EuropÀische Versicherer zeigen sich krisenfest / zeb European Insurance Study 2023
05.12.2023 - 12:00:01Arne van Tongern, Senior Manager bei zeb: "Die europĂ€ischen Versicherer haben sich im letzten GeschĂ€ftsjahr bis ins erste Halbjahr 2023 hinein solide geschlagen. Sie zeigen sich entgegen pessimistischer Prognosen zu Beginn des Jahres krisenfest. Im ersten Halbjahr 2023 hat ihnen dabei die vergleichsweise geringe Anzahl an Naturkatastrophen in die HĂ€nde gespielt. Vor allem die vier gröĂten Versicherer haben vieles richtig gemacht und die Inflation durch gezielte Preiserhöhungen kompensiert. Vor diesem Hintergrund kann die Branche zuversichtlich auf das kommende Jahr blicken."
Wachstum, ProfitabilitÀt und Solvenz
Die Studie zeigt im Detail, dass die BruttoprĂ€mien der Top-25-Versicherer in Europa im GeschĂ€ftsjahr 2022 um 4,4 Prozent gestiegen sind, nach starken 8,6 Prozent im Vorjahr. Das Wachstum ist weniger auf den Gewinn neuer Kund:innen als auf Preisanpassungen fĂŒr bestehende Kund:innen zurĂŒckzufĂŒhren. Ein Blick auf die ProfitabilitĂ€t ergibt eine Ă€hnliche Tendenz. Hier waren die NettoertrĂ€ge in 2020 durch die Coronakrise um 21,8 Prozent eingebrochen. Nach einer Erholung im darauffolgenden Jahr machte sich in 2022 unter anderem die Inflation ĂŒber eine teurere Schadenregulierung bemerkbar, sodass die NettoertrĂ€ge der Top-25-Versicherer in Europa wieder hinter den Zahlen von 2021 zurĂŒckblieben (-20,6 Prozent). Stabil zeigte sich die Solvenzquote. Sie lag in 2022 im Durchschnitt bei ansehnlichen 223 Prozent.
Guido Enck, Senior Manager bei zeb: "Die Bandbreite der Solvenzquoten hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Schwankten diese in 2018 noch zwischen 152 und 384 Prozent, lag die Spanne in 2022 nur bei 163 bis 293 Prozent. Es scheint sich ein Marktstandard von etwas ĂŒber 200 Prozent herauszubilden. Das zeigt sich an den drei europĂ€ischen MarktfĂŒhrern. Sie liegen mit Solvenzquoten von 215 Prozent (AXA), 230 Prozent (Allianz) und 221 Prozent (Generali) eng beieinander."
Non-Life und Life
WĂ€hrend die BruttoprĂ€mien der 25 europĂ€ischen Topversicherer in 2022 im Bereich Non-Life um 10,6 Prozent gewachsen sind, sind sie im Bereich Life um 1,9 Prozent zurĂŒckgegangen. Hier machte einerseits der Anstieg der Zinsen Einlageprodukte von Banken attraktiver. Zudem konnten viele Menschen inflationsbedingt weniger sparen und haben weniger Geld fĂŒr ihre Altersvorsorge beiseitegelegt. Andererseits profitierte das Non-Life-GeschĂ€ft. In unsicheren Zeiten und durch mehr Naturkatastrophen stieg die Nachfrage nach Versicherungsschutz sowohl bei Privat- als auch bei Gewerbekund:innen. Hinzu kam der Inflationsdruck, der PrĂ€mien nach oben getrieben hat. Die Versicherer stellen sich seit einigen Jahren auf diese erkennbare Verschiebung der PrĂ€mien von Life zu Non-Life ein. WĂ€hrend der Anteil der Lebensversicherungen am Portfolio der europĂ€ischen Top 25 in 2017 noch bei 60 Prozent lag, waren es im vergangenen GeschĂ€ftsjahr 2022 nur noch 52 Prozent.
Dr. Jan Hendrik Sohl, Partner bei zeb: "Das stĂ€rkere Wachstum im Bereich Non-Life ist ein nachhaltiger Trend. Dies verĂ€ndert die Branche, viele Versicherer sind dabei, sich neu zu positionieren. Setzt sich diese Entwicklung fort, wird der Non-Life- den Life-Bereich absehbar ĂŒberholen, vielleicht sogar schon im Jahr 2023."
Vier Topversicherer
Die Studienautoren haben sich im Rahmen ihrer Untersuchung zudem die vier gröĂten europĂ€ischen Versicherer bis ins erste Halbjahr 2023 hinein angesehen und untersucht, warum sie in den letzten Jahren so erfolgreich waren. Aktuell betreuen AXA, Allianz, Generali und Zurich ĂŒber 338 Millionen Kund:innen weltweit und kommen zusammen auf eine Marktkapitalisierung von gut 240 Milliarden Euro. Zwischen 2017 und 2022 haben sie bei den BruttoprĂ€mien um gut 20 Prozent zugelegt. Damit sind sie dreimal so schnell gewachsen wie die anderen 21 untersuchten europĂ€ischen Versicherer. Auch die ProfitabilitĂ€t der vier Topversicherer hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt.
Dieser auĂerordentliche Erfolg ist zum einen damit zu erklĂ€ren, dass die Portfolios der Top 4 besonders breit gestreut sind. Das gilt sowohl geografisch als auch beim Produktangebot. Die Schadeninflation und der harte Preiskampf im Kfz-GeschĂ€ft fallen dadurch weniger stark ins Gewicht. AuĂerdem ist es den vier gröĂten Versicherern gut gelungen, die Inflation erfolgreich an die Kund:innen weiterzugeben. SchlieĂlich sind die Top 4 stark im wachsenden und ertragreichen Segment der Industrie- und RĂŒckversicherungen engagiert sowie hervorragend in den WachstumsmĂ€rkten Asiens, Afrikas und SĂŒdamerikas unterwegs.
Dieter Kipp, Partner bei zeb: "An den groĂen 4, den 'European Giants', lĂ€sst sich ablesen, was Versicherer erfolgreich macht. Auch andere HĂ€user können sich an diesen Erfolgsfaktoren orientieren. Die Top 4 zeigen, welche Themen die Branche prĂ€gen werden. Dazu gehören ein klarer Blick auf die eigene, optimale Ausrichtung des Lebensversicherungsportfolios, die Reduktion von KomplexitĂ€t in allen Bereichen, der Ausbau der Kundenbeziehungen z. B. ĂŒber eigene Ăkosysteme, der gezielte Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz sowie ein klares Bekenntnis zur Dekarbonisierung."
Weitere Details und Zahlen zur European Insurance Study 2023 sind abrufbar unter: European Insurance Study 2023 | zeb (zeb-consulting.com).
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