Münchner Wiesn: Neue Sicherheitszentrale mit KI-Überwachung startet
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das 191. Münchner Oktoberfest beginnt am 19. September 2026 unter umfassend überarbeiteten Sicherheitsmaßnahmen. Vor dem Hintergrund der Ereignisse des Vorjahres – am 1. Oktober 2025 war das Festgelände nach Angaben der Münchner Polizei wegen einer Bombendrohung stundenlang gesperrt worden, zudem sei es am sogenannten Italiener-Samstag fast zu einer Katastrophe gekommen – reagieren die Verantwortlichen mit einer deutlichen Ausweitung von Personal und Technik.
Erstmals zapft der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) am 19. September das erste Fass an, während über 6 Millionen erwartete Gäste das Festgelände besuchen sollen.
Umfangreiches Aufgebot von Polizei und Ordnungsdiensten
Für die Sicherheit auf der Theresienwiese sorgen rund 600 Polizeibeamte der Polizei München. Diese erhalten Unterstützung durch die Bayerische Bereitschaftspolizei, spezialisierte Fahnder gegen Taschendiebstahl sowie internationale Einsatzkräfte aus acht Ländern. Die Bundespolizei stellt bis zu 230 Beamte für den Einsatz rund um das Festgelände bereit. Das Kreisverwaltungsreferat München (KVR) entsendet zudem rund 240 Mitarbeitende auf das Areal.
Auch private Sicherheitsdienstleister sind mit hohem Personalaufwand vertreten: Insgesamt stehen 1200 bis 1600 Ordner bereit. Das Unternehmen Securitas stellt rund 1400 Beschäftigte, wobei in Spitzenzeiten bis zu 730 Ordner gleichzeitig ihren Dienst verrichten.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Polizeivizepräsident Huber erklärten, dass eine erhöhte abstrakte Gefährdungslage bestehe, konkrete Erkenntnisse über geplante Anschläge lägen jedoch nicht vor. KVR-Chefin Hanna Sammüller bezeichnete das Sicherheitskonzept dennoch als generalüberholt.
KI-Technik und neue Leitstelle zur Personenstromlenkung
Im Zentrum der technischen Aufrüstung steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Das Fraunhofer-Institut für Optische Schwingungs- und Bildauswertung (IOSB) wertet Videodaten während des Oktoberfests 2026 mithilfe des Systems GeoVID automatisiert aus. Das Programm erfasst keine persönlichen Identitäten, sondern misst ausschließlich Personendichten.
KI in Behörden: Warum unkritischer Umgang mehr schadet als die Technologie selbst. Kostenloses PDF zeigt, worauf Führungskräfte im öffentlichen Dienst jetzt achten müssen. Kostenlosen Leitfaden mit Selbsttest und Praxis-Tipps für den öffentlichen Dienst sichern
Insgesamt 26 KI-gestützte Kameras sollen frühzeitig Menschenansammlungen in Form sogenannter Wärmebilder erkennen und bei Überfüllungsgefahren Alarm auslösen. Ergänzend dazu nutzt die Universität der Bundeswehr München die Veranstaltung als Reallabor für Prognosen von Personenströmen; Auslöser dafür war eine zeitweilige Überfüllung der Wirtsbudenstraße im Jahr 2025.
Sicherheitsbehörden haben zudem über 50 Kameras an rund 35 Positionen installiert. Im Servicezentrum Theresienwiese wurde eine neue Sicherheitszentrale eingerichtet, die über eine rund 22 Quadratmeter große Bildschirmfläche verfügt und in der bis zu 35 Sicherheitsexperten zeitgleich arbeiten.
Zudem richteten die Behörden erstmals eine eigene Koordinierungsstelle für das Crowdmanagement und den Informationsaustausch mit der Stadtverwaltung ein. Einsatzkräfte der Sicherheitsbehörden tragen darüber hinaus Bodycams.
Immer mehr Behörden setzen auf klare KI-Regeln – dieser Gratis-Report zeigt wie. Jetzt kostenlos herunterladen: Selbsttest 'Umgang mit KI' für den öffentlichen Dienst. Hier den kostenlosen KI-Ratgeber herunterladen
Schutzringe, Flugverbote und Vorkehrungen im Umfeld
Zur Abwehr von Gefahren durch Fahrzeuge greifen die Behörden auf drei konzentrische Sperrringe zurück, die durch Betonkübel und versenkbare Poller geschützt sind. Das bestehende Messerwerbot, das bisher bereits im äußeren Ring galt, wurde auf den mittleren Sperrring ausgedehnt.
Auf dem gesamten Gelände untersagen die Veranstalter das Mitführen von Rucksäcken und Taschen mit einem Volumen von mehr als drei Litern beziehungsweise Abmessungen von maximal 20 mal 15 mal 10 Zentimetern. Glasflaschen und Messer bleiben strikt verboten, und Kinderwagen sind samstags ganztägig sowie an den übrigen Tagen ab 18 Uhr untersagt.
Auch der Luftraum wird überwacht: Eine neue Spezialeinheit der Münchner Polizei kontrolliert mit Störsendern einen Radius von 5,6 Kilometern um die Theresienwiese, wobei ein Flugverbot bis zu einer Höhe von 10 Kilometern gilt. Die Sicherheitsbehörden haben hierfür ein neues Kompetenzzentrum zur Drohnenabwehr eingerichtet und verweisen auf eine Flugverbotszone im Radius von 5,5 Kilometern.
Im städtischen Umfeld sperrt die Stadt München die Schwanthalerstraße westlich der Theresienhöhe montags bis freitags ab 16 Uhr, samstags und am ersten Wiesn-Sonntag ab 10 Uhr sowie an den weiteren Sonntagen ab 15:30 Uhr.
Die medizinische Versorgung übernimmt der Rettungszweckverband München mit bis zu drei Notarzteinsatzfahrzeugen, 19 Rettungsfahrzeugen und zwei Krankentransportwagen. Rund 430 Einsatzkräfte der Aicher-Ambulanz, darunter 36 Ärzte, stehen zur Verfügung.
Im Vorjahr versorgte die Wiesn-Ambulanz über 7000 Patienten bei einer durchschnittlichen Hilfeleistung in unter vier Minuten, wobei lediglich 1,6 Prozent in Krankenhäuser transportiert werden mussten. In acht großen Festzelten kommt zum vierten Mal die SafeNow-App zum Einsatz, und für Frauen steht ein geschützter Bereich bereit.
