Nach Trumps Wahlsieg: Bangen um Mehrheiten im US-Kongress
10.11.2024 - 16:33:59FĂŒr Trump ist es entscheidend, dass seine Partei die Kontrolle ĂŒber diese Parlamentskammer behĂ€lt, um Gesetzesvorhaben ohne Blockaden der Demokraten durchsetzen zu können. Die Mehrheit im Senat hatten die Republikaner bereits in der Wahlnacht errungen.
Obwohl Trump die erforderliche Anzahl an Wahlleuten fĂŒr seinen Einzug ins WeiĂe Haus bereits erreicht hat, ist auch die AuszĂ€hlung im PrĂ€sidentschaftswahlkampf noch nicht in allen Bundesstaaten vollstĂ€ndig abgeschlossen. Unterdessen wird deutlicher, wie es mit dem Verfahren gegen Trump im Nachgang des Kapitolsturms am 6. Januar 2021 weitergeht. Und ein mutmaĂliches Mordkomplott gegen den designierten US-PrĂ€sidenten sorgt fĂŒr Schlagzeilen.
US-Kongress: Demokraten hoffen, Republikaner siegessicher
Bei den Kongresswahlen zeigen sich die Republikaner zuversichtlich, ihre Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus verteidigen zu können. Die Demokraten hoffen jedoch weiterhin auf eine Wende: "Die Kontrolle ĂŒber das ReprĂ€sentantenhaus ist noch nicht entschieden", schrieb der demokratische MinderheitsfĂŒhrer Hakeem Jeffries auf X. Jede Stimme mĂŒsse gezĂ€hlt werden.
Der republikanische Sprecher Mike Johnson hatte bereits am Wahlabend erklĂ€rt, seine Partei rechne damit, sich neben dem WeiĂen Haus auch die Kontrolle ĂŒber beide Parlamentskammern zu sichern. An seine Kollegen richtete er laut US-Medien die Botschaft: "Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass wir unsere republikanische Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus halten - und wahrscheinlich ausbauen - werden."
Beide Parteien liefern sich ein enges Rennen um die Kammer. Laut der Nachrichtenagentur AP hatten die Republikaner bis Freitagabend (Ortszeit) 212 Sitze errungen, die Demokraten 200. FĂŒr eine Mehrheit sind 218 Sitze erforderlich. In mehreren hart umkĂ€mpften Wahlkreisen ist die AuszĂ€hlung noch im Gange, was dazu fĂŒhren könnte, dass die endgĂŒltigen Ergebnisse noch Tage auf sich warten lassen. Experten sehen die Chancen der Demokraten zwar tendenziell schwinden, halten einen Sieg aber weiterhin nicht fĂŒr ausgeschlossen.
Prognosen: Trump holt auch "Swing State" Nevada
Wesentlich klarer fiel das Bild bei der PrĂ€sidentenwahl aus. Prognosen der Sender CNN und NBC zufolge konnte sich Trump am Freitag auch den besonders umkĂ€mpften Bundesstaat Nevada mit seinen sechs Wahlleute endgĂŒltig sichern, sodass von den sieben "Swing States" nur noch Arizona offen ist. Die Nachrichtenagentur AP hat bisher noch keinen Gewinner in Nevada bestĂ€tigt. Allerdings gibt es fĂŒr Trumps geschlagene Konkurrentin Kamala Harris ohnehin nur noch symbolische Erfolge zu erzielen.
Justiz will bis 2. Dezember ĂŒber Trump-Verfahren entscheiden
Neben den Entwicklungen im Kongress rĂŒcken nach Trumps Sieg jetzt auch wieder dessen juristische Probleme in den Fokus. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren - doch seine Wahl zum US-PrĂ€sidenten, der weitestgehend ImmunitĂ€t genieĂt und Verfahren auf Bundesebene einstellen lassen kann, hat die Ermittler in eine beispiellose Lage gebracht.
In Washington wurde Trump im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug und dem Sturm auf das US-Kapitol vor knapp vier Jahren angeklagt - es waren die schwerwiegendsten VorwĂŒrfe in einer Reihe von Verfahren gegen ihn. Im Falle einer Verurteilung hĂ€tte Trump eine jahrzehntelange Haftstrafe gedroht, aber dazu dĂŒrfte es nun absehbar nicht mehr kommen.
Sonderermittler Jack Smith plant, bis zum 2. Dezember eine Entscheidung ĂŒber das Verfahren zu treffen. Beim zustĂ€ndigen Gericht in Washington beantragte er die Aufhebung des bisherigen Fahrplans und verwies auf die "beispiellosen UmstĂ€nde". Richterin Tanya Chutkan gab diesem Antrag statt. Das US-Justizministerium ermittelt grundsĂ€tzlich nicht gegen amtierende PrĂ€sidenten.
Im Sommer ĂŒberarbeitete Smith die Anklage, nachdem das Oberste Gericht US-PrĂ€sidenten generell umfassende ImmunitĂ€t fĂŒr Amtshandlungen zuerkannt hatte. Trump sagte im Wahlkampf, er wĂŒrde Sonderermittler Smith im Falle seiner Wahl "binnen zwei Sekunden feuern".
US-Justizministerium wirft Iran Mordkomplott gegen Trump vor
FĂŒr Aufsehen sorgte zum Wochenende auĂerdem eine Anklage des Justizministeriums, das den Iran eines Mordkomplotts gegen Trump beschuldigt. Ein 51-jĂ€hriger Iraner mit afghanischer Staatsangehörigkeit behauptete wĂ€hrend FBI-Ermittlungen, er habe wenige Wochen vor der Wahl den Auftrag aus dem Iran erhalten, Trump zu ermorden. Die Ermittler stuften seine Aussagen als glaubwĂŒrdig ein.
Trumps Wahlkampfteam hatte kĂŒrzlich mitgeteilt, vom US-Geheimdienst ĂŒber "konkrete Bedrohungen" aus dem Iran informiert worden zu sein. Nun erhob die US-Justiz Anklage gegen den 51-JĂ€hrigen sowie zwei weitere MĂ€nner, die auch einen Mordplan gegen einen iranischen Kritiker der iranischen StaatsfĂŒhrung geschmiedet haben sollen. Haftbefehle wurden ausgestellt.
WĂ€hrend seiner ersten Amtszeit war Trump aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen, hatte Sanktionen gegen die Islamische Republik verhĂ€ngt und die iranischen Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, als Terrororganisation eingestuft. 2020 lieĂ er zudem den mĂ€chtigen iranischen General Ghassem Soleimani bei einem Drohnenangriff in Bagdad töten - fĂŒr die FĂŒhrung in Teheran ein Affront sondergleichen.

