Mutterschutz-LĂŒcke, SelbststĂ€ndige

Mutterschutz-LĂŒcke: 27.000 SelbststĂ€ndige verlieren jĂ€hrlich Einkommen

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 07:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie belegt: SelbststÀndige Frauen fehlt gesetzlicher Mutterschutz. 75 Prozent im Handwerk verlieren fast die HÀlfte ihres Einkommens.

Mutterschutz-LĂŒcke: 27.000 SelbststĂ€ndige jĂ€hrlich in Not
Mutterschutz-LĂŒcke - Eine schwangere Frau in Berufsbekleidung steht in einem modernen Labor oder einer Arztpraxis und berĂŒhrt sanft ihren Bauch. 07.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt die dramatischen Folgen.

Die VersorgungslĂŒcke bei GrĂŒnderinnen

FĂŒr selbststĂ€ndige Frauen in der Physiotherapie oder im Labor gibt es keinen gesetzlichen Mutterschutz. Die Konsequenz: Viele arbeiten bis kurz vor der Entbindung. Eine Machbarkeitsstudie des nordrhein-westfĂ€lischen Wirtschaftsministeriums, des Westdeutschen Handwerkskammertages und des IfM Bonn zeigt die Dimension: Rund 27.000 SelbststĂ€ndige geraten jĂ€hrlich durch eine Schwangerschaft in finanzielle Nöte.

Besonders das Handwerk ist betroffen. 75 Prozent der Frauen dort verlieren durchschnittlich fast die HĂ€lfte ihres Einkommens. Jede zweite SelbststĂ€ndige arbeitet bis sieben Tage vor der Geburt und kehrt innerhalb von vier Wochen nach der Entbindung zurĂŒck.

Die Initiative „FAIRsorgt“ will das Ă€ndern. Das Modell sieht eine pauschale Lohnersatzleistung von 5.000 Euro plus eine optionale einkommensbasierte Aufstockung vor. Die Kosten: 135 bis 190 Millionen Euro jĂ€hrlich, plus bis zu 135 Millionen Euro fĂŒr ErsatzarbeitskrĂ€fte.

BeschĂ€ftigungsverbote fĂŒr Angestellte

Anders sieht es bei angestellten Labor- und Praxismitarbeiterinnen aus. Sie genießen klare gesetzliche Schutzfristen: sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit gilt ein absolutes BeschĂ€ftigungsverbot – es sei denn, die Arbeitnehmerin verzichtet ausdrĂŒcklich auf die Frist vor der Entbindung.

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75 Prozent der selbststĂ€ndigen Frauen im Handwerk verlieren durch eine Schwangerschaft fast die HĂ€lfte ihres Einkommens. Dabei gibt es Wege, sich abzusichern – mit der richtigen Checkliste und Schritt-fĂŒr-Schritt-Anleitung. Jetzt kostenlosen Report anfordern

GefĂ€hrden TĂ€tigkeiten mit Gefahrstoffen oder Infektionsrisiken die Gesundheit, kann ein individuelles oder generelles BeschĂ€ftigungsverbot ausgesprochen werden. Die Angestellten behalten dann ihren vollen Gehaltsanspruch. Arbeitgeber dĂŒrfen Schwangere aber an einen gefĂ€hrdungsfreien Arbeitsplatz umsetzen – etwa in die Verwaltung.

Reformen im Arbeitsrecht: AU-Pflicht ab Tag eins

Über den Mutterschutz hinaus stehen Unternehmen vor tiefgreifenden Änderungen. Ein Koalitionsbeschluss vom 2. Juli 2026 sieht eine generelle Nachweispflicht fĂŒr die ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag vor. Die telefonische Krankschreibung soll wegfallen. Bundeskanzler Merz begrĂŒndet das mit dem hohen Krankenstand – zuletzt durchschnittlich 18 Tage pro Jahr.

Die PlĂ€ne stoßen auf heftige Kritik. Der HausĂ€rzteverband warnt vor einer massiven Mehrbelastung: mindestens 30 Millionen zusĂ€tzliche Patientenbesuche pro Jahr. Mediziner betonen, dass kurze Fehlzeiten nur einen geringen Teil des Gesamtkrankenstandes ausmachen. Haupttreiber seien Langzeiterkrankungen – vor allem psychische Leiden und RĂŒckenprobleme. Zudem fĂŒhren Experten den Anstieg auf die vollstĂ€ndige Erfassung durch die elektronische AU-Meldung seit 2022 zurĂŒck.

Internationale Perspektiven: Österreich geht voran

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Jede zweite SelbststĂ€ndige arbeitet bis sieben Tage vor der Geburt und kehrt innerhalb von vier Wochen zurĂŒck. Das muss nicht sein. Erfahren Sie, wie Sie mit der FAIRsorgt-Initiative und privaten Alternativen Ihr Einkommen schĂŒtzen. Mutterschutz-Report jetzt sichern

Auch in NachbarlÀndern wird um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerungen. Die österreichische Familienministerin Claudia Bauer will das Social Egg Freezing gesetzlich verankern. Eine Altersgrenze zwischen 45 und 50 Jahren ist vorgesehen. Ein Gerichtsurteil zwingt zur Umsetzung bis zum 31. MÀrz 2027.

Diskutiert wird zudem ein gestaffelter Mutterschutz nach Fehlgeburten. Je nach Schwangerschaftswoche sollen betroffene Frauen eine mehrwöchige Schutzfrist erhalten. Ein Opt-out-Modell wĂŒrde die RĂŒckkehr auf eigenen Wunsch ermöglichen. Die AnsĂ€tze zeigen: Die rechtliche Absicherung von Arbeitnehmerinnen in verschiedenen Phasen der Familienplanung gewinnt international an Dynamik.

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