Mittelstand: 569.000 Betriebsstilllegungen bis 2029 erwartet
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach aktuellen Daten von KfW Research zeichnet sich im deutschen Mittelstand eine deutliche Tendenz zur Geschäftsaufgabe ab. Rund 57 % der Unternehmer, die 55 Jahre oder älter sind, planen nach ihrem altersbedingten Rückzug aus der Geschäftsführung die Stilllegung ihres Betriebes anstatt einer Nachfolgeregelung. Diese Entwicklung könnte die Wirtschaftsstruktur in den kommenden Jahren erheblich verändern.
Prognose bis 2029: Über eine halbe Million Stilllegungen
Die Berechnungen der Förderbank für den Zeitraum bis zum Jahr 2029 verdeutlichen das Ausmaß des bevorstehenden Wandels. Demnach planen insgesamt 569.000 Unternehmen die endgültige Einstellung des Geschäftsbetriebs. Dies entspricht einem Durchschnitt von jährlich 114.000 Stilllegungen. Demgegenüber stehen lediglich 545.000 Betriebe, die eine aktive Nachfolge anstreben – etwa 109.000 Unternehmen pro Jahr.
Als Hauptgrund für die Entscheidung zur Stilllegung wird das Alter der Inhaber angeführt. Oft fehlen jedoch auch die strukturellen Voraussetzungen für eine Fortführung. So geben 47 % der betroffenen Unternehmer an, keine Nachfolge innerhalb der eigenen Familie zu haben.
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Neben persönlichen Faktoren spielen auch externe Hürden eine Rolle: 42 % der Mittelständler nennen die hohe bürokratische Belastung als wesentliches Hindernis für eine mögliche Übergabe oder Fortführung des Betriebs. Insgesamt bewerten 69 % der Unternehmen die Suche nach einem geeigneten Nachfolger als problematisches Unterfangen.
Steigende Preisvorstellungen erschweren die Übergabe
Ein weiterer Faktor im Nachfolgeprozess sind die finanziellen Erwartungen der Verkäufer. Die durchschnittlichen Kaufpreisvorstellungen der Mittelständler sind deutlich gestiegen und liegen nun im Schnitt bei 499.000 Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei 372.000 Euro.
Preisbereinigt entspricht dies einer Steigerung von 9,5 %. Ein signifikanter Anteil der verkaufswilligen Inhaber hat zudem hohe Erwartungen an den Erlös; so rechnen 27 % der Befragten mit einem Kaufpreis von mehr als 1 Million Euro.
Rückblick auf das Schließungsgeschehen im Vorjahr
Dass die Zahl der Geschäftsaufgaben bereits zunimmt, belegen Daten von Creditreform und dem ZEW für das Jahr 2025. In diesem Zeitraum wurden in Deutschland insgesamt 188.000 Unternehmensschließungen registriert, was einem Zuwachs von 10 % gegenüber dem Jahr 2024 entspricht.
Dabei zeigt sich, dass der Großteil dieser Marktaustritte nicht auf wirtschaftliches Scheitern im klassischen Sinne zurückzuführen ist. Lediglich 13 % der Schließungen im Jahr 2025 waren die Folge einer Insolvenz.
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Die weitaus größte Gruppe, nämlich 87 % der Aufgaben, erfolgte ohne ein solches Verfahren. Besonders stark betroffen war die Gruppe der Arztpraxen mit rund 5.500 Schließungen. Bei den geschlossenen Familienunternehmen waren zudem 29 % der Inhaber bereits 65 Jahre oder älter.
Branchenspezifische Entwicklungen und Insolvenzzahlen
Die Zunahme der Schließungen im Jahr 2025 betraf nahezu alle Wirtschaftsbereiche, jedoch in unterschiedlicher Intensität:
- Gastgewerbe: Anstieg um 15 % auf 15.000 Schließungen.
- Baugewerbe: Anstieg um 12 % auf 24.000 Schließungen.
- Industrie: Anstieg um 10 % auf 11.000 Schließungen.
- Handel: Anstieg um 8 % auf 37.000 Schließungen.
Parallel zu dieser Entwicklung der regulären Geschäftsaufgaben verzeichnete das Statistische Bundesamt für das Jahr 2025 auch einen Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen. Mit 24.064 Fällen lag deren Zahl um 10,3 % über dem Niveau des Vorjahres. Experten werten die Kombination aus altersbedingten Aufgaben und steigenden Insolvenzzahlen als Anzeichen für eine zunehmende Konsolidierung in der deutschen Unternehmenslandschaft.
