Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Kein gutes Polster – Dauerflaute in der Möbelbranche

17.02.2026 - 09:01:05 | dpa.de

Möbel sind bei Verbrauchern derzeit wenig gefragt. Der Umsatz der deutschen Hersteller ist so niedrig wie seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Warum die Lage so schwierig ist.

  • WĂ€hrend der Corona-Pandemie kauften viele Menschen Möbel, jetzt ist der Bedarf vielfach erst einmal gedeckt. (Archivbild) - Foto: Henning Kaiser/dpa
    WÀhrend der Corona-Pandemie kauften viele Menschen Möbel, jetzt ist der Bedarf vielfach erst einmal gedeckt. (Archivbild) - Foto: Henning Kaiser/dpa
  • Hersteller und HĂ€ndler haben damit zu kĂ€mpfen, dass viele Verbraucher bei Möbeln sparen. (Archivbild) - Foto: Guido Kirchner/dpa
    Hersteller und HÀndler haben damit zu kÀmpfen, dass viele Verbraucher bei Möbeln sparen. (Archivbild) - Foto: Guido Kirchner/dpa
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Sparsame Verbraucher, Corona-Nachwehen und schwindende Erlöse: Die Krise der deutschen Möbelindustrie verschÀrft sich. Die Branche hat im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal in Folge weniger umgesetzt. 

«2025 war kein gutes Jahr», sagt Jan Kurth, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM). Der Umsatz sank nach vorlĂ€ufigen amtlichen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr nominal um 3,4 Prozent auf knapp 15,8 Milliarden Euro - der niedrigste Stand seit 2009. 

Etwas stabiler war zuletzt das KĂŒchengeschĂ€ft, deutlich schlechter lief es hingegen bei Polster- und Wohnraummöbeln. Besonders schwierig ist die Lage auf dem deutschen Markt, auf den zwei Drittel der Erlöse entfallen. Die erhoffte Belebung blieb aus - dafĂŒr gibt es mehrere GrĂŒnde.

Die schlechte Konsumstimmung

Wie viele Wirtschaftszweige leiden auch MöbelhĂ€ndler und -industrie unter der KaufzurĂŒckhaltung. «Die Menschen in Deutschland halten ihr Geld zusammen, statt es auszugeben», sagt Kurth. Die Branche konkurriere mit anderen um das knappe Budget der Verbraucher. Viele gĂ€ben ihr Geld lieber fĂŒr kurzfristige BedĂŒrfnisse wie Urlaub aus. Möbel haben es schwer, weil sich der Kauf leicht aufschieben lĂ€sst. «Auch wenn das Sofa nicht mehr schön ist, hĂ€lt es vielleicht bei manchen Menschen doch noch ein Jahr lĂ€nger als ursprĂŒnglich geplant», so Kurth.

Der Einzelhandel sieht es Ă€hnlich. «Möbel sind nach wie vor kostenintensive Anschaffungen, wĂ€hrend Kundinnen und Kunden zunehmend preissensibel reagieren», sagt Dirk Tesch, PrĂ€sident des Handelsverbands Möbel und KĂŒchen. Aus Verunsicherung wĂŒrden grĂ¶ĂŸere Investitionen hĂ€ufig verschoben. Im Handel gingen die Erlöse 2025 laut Hochrechnung des Handelsforschungsinstituts IFH Köln um 0,5 Prozent zurĂŒck.

Die Folgen der Pandemie

WĂ€hrend der Corona-Pandemie zogen viele Haushalte KĂ€ufe vor und richteten sich neu ein. Nun ist der Bedarf vielerorts gedeckt. Ein Sofa oder ein Esstisch wird schließlich nicht alle zwei Jahre neu gekauft. «Die starke Nachfrage wĂ€hrend der Pandemie hat zu einer MarktsĂ€ttigung gefĂŒhrt, deren Auswirkungen noch immer nachwirken», sagt IFH-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Kai Hudetz.

Wird vor allem bei Möbeln gespart? 

