Konjunktur, Zusammenfassung

Branche sieht bei Aus fĂŒr E-Auto-PrĂ€mie Vertrauen verspielt

18.12.2023 - 17:03:41

Nach dem plötzlichen Ende der KaufprĂ€mie fĂŒr Elektroautos schauen Kunden nun in die Röhre.

Die Industrie protestiert und beklagt einen Vertrauensverlust in die Politik. Die Branche erwartet nun einen langsameren Anstieg der Verkaufszahlen von E-Autos. Erst am Samstag hatte das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, dass nur noch am folgenden Sonntag AntrĂ€ge fĂŒr den Umweltbonus gestellt werden könnten. Das abrupte Aus wurde in Ministeriumskreisen damit begrĂŒndet, dass das Geld im Haushalt knapp geworden sei.

Den Hintergrund bildet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Schuldenbremse des Bundes. Als Teil ihres Sparprogramms vereinbarten die Koalitionsspitzen von SPD, GrĂŒnen und FDP vor wenigen Tagen, die staatliche Förderung "zeitnah" auslaufen zu lassen. Das Enddatum ließen sie zunĂ€chst offen.

Bevor die Bundesregierung ihre Budgetplanung korrigieren musste, war vorgesehen, noch bis Jahresende eine KaufprĂ€mie fĂŒr Neuwagen von bis zu 4500 Euro zu gewĂ€hren. Hinzu kam eine hĂ€lftige Zulage der Hersteller, also bis zu 2250 Euro. Zum 1. Januar 2024 sollte die staatliche PrĂ€mie auf 3000 Euro gesenkt werden und dann Ende 2024 auslaufen. Nun entfĂ€llt das alles.

Besonders problematisch ist dabei, dass der Bonus nur dann gezahlt wird, wenn das Fahrzeug zugelassen worden ist. Der Abschluss eines Kaufvertrags reicht nicht. HĂ€ufig liegen aber zwischen Bestellung und Auslieferung einige Wochen oder sogar Monate.

Die Regierung habe den Verbrauchern versprochen, sie unter bestimmten Voraussetzungen beim Kauf eines E-Pkw zu unterstĂŒtzen, sagte die PrĂ€sidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard MĂŒller. "Diesen Menschen jetzt den Zuspruch zu verwehren, weil man weiterhin am Zulassungs- statt am Kaufdatum eines E-Autos festhalten will, untergrĂ€bt das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die VerlĂ€sslichkeit der Politik."

Zudem den Stichtag auf Sonntag (17.12.) festzusetzen, sei unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig, kritisierte MĂŒller. "Wir plĂ€dieren mit Nachdruck an die Bundesregierung und den Bundestag, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, die den Kundinnen und Kunden ihren beim Kauf des Autos fest eingeplanten Bonus garantiert."

VerbraucherschĂŒtzer wiesen darauf hin, dass die die Bestellung eines Fahrzeugs grundsĂ€tzlich rechtsverbindlich sei. Im Einzelfall mĂŒsse geschaut werden, ob der Vertrag andere Regelungen enthalte und dem KĂ€ufer die Möglichkeit des RĂŒcktritts ermögliche, hieß es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Dies wĂ€re zum Beispiel dann der Fall, wenn die Übernahme des Bundesanteils der E-Autoförderung schriftlich zugesichert wurde.

Einige Autoproduzenten planen oder erwĂ€gen, fĂŒr eine Übergangszeit die staatliche KaufprĂ€mie zu ĂŒbernehmen. Der Autokonzern Stellantis NL00150001Q9 mit den Marken Peugeot, Opel, Fiat, Jeep und anderen will das tun. Man garantiere bis zum Jahresende die volle PrĂ€mie von bis zu 6750 Euro fĂŒr Elektrofahrzeuge, die nach den bisherigen Richtlinien förderungsfĂ€hig waren, gab das Unternehmen am Montag bekannt.

Zudem will Stellantis fĂŒr bereits bestellte E-Fahrzeuge, die von ihren Besitzern bis zum 29. Februar 2024 zugelassen werden, die ursprĂŒnglich geplante gesenkte PrĂ€mie von bis zu 4500 Euro ĂŒbernehmen. Der koreanische Hersteller Hyundai KR7005380001 garantiert seinen E-Auto-Kunden, die bis 17. Dezember einen Vertrag geschlossen haben, noch die volle UmweltprĂ€mie aus 2023.

Der Autobauer Audi kritisierte, mit dem sofortigen Ende des Umweltbonus habe die Ampel ihr Versprechen an die Kunden gebrochen. Das Vertrauen in die Politik sei "tief enttĂ€uscht" worden. Nun stornierten Kunden bereits bestellte E-Fahrzeuge. "In den anstehenden Haushaltsverhandlungen erwarten wir ein klares Bekenntnis zur Förderung der ElektromobilitĂ€t und ein Entgegenkommen der Politik fĂŒr betroffene Kundinnen und Kunden", teilte Audi mit.

Volkswagen DE0007664039 sprach von einem "tiefen Vertrauensverlust", Ă€ußerte sich aber zunĂ€chst zu möglichen höheren Rabatten oder Kulanzregelungen. BMW DE0005190003 Ă€ußerte "VerstĂ€ndnis fĂŒr die angespannte Haushaltslage und die daraus resultierenden Entscheidungen der Bundesregierung. Langfristig mĂŒssen sich neue Technologien selber am Markt tragen."

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