ROUNDUP, Merz

Merz fordert Verhandlungen - Geteiltes Echo auf US-Angriffe

22.06.2025 - 16:54:52

Nach den nÀchtlichen Angriffen der USA auf iranische Atomanlagen hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Iran dazu aufgefordert, "sofort Verhandlungen mit den USA und Israel aufzunehmen und zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts zu kommen".

Das teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Sonntag mit.

Zuvor hatte am Morgen angesichts der Entwicklung das Sicherheitskabinett der Bundesregierung unter Leitung von Kanzler Merz getagt. Aus Regierungskreisen hieß es, Merz habe sich im Anschluss mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier in einer digitalen Schalte ĂŒber die neue Eskalation im Nahen Osten beraten. Ergebnisse dieser Abstimmungen waren am Nachmittag zunĂ€chst nicht bekannt.

Regierung geht von großen SchĂ€den an Irans Atomprogramm aus

Die Bundesregierung geht laut Kornelius davon aus, dass "große Teile des iranischen Nuklearprogramms durch die LuftschlĂ€ge beeintrĂ€chtigt" worden seien. Eine genaue Schadensanalyse werde aber erst spĂ€ter möglich sein.

Die USA hatten in der Nacht zum Sonntag an der Seite Israels in den Krieg gegen den Iran eingegriffen und drei iranische Atomanlagen attackiert. Darunter war auch die gut befestigte unterirdische Uran-Anreicherungslage Fordo. Wie US-Generalstabschef Dan Caine am Sonntag mitteilte, kamen dabei "14 massive bunkerbrechende Bomben" zum Einsatz.

Kanzleramtschef Frei fordert FriedensgesprÀche

Kanzleramtsminister Thorsten Frei forderte angesichts der Lage direkte FriedensgesprÀche zwischen dem Iran, den USA und Israel. "Wir versuchen, jede Möglichkeit der Diplomatie zu nutzen, um hier zu einer Lösung des Konfliktes zu kommen", sagte der CDU-Politiker dem ARD-Hauptstadtstudio.

Frei betonte, dass es eine direkte GefĂ€hrdung Israels und weit ĂŒber die Region hinaus gegeben habe. Es sei definitiv so, "dass der Iran die GesprĂ€che der vergangenen Jahre genutzt hat, hauptsĂ€chlich um Zeit zu gewinnen". Ziel des Mullah-Regimes sei es gewesen, die Atomwaffe zu bekommen und "Mittelstreckenraketen zu entwickeln, die diese Waffen dann eben auch nicht nur in weite Regionen des Nahen Ostens, sondern eben auch bis nach Europa bringen".

Deutschland wolle einen Beitrag dazu leisten, gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich und an der Seite der USA eine gute Lösung zu finden, die nicht zu einer weiteren Eskalation fĂŒhre. "Aber ob das gelingt, vermag ich im Augenblick nicht zu sagen", sagte Frei.

Mehrere Politiker und Juristen sehen Völkerrechtsbruch

Andere deutsche Politiker reagierten teils sehr kritisch auf die jĂŒngste Eskalation. So betonte etwa der ehemalige SPD-Fraktionschef Rolf MĂŒtzenich im "Tagesspiegel" die Gefahr weiterer Kriege und Destabilisierung in der Region.

Die GrĂŒnen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger forderte die USA auf, die völkerrechtliche Legitimation fĂŒr ihr Vorgehen darzulegen. "MilitĂ€reinsĂ€tze bezogen auf nukleare Anlagen sind besonders gefĂ€hrlich und vom Völkerrecht nicht gedeckt", erklĂ€rte Brugger.

Der Linken-Vorsitzende Jan van Aken kritisierte die US-Angriffe als völkerrechtswidrig. Nur Verhandlungen könnten eine iranische Atombombe verhindern, sagte van Aken. Alle Seiten sollten nun deeskalieren und von weiteren Angriffen absehen. "Wenn der Westen selbst das Völkerrecht verletzt, wird es umso schwerer, globale UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine und den Kampf gegen den Völkerrechtsverletzer Putin zu gewinnen", warnte van Aken. "FĂŒr Putin war das heute daher wieder einmal ein guter Tag."

AuswĂ€rtiges Amt kĂŒndigt bislang keine weiteren SonderflĂŒge an

Das Eingreifen der USA in den Krieg zwischen Israel und Iran könnte die Lage auch fĂŒr Deutsche, die aus beiden LĂ€ndern ausreisen wollen, verschĂ€rfen. Derzeit gibt es weder aus dem AuswĂ€rtigen Amt noch aus dem Bundesverteidigungsministerium konkrete AnkĂŒndigungen neuer SonderflĂŒge fĂŒr deutsche Staatsangehörige, die Israel verlassen wollen. Das Verteidigungsministerium teilte auf dpa-Anfrage mit, dass entsprechende FlĂŒge "aus GrĂŒnden der militĂ€rischen und operationellen Sicherheit" nicht vorab kommuniziert wĂŒrden.

Zuletzt war am Samstagabend ein Charterflug mit 123 Deutschen an Bord aus der jordanischen Hauptstadt Amman in Frankfurt am Main gelandet. Es war bereits der dritte Sonderflug, den das AuswĂ€rtige Amt von Jordanien aus fĂŒr Menschen, die aus Israel ausreisen wollten, organisiert hatte. Daneben hatte die Bundeswehr in der Nacht zu Samstag mit zwei Maschinen erstmals deutsche StaatsbĂŒrger per Sondergenehmigung direkt aus Tel Aviv ausgeflogen. So konnten insgesamt 64 deutsche StaatsbĂŒrger das Kriegsgebiet verlassen.

@ dpa.de

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