Das legen die Zahlen nicht nahe. Laut einer YouGov-Umfrage sparen 42 Prozent vor allem bei FreizeitaktivitĂ€ten wie Kino, Theater und Restaurantbesuch. 34 Prozent halten sich bei Urlaub am meisten zurĂŒck, 32 Prozent bei Möbeln. Bei Bekleidung sind es 29 Prozent, bei Elektronikprodukten 28, bei Lebensmitteln 14. Die Befragten konnten bis zu zwei Bereiche auswĂ€hlen.

Ein Drittel hat in den vergangenen zwei Jahren weniger fĂŒr Möbel ausgegeben als zuvor, 26 Prozent etwa gleich viel, 13 Prozent mehr. Jeder Vierte kaufte gar nichts. 2.100 Erwachsene in Deutschland wurden reprĂ€sentativ befragt.

Wachsender Wettbewerb

Der Konkurrenzdruck nimmt zu. Die Menge an importierten asiatischen Möbeln ist laut VerbandsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Kurth stark gestiegen. Weil die Ausfuhr in die USA wegen der Zölle erschwert ist, werde Ware verstĂ€rkt in Europa angeboten. «Betroffen ist vor allem das untere Preissegment, dadurch verschiebt sich das GefĂŒge im ganzen Markt.» 

Handelsexperte Hudetz bestÀtigt das: «Non-Food-Discounter wie Action und Thomas Philipps sowie asiatische Online-MarktplÀtze wie Temu gewinnen an Bedeutung.» Mit niedrigen Preisen und breitem Angebot setzten sie etablierte Anbieter unter Druck.

Zahlreiche Insolvenzen

Einige Firmen gerieten in Schieflage. «Vor allem die traditionsreiche Region Ostwestfalen-Lippe, in der viele Möbel- und KĂŒchenhersteller ansĂ€ssig sind, ist stark betroffen», sagt Patrik-Ludwig Hantzsch von der Auskunftei Creditreform.

Zuletzt meldeten unter anderem die Hammer Raumstylisten GmbH, RWK & Kuhlmann KĂŒchen, der HĂ€ndler Lambert sowie die Möbelhersteller MĂ€usbacher, Röhr-Bush und König + Neurath Insolvenz an. Die Handelskette Matratzen Direct schloss kĂŒrzlich alle Filialen. Auch der Schlafzimmermöbelhersteller Nolte stellte den Betrieb ein. 

Neben der schwachen Nachfrage und der Konkurrenz aus Fernost belasten steigende Material-, Energie- und Personalkosten sowie zunehmende Regulierung, sagt Hantzsch. «Das Umfeld bleibt 2026 schwierig.»

Zu wenig neue Wohnungen

Ein weiteres Problem ist der stockende Wohnungsbau. Die Zahl der Baugenehmigungen ist zwar etwas angezogen, aber die Lage bleibt schwierig. Das FrĂŒhjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses schĂ€tzt den Bedarf auf jĂ€hrlich 257.400 neue Wohnungen bis 2040. In diesem Jahr werden jedoch voraussichtlich nur 215.000 fertig.

«Weniger Neubauten und kaum UmzĂŒge bedeuten fehlende KaufanlĂ€sse. Wohnungswechsel sind der hĂ€ufigste Grund fĂŒr neue Möbel», sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Handelsberatung BBE, Johannes Berentzen.

Die positiven Erwartungen der Branche an die neue Bundesregierung wurden bislang nicht erfĂŒllt. Ursachen fĂŒr die geringe Zahl an Neubauten sind unter anderem gestiegene Zinsen und hohe Baukosten.

Wie wird 2026?

Laut einer Befragung des Möbelindustrie-Verbands plant jeder dritte Betrieb im ersten Quartal Kurzarbeit, um die schwache Nachfrage abzufedern. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Kurth ist dennoch vorsichtig optimistisch. Die Stimmung in der Branche sei «nicht mehr so dĂŒster wie vor einem Jahr». Er rechnet damit, dass sich das GeschĂ€ft spĂ€testens in der zweiten JahreshĂ€lfte stabilisiert. «Es ist Geld vorhanden. Die Sparkonten vieler Verbraucher sind gut gefĂŒllt.»

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