.
Energiepreisbremse als Entlastung
Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs im vergangenen Jahr war Deutschlands Energiebranche unter Druck geraten. Die Preise stiegen deutlich. Der Bund fĂŒhrte mit Steuergeldern eine Energiepreisbremse ein, um die Kosten fĂŒr Verbraucher begrenzen: Die Preise wurden gedeckelt, dafĂŒr bekamen Energiefirmen Anspruch auf Entlastungszahlungen. Hierbei könnten die Firmen, die das Kartellamt unter die Lupe nimmt, zu hohe Kosten angesetzt und somit zu viel Geld aus der Staatskasse verlangt haben.
Sollte die Behörde VerstöĂe feststellen, mĂŒssen die Unternehmen das Geld zurĂŒckzahlen. Auch GeldbuĂen sind möglich. Bereits im Mai hatte das Kartellamt Ă€hnliche Verfahren in der Gasbranche und unter FernwĂ€rme-Anbietern eingeleitet.
Branchenverband: «gut und richtig»
Der Branchenverband BDEW bezeichnete es als «gut und richtig», dass die Umsetzung der Preisbremsen ĂŒberprĂŒft werde. Preiserhöhungen allein seien aber kein Hinweis auf einen Missbrauch. Im vergangenen Jahr seien die Strompreise auf einem historischen Hoch gewesen, sagte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. Wegen der langfristigen Beschaffungskosten vieler Versorger wirkten sich diese teilweise mit Verzögerung auf die Endkundenpreise aus. «Energieversorger mĂŒssen in der Lage sein, diese stark gestiegenen Beschaffungskosten an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben», sagte Andreae. Andernfalls wĂ€ren die Firmen in ihrer LiquiditĂ€t gefĂ€hrdet.
Die Verbandschefin wies darauf hin, dass die Energieversorger mit erheblichem Aufwand die staatlich gesetzte Preisbremse bei Millionen Kunden in kĂŒrzester Zeit umgesetzt haben. Die Unternehmen hĂ€tten die Abwicklung zugewiesen bekommen, weil der Staat keine rechtssichere und praktikable Grundlage fĂŒr Auszahlungen habe. «Die Unternehmen der Energiewirtschaft haben diese immens aufwendige Umsetzung im Sinne eines gesellschaftlichen Beitrags in einer Phase höchster Energiepreise und gesellschaftlicher Verunsicherung ĂŒbernommen.»


