Gesellschaft, Analyse

Frauenanteil in DAX- und MDAX-VorstĂ€nden erstmals rĂŒcklĂ€ufig

02.01.2026 - 09:48:48

MĂŒnchen - Nach mehreren Jahren kontinuierlichen und teils deutlichen Wachstums ist der Frauenanteil in den VorstĂ€nden der 90 Unternehmen der beiden großen deutschen Börsenindizes erstmals wieder leicht gesunken. Im DAX 40 sind aktuell 25,5% der Vorstandsmitglieder weiblich – ein RĂŒckgang um 0,2 Prozentpunkte gegenĂŒber dem Vorjahr. Im MDAX fĂ€llt der Frauenanteil um 0,4 Prozentpunkte auf 19,5%. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Vorstandsgremien durch die Personalberatung Russell Reynolds Associates.

Damit endet vorerst die zehnjĂ€hrige Phase stetigen Fortschritts, in der sich der Anteil der Frauen in den VorstĂ€nden der Unternehmen beider Indizes Jahr fĂŒr Jahr erhöht hatte. Zwar bleibt das Niveau nahe dem historischen Hoch, doch der Trend signalisiert eine spĂŒrbare AbschwĂ€chung der Dynamik.

RĂŒckfall im internationalen Vergleich

Auch im internationalen Vergleich verliert Deutschland an Boden. In einer Vergleichsgruppe von neun LÀndern sind Deutschland und Schweden die einzigen MÀrkte, in denen der Frauenanteil in VorstÀnden im Jahresvergleich gesunken ist. Sowohl der DAX als auch der MDAX rutschen damit in die untere HÀlfte des internationalen Rankings ab, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren schrittweise nach vorne gearbeitet hatten.

Mehr ParitĂ€t an der Spitze – und dennoch viele rein mĂ€nnliche VorstĂ€nde

Trotz des RĂŒckgangs zeigen sich auch positive Entwicklungen: Erstmals erreichen vier DAX-40-Unternehmen einen Frauenanteil von 50% im Vorstand. Im MDAX sind es erstmals fĂŒnf Unternehmen. «Diese Beispiele belegen, dass paritĂ€tisch besetzte VorstĂ€nde inzwischen durchaus realisierbar sind», sagt Jens-Thomas Pietralla, Leiter der Globalen Board & CEO-Praxisgruppe von Russell Reynolds Associates.

Gleichzeitig bleibt die Spreizung hoch. Zwei DAX-40-Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand (Brenntag und Porsche SE), ein Unternehmen mehr als im Vorjahr. Im MDAX sind es 16 Unternehmen mit rein mÀnnlich besetzten Gremien. Damit existieren Unternehmen mit Spitzenwerten und mit erheblichen Defiziten weiterhin nebeneinander.

Alle neuen DAX-VorstÀndinnen ohne operative Ergebnisverantwortung

AuffĂ€llig ist die funktionale Verteilung der neu berufenen Frauen im DAX 40. Keine von ihnen wurde in eine der vierzehn Vorstandsressorts mit direkter Ergebnisverantwortung oder in die sieben Supply-Chain-Positionen berufen. FĂŒnf – und damit ĂŒber 70% – der im vergangenen Jahr neu hinzugekommenen VorstĂ€ndinnen im DAX ĂŒbernahmen das Personalressort (CHRO), die ĂŒbrigen wurden zur FinanzvorstĂ€ndin (CFO) berufen.

«Keines der neuen weiblichen Vorstandsmitglieder trĂ€gt direkte GeschĂ€ftsverantwortung fĂŒr z.B. einen GeschĂ€ftsbereich oder eine Region. Hier sehen wir die bedenklichste Entwicklung in der Besetzung der VorstĂ€nde. Denn ohne diese Erfahrung ist der Schritt hin zum CEO fĂŒr Frauen unverĂ€ndert deutlich schwieriger als fĂŒr MĂ€nner», so Jens-Thomas Pietralla. So wurden die fĂŒnf im DAX neu zu besetzenden CEO-Positionen ausschließlich mit MĂ€nnern besetzt. Gleiches gilt fĂŒr alle neu vergebenen Vorstandsposten als GeschĂ€ftsbereichsleiter (7 Posten), Regionalverantwortliche (2) sowie fĂŒr Vorstandsmandate mit ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Lieferketten und Technologie (7).

Hohe Fluktuation: Frauen scheiden weiterhin frĂŒher aus

Nach einem unterdurchschnittlichen Vorjahr wurden 2025 wieder ĂŒberdurchschnittlich viele Vorstandsmitglieder ausgetauscht. Erneut zeigt sich dabei, dass die durchschnittliche Verweildauer der ausgeschiedenen Frauen niedriger ist als die der MĂ€nner. Der Abstand hat sich zwar verringert, bleibt jedoch deutlich bestehen (7,9 Jahre bei MĂ€nnern gegenĂŒber 4,9 Jahren bei Frauen).

«Die Analyse zeigt ein ambivalentes Bild: WĂ€hrend einzelne Unternehmen ParitĂ€t im Vorstand erreichen und der Frauenanteil insgesamt auf hohem Niveau bleibt, verliert die Entwicklung an Dynamik. Der internationale Vergleich, die Machtverteilung in den VorstĂ€nden sowie die kĂŒrzere Verweildauer von Frauen machen deutlich, dass eine strukturelle Gleichstellung in den deutschen Vorstandsetagen weiterhin nicht erreicht ist», sagt Jens-Thomas Pietralla.

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Pressekontakt:

Shepard Fox Communications
Axel Schafmeister
Tel.: +41 44 252 0708
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