ROUDUP 2: Macron in Politikkrise unter Druck - EU blickt nach Paris
05.12.2024 - 21:28:21In einer Ansprache an die Bevölkerung sagte er am Abend: "Das Mandat, das Sie mir demokratisch anvertraut haben, ist ein Mandat auf fĂŒnf Jahre und ich werde es vollstĂ€ndig bis zu seinem Ende ausfĂŒhren."
"Wir können uns weder Spaltungen noch Stillstand leisten", sagte Macron. Einen neuen Premier werde er "in den nÀchsten Tagen" ernennen und damit beauftragen, eine Regierung zu bilden, die alle politischen KrÀfte vertrete, die bereit seien, sich daran zu beteiligen - oder sich zumindest verpflichten, diese nicht mit einem erneuten Misstrauensvotum zu Fall zu bringen.
Neue Kompromisse fĂŒr Frankreich
Die PrioritĂ€t werde der Haushalt fĂŒr das kommende Jahr sein. "Von heute an muss eine neue Zeit beginnen, in der alle fĂŒr Frankreich handeln mĂŒssen und neue Kompromisse aufgebaut werden mĂŒssen", sagte der PrĂ€sident.
Der bisherige Premierminister Michel Barnier hatte nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen seine Mitte-Rechts-Regierung seinen RĂŒcktritt eingereicht. Macron bat Barnier, mit seiner Regierung vorĂŒbergehend geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt zu bleiben.
Die populistischen KrĂ€fte am linken und rechten Rand des Parlaments, die am Mittwochabend Barnier im Streit um einen Sparhaushalt zu Fall brachten, nahmen nun Macron ins Visier und reden von dessen RĂŒcktritt und einer vorgezogenen PrĂ€sidentschaftswahl.
Regierungssturz setzt Macron massiv unter Druck
Nicht nur die Opposition wirft Macron vor, die Politikkrise in Frankreich mit unklaren MehrheitsverhĂ€ltnissen im Parlament mit vorgezogenen Wahlen im zurĂŒckliegenden Sommer ausgelöst, zumindest aber verschlimmert zu haben. Nun steht Macron unter erhöhtem Druck auch aus den eigenen Reihen, möglichst zĂŒgig einen neuen Regierungschef zu ernennen, der die zerstrittenen Lager im Parlament insofern eint, als der lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Haushalt verabschiedet und wichtige Vorhaben auf den Weg gebracht werden können.
Der Rechtsnationale Marine Le Pen und dem Altlinken Jean-Luc Mélenchon wird aus dem Regierungslager wÀhrenddessen vorgeworfen, die politische Krise in Frankreich anzufachen. Ihnen gehe es darum, Macron vorzeitig zu Fall zu bringen, um dann selbst bei einer vorgezogenen PrÀsidentschaftswahl anzutreten. Macron kann nach zwei Amtsperioden nicht erneut kandidieren.
Der Ausweg aus der Krise fĂŒr den PrĂ€sidenten
Die schnelle Ernennung eines neuen Premiers könnte Macron helfen, seine angeschlagene Position zu stĂ€rken, seine verbleibende Amtszeit bis 2027 zu retten und RĂŒcktrittsrufe zu dĂ€mpfen. Je schneller eine neue Regierung die Arbeit aufnimmt, desto schneller könnte sich auch die französische Haushaltskrise konsolidieren und könnte es beruhigende Signale in Richtung Wirtschaft und FinanzmĂ€rkte geben.
Wie es nun weitergeht
Macron fĂŒhrte ab dem Mittag bereits GesprĂ€che, um auszuloten, wer als kĂŒnftiger Premier infrage kommen könnte. Dabei muss nicht nur das Profil des Kandidaten passen.
Angesichts der schwierigen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse im Parlament, in dem weder das LinksbĂŒndnis noch Macrons Lager und auch nicht die Rechtsnationalen eine Mehrheit haben, muss der kĂŒnftige Premier möglichst einen Draht zu allen Blöcken im Parlament haben. Namen kursieren bereits, ohne dass sich zunĂ€chst erkennbar Favoriten abzeichneten.
Das Pariser Haushaltsproblem
Die öffentliche Schuldenlast ist in Frankreich immer mehr aus dem Ruder gelaufen und wegen einer zu hohen Neuverschuldung betreibt die EU-Kommission ein Defizitverfahren gegen Frankreich. Der Sparhaushalt, an dem Barniers Regierung zerbrach, ist bittere Notwendigkeit.
Im laufenden Jahr erwartet Frankreich ein Haushaltsdefizit von 6,1 Prozent, das damit weit entfernt ist vom europÀischen Grenzwert von drei Prozent.
Zwangslage bremst Frankreichs Wirtschaft aus
Angesichts der politischen HÀngepartie in Frankreich ist das Vertrauen in- und auslÀndischer Unternehmen gestört. Mit Investitionen wird gezögert, der Wirtschaftsstandort droht Schaden zu nehmen.
Die Industriestaatenorganisation OECD warnte, dass ohne eine Haushaltseinigung das erwartete Wirtschaftswachstum in Gefahr gerate und sich Steuereinnahmen verringerten. Die politische InstabilitĂ€t werde höhere RisikoaufschlĂ€ge auf staatliche Kredite und zusĂ€tzliche Milliardenlasten fĂŒr das Land bedeuten, hatte Barnier gewarnt.
Auswirkungen auf EU-Politik noch unklar
Wie sich das Chaos in Frankreich auf die EU-Politik auswirken wird, ist noch unklar. Nach EinschĂ€tzung von Diplomaten in BrĂŒssel wird vieles davon abhĂ€ngen, wie es in den nĂ€chsten Wochen und Monaten in Paris weitergeht.
Problematisch könnte es demnach vor allem dann werden, wenn EU-Entscheidungen getroffen werden mĂŒssen, die neue finanzielle Verpflichtungen Frankreichs erfordern - zum Beispiel fĂŒr neue Hilfen fĂŒr die Ukraine. Derzeit ist dies zwar nicht konkret absehbar. Als groĂer Unsicherheitsfaktor gilt allerdings der im Januar anstehende Regierungswechsel in den USA mit der Frage, ob der neue US-PrĂ€sident Donald Trump die EU zu einer Ăbernahme von mehr Verantwortung zwingen wird.

