Klimaprotest gegen Ăl-Pipeline bei Total-Hauptversammlung
26.05.2023 - 11:29:09Umweltaktivisten haben vor der Hauptversammlung des Energieriesens Total gegen dessen geplante Ălpipeline in Ostafrika protestiert. Die Demonstrantinnen und Demonstranten versuchten am Freitagmorgen, den Zugang zum VersammlungsgebĂ€ude der AktionĂ€re zu versperren. Wie auf Fernsehbildern zu sehen war, gab es dabei auch ZusammenstöĂe mit der Polizei. Mehrere Hundert Aktivisten begrĂŒĂten ankommende AktionĂ€re mit Rufen und Pfiffen.
Man wolle die AktionĂ€re dazu aufrufen, keine fossilen Energien mehr zu finanzieren und aus dem Pipeline-Vorhaben auszusteigen, sagte die ugandische Umweltaktivistin Patience Nabukalu von Fridays for Future der Deutschen Presse-Agentur in Paris. «Total ist ein Klimakiller fĂŒr uns.» Klimaaktivistin Luisa Neubauer sagte an Kreditgeber gerichtet: «Banken, die das Wort Nachhaltigkeit auch nur in den Mund nehmen, sollten grundsĂ€tzlich ausschlieĂen, diesen Konzern zu finanzieren.»
Erdölförderung in Uganda und Tansania
Anfang vergangenen Jahres war das milliardenschwere Projekt zur Förderung von Erdöl in Uganda und Tansania an den Start gegangen. Total hĂ€lt an dem Vorhaben mit rund 57 Prozent den gröĂten Anteil. Auch beteiligt sind die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) mit einem Anteil von rund 28 Prozent und die Uganda National Oil Company (UNOC) mit etwa 15 Prozent. Das Investitionsvolumen betrĂ€gt laut Total insgesamt etwa 10 Milliarden US-Dollar.
Das Ăl soll in einer neuen 1443 Kilometer langen Pipeline von Ălfeldern in der NĂ€he des Albertsees im Westen Ugandas durch Tansania bis zum Indischen Ozean gebracht und von dem tansanischen Hafen Tanga aus verschifft werden. Erwartet wird eine Fördermenge von 230.000 Barrel pro Tag. Bereits 2025 soll das erste Ăl exportiert werden.
UmweltschĂŒtzer fordern schon lĂ€nger, das Projekt nicht zu finanzieren. Sie fĂŒrchten eine Verschmutzung ugandischer Seen und die Zerstörung von LebensrĂ€umen seltener Tierarten. Nabukalu zufolge wurden bereits vor dem Bau der Pipeline mehr als 10.000 Menschen fĂŒr das Projekt vertrieben. Einmal betrieben, wĂŒrde durch das Vorhaben zudem ein Vielfaches der jĂ€hrlichen Emissionen Ugandas ausgestoĂen: «Es wird die Klimakrise in Afrika nur verstĂ€rken.»
Demonstrationen bei Shell in London
Erst am Dienstag hatten bei der Hauptversammlung des Ăl-und Gaskonzerns Shell in London Klimaaktivisten gegen die weitere Ausbeutung fossiler EnergietrĂ€ger demonstriert und die Sitzung verzögert. Unter anderem riefen sie Slogans wie «Shut down Shell!» («Macht Shell dicht!»), «Go to hell, Shell» («Fahr' zur Hölle, Shell») oder «climate criminals» («Klima-Verbrecher»). Einige versuchten, die BĂŒhne zu stĂŒrmen.
Dutzende Demonstranten wurden nacheinander von Sicherheitspersonal aus dem Saal gebracht. Bei den Aktivisten handelte es sich der Nachrichtenagentur PA zufolge um Shell-AktionĂ€re, die legal Zugang zur Hauptversammlung erlangt hatten. Der Protest begann, als die Anteilseigner ĂŒber die UmweltplĂ€ne des Konzerns abstimmen sollten. Immerhin etwa 20 Prozent stimmten fĂŒr einen alternativen Plan, den KlimaschĂŒtzer aus dem Kreis der Investoren vorgelegt hatten.


