ROUNDUP, Iranische

Iranische GenerÀle in Syrien getötet - Wie reagiert Teheran?

02.04.2024 - 06:35:07

Nach dem mutmaßlich israelischen Luftschlag auf ein GebĂ€ude der iranischen Botschaft in Syrien droht eine militĂ€rische Antwort des Irans.

Bei dem Angriff auf die Konsularabteilung in der syrischen Hauptstadt Damaskus wurden am Montag zwei BrigadegenerĂ€le und fĂŒnf Mitglieder der mĂ€chtigen Revolutionsgarden (IRGC) getötet. Israels Regierung Ă€ußerte sich zunĂ€chst nicht. Auch Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei sowie PrĂ€sident Ebrahim Raisi blieben still. Ihre Reaktion auf den Luftangriff wird nun zugleich mit Spannung und Sorge erwartet.

Irans Außenministerium verurteilte die Attacke scharf und machte den Erzfeind Israel fĂŒr den Angriff verantwortlich. "Die Islamische Republik Iran behĂ€lt sich das Recht vor, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, und entscheidet ĂŒber die Art der Reaktion", sagte Außenamtssprecher Nasser Kanaani laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Experten Ă€ußerten bereits die Sorge, dass einige im Iran den Angriff als KriegserklĂ€rung werten könnten. Wie und ob Irans Staatsmacht reagiert, ist jedoch völlig offen.

Die stĂ€ndige Vertretung des Irans bei den Vereinten Nationen sprach nach dem Vorfall von einem "eklatanten Verstoß gegen die UN-Charta, das Völkerrecht und das Grundprinzip der Unverletzlichkeit diplomatischer und konsularischer Einrichtungen." In einer bei X (ehemals Twitter) veröffentlichten Stellungnahme rief die Vertretung den UN-Sicherheitsrat dazu auf, den israelischen "Terroranschlag" aufs SchĂ€rfste zu verurteilen und alle notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um weitere Angriffe zu verhindern. Unter anderem fordere der Iran eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates zu dem Vorfall.

Bereits Ende Dezember wurde bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff der iranische General Sejed-Rasi Mussawi, ein ranghohes IRGC-Mitglied, in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet. Irans RevolutionswĂ€chter reagierten damals Mitte Januar mit massiven Raketenangriffen als Vergeltung auf Ziele in Syrien und im Irak. Die Raketen flogen rund 1200 Kilometern weit. Dies wurde von Beobachtern auch als klares Signal an Israel gedeutet. Es wĂ€re in etwa die gleiche Entfernung, die Raketen vom Westen des Landes aus benötigen, um Tel Aviv oder Jerusalem zu erreichen.

Laut der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana wurde bei dem Angriff am Montag das GebĂ€ude der Konsularabteilung unmittelbar neben dem GebĂ€ude der iranischen Botschaft völlig zerstört. Irans Botschafter Hussein Akbari und seine Familie blieben Berichten zufolge unverletzt. Bei den GenerĂ€len handelte es sich um Mohammed-Resa Sahedi und seinen Stellvertreter Mohammed Hadi Hadschi Rahimi, wie die RevolutionswĂ€chter erklĂ€rten. Sahedi war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim als Kommandeur der IRGC-Auslandseinheit fĂŒr Operationen in Syrien und im Libanon verantwortlich.

Die islamistische Hamas, die sich nach ihrem Terrorangriff vom 7. Oktober in Israel mit dem Staat im Krieg befindet, nannte den mutmaßlich israelischen Luftschlag in Damaskus ihrerseits einen "terroristisch-zionistischen Angriff" und bekundete ihre "uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t mit dem Iran und Syrien angesichts dieser brutalen Nazi-Aggression." Die Hamas fordere den UN-Sicherheitsrat auf, "aktiv gegen die Besatzung und ihre verbrecherischen AnfĂŒhrer vorzugehen, um ihre Aggression gegen den Gazastreifen und die Region zu stoppen, die Öl ins Feuer gießt und die internationale StabilitĂ€t und Sicherheit untergrĂ€bt", hieß es in einer Stellungnahme der Gruppe in der Nacht zum Dienstag.

In der iranischen Hauptstadt Teheran versammelten sich im Stadtzentrum am spĂ€ten Montagabend einige Hunderte RegierungsanhĂ€nger zu spontanen Protesten, wie Augenzeugen berichteten. Die Menschenmenge forderte Rache fĂŒr die Tötung der GenerĂ€le. Sie riefen unter anderem "Tod fĂŒr Israel" und "Tod fĂŒr Amerika".

Israels Luftwaffe bombardiert immer wieder Ziele im benachbarten Syrien und will damit verhindern, dass der Iran und mit ihm verbĂŒndete Milizen wie die libanesische Hisbollah ihren militĂ€rischen Einfluss in dem Land ausweiten. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor knapp sechs Monaten haben die Angriffe zugenommen. Iranische MilitĂ€rangehörige sind offiziell nur beratend in Syrien aktiv. Teheran gilt jedoch neben Russland als wichtigster VerbĂŒndeter der syrischen Regierung. Seit 2011 tobt ein BĂŒrgerkrieg im Land.

Die Revolutionsgarden sind Irans Elitestreitmacht und gelten als deutlich schlagkrĂ€ftiger als die regulĂ€re Armee. GegrĂŒndet nach der Islamischen Revolution 1979 soll die Einheit einen Putsch verhindern und die Staatsideologie schĂŒtzen. Die IRGC sind mit den sogenannten Al-Kuds-Brigaden auch im Ausland tĂ€tig. Israel gilt als Erzfeind der iranischen StaatsfĂŒhrung.

@ dpa.de