FachkrÀfte gesucht - Steinmeier und Heil auf Werbetour in Vietnam
23.01.2024 - 15:10:34Zum Auftakt von Steinmeiers Staatsbesuch in dem sĂŒdostasiatischen Land unterzeichneten die Arbeitsminister beider Staaten eine entsprechende Vereinbarung. "Wir in Deutschland haben groĂen Bedarf an FacharbeitskrĂ€ften. Und wir freuen uns, dass Vietnam zu dieser Kooperation mit Deutschland bereit ist", sagte Steinmeier nach einem GesprĂ€ch mit StaatsprĂ€sident Vo Van Thuong am Dienstag in der Hauptstadt Hanoi.
"Ich glaube, das ist der Beginn einer wirklich fruchtbaren Zusammenarbeit", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Es gehe darum, "bĂŒrokratische HĂŒrden zu beseitigen und auch dafĂŒr zu sorgen, dass die Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen, fair behandelt werden". Mit dem FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetz sei der rechtliche Rahmen bereits geschaffen. "Jetzt geht's um die Praxis." Dazu solle in Vietnam auch gezielter ĂŒber die Rechtslage und die Möglichkeiten in Deutschland informiert werden.
Steinmeier war am Vormittag in Hanoi eingetroffen. Er wird von seiner Frau Elke BĂŒdenbender begleitet. Auch eine Wirtschaftsdelegation kam mit nach Asien.
Vietnam ist flĂ€chenmĂ€Ăig fast so groĂ wie Deutschland, zĂ€hlt mit gut 98 Millionen Einwohnern aber 15 Millionen mehr Menschen. Das Land ist einer der letzten kommunistischen Staaten weltweit, hat sich aber schon vor langer Zeit wirtschaftlich geöffnet. In der Hauptstadt Hanoi gibt es zahlreiche LĂ€den mit renommierten Luxusmarken. Laut Statistischem Bundesamt lebten 2022 rund 207 000 Menschen mit einem vietnamesischen Migrationshintergrund in Deutschland.
Steinmeier machte das deutsche Interesse an mehr wirtschaftlicher Zusammenarbeit deutlich. Das bilaterale Handelsvolumen liege derzeit bei rund 18 Milliarden Euro. FĂŒr Vietnam sei Deutschland der wichtigste Handelspartner in Europa und der viertwichtigste Investor. "Das schöpft bei weitem nicht das Potenzial in den wirtschaftlichen Beziehungen unserer beiden Staaten aus." Thuong bat Steinmeier um UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ratifizierung des Investitionsschutzabkommens zwischen seinem Land und der EU durch den Bundestag.
Es ist bereits die fĂŒnfte Reise nach Asien, die der BundesprĂ€sident seit dem Beginn des Ukraine-Krieges vor fast genau zwei Jahren unternimmt. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine positioniert sich Deutschland politisch und wirtschaftlich neu. Auch die Beziehungen zu China mitsamt ihren wirtschaftlichen AbhĂ€ngigkeiten werden heute viel kritischer als noch vor wenigen Jahren bewertet. Mehr Distanz zu China und mehr Kooperation mit dessen Nachbarn - also etwa Vietnam - könnte die Kurzformel lauten.
Deutschland und Vietnam sind seit 2011 in einer "strategischen Partnerschaft" miteinander verbunden, die allerdings etwas eingeschlafen war. Im November 2022 war Kanzler Olaf Scholz (SPD) in Hanoi, um sie wiederzubeleben. Dasselbe Ziel verfolgt Steinmeier.
Allerdings ist Vietnam fĂŒr Deutschland kein ganz einfacher Partner. Das Land ist ein Einparteiensystem. Die Kommunistische Partei beansprucht die FĂŒhrung von Staat und Gesellschaft fĂŒr sich. Andere Parteien sind nicht zugelassen. Menschenrechtsorganisationen sehen die Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschrĂ€nkt. Das Recht auf Vereinigungsfreiheit werde untergraben, es komme zu willkĂŒrlichen Verhaftungen sowie zu Folter und Misshandlung von Inhaftierten. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" ist Vietnam auf Platz 178 von 180 gelistet.
Steinmeier und Heil informierten sich zum Beginn ihres Besuches am Goethe-Institut ĂŒber die Sprachausbildung junger Vietnamesinnen und Vietnamesen, die bereits eine Fachausbildung absolviert haben und bald nach Deutschland kommen wollen. So wie der 23-jĂ€hrige Metalltechniker Nhut Khanh, der bereits einen Arbeitsvertrag bei einem deutschen Unternehmen hat. "Ich freue mich sehr auf Deutschland", sagte er den GĂ€sten. "Wir freuen uns wirklich sehr, dass Sie sich fĂŒr unser Land entschieden haben", erwiderte Heil.

