Conti, Autozuliefersparte

Conti will in Autozuliefersparte Tausende Jobs kappen

13.11.2023 - 16:53:35

Nach den schwachen GeschÀften will Continental mit einem Sparprogramm wieder rentabel werden. Auf dem Plan steht auch der Abbau von Stellen. Die Arbeitnehmervertretung will nicht klein beigeben.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental will seine krÀnkelnde Autozuliefersparte mit tausenden Stellenstreichungen wieder rentabel machen.

Ab 2025 soll eine jĂ€hrliche Kostenentlastung von 400 Millionen Euro im Verwaltungsbereich greifen, wie das Dax-Unternehmen in Hannover mitteilte. Wie viele ArbeitsplĂ€tze genau betroffen sein werden, steht nach Angaben von Conti noch nicht abschließend fest. Die Zahl dĂŒrfte aber voraussichtlich im mittleren vierstelligen Bereich liegen, hieß es. Am Wochenende hatte das «Manager Magazin» ĂŒber rund 5500 wegfallende Jobs weltweit berichtet. Das wĂ€ren rund fĂŒnf Prozent der Mitarbeitenden in der Sparte.

Die Arbeitnehmervertretung bei Continental fordert den Verzicht auf betriebsbedingte KĂŒndigungen. Der Gesamtbetriebsrat der Sparte Automotive habe die vorgestellten PlĂ€ne zur Kenntnis genommen, hieß es in einem den Nachrichtenagenturen dpa-AFX und dpa vorliegenden internen Schreiben von Sparten-Betriebsratschef Lorenz Pfau. Von Spartenchef Philipp von Hirschheydt eingerĂ€umte Management-Fehler der Vergangenheit dĂŒrften nicht zulasten der BeschĂ€ftigten gehen. «Wir fordern daher das Automotive-Management auf: Schließen Sie betriebsbedingte KĂŒndigungen aus!», hieß es in dem Papier.

Spartenchef von Hirschheydt will die Strukturen in der Verwaltung verschlanken und so auch die Entscheidungsprozesse beschleunigen. Unter anderem werden GeschĂ€ftsfelder stĂ€rker gebĂŒndelt, aus bisher sechs werden fĂŒnf. Ende September hatte das AutozuliefergeschĂ€ft 102 574 Mitarbeitende, im gesamten Konzern waren es 203.593. Continental plane, alle Maßnahmen so sozialvertrĂ€glich wie möglich zu gestalten, hieß es vom Unternehmen. Außerdem kommen die Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf den PrĂŒfstand.

Conti steht seit lÀngerem in der Krise

«Diese Maßnahmen erhöhen Effizienz und EffektivitĂ€t und stĂ€rken unsere WettbewerbsfĂ€higkeit», sagte von Hirschheydt. Conti steckt in der Autozulieferung seit lĂ€ngerem in der Krise und hat MĂŒhe, in dem GeschĂ€ft mit - unter anderem - Bremsen, Innenausstattung, Sensoren und Elektronik operativ schwarze Zahlen zu schreiben.

Zuletzt konnte Conti in der Sparte fĂŒr das dritte Quartal im TagesgeschĂ€ft zwar schwarze Zahlen prĂ€sentieren - also, wenn bestimmte Abschreibungen auf frĂŒhere ZukĂ€ufe und sonstige Sonderfaktoren herausgerechnet werden. Sonderkosten einberechnet setzte es aber erneut ein - wenn auch kleines - Minus vor Zinsen und Steuern. Mit Blick auf das bereinigte operative Ergebnis hatte Conti im GeschĂ€ftsjahr 2019 zum bis dato letzten Mal Geld verdient, auch im ersten Halbjahr dieses Jahres stand ein operativer Verlust.

Dabei muss Conti wie andere Branchenvertreter auch stark in kĂŒnftige Technik investieren, etwa fĂŒr das autonome Fahren und fĂŒr den generellen Ausbau der Softwarekompetenzen. «Unser Ziel ist ein nachhaltig profitabler Unternehmensbereich, der aus eigener Kraft Investitionen in seine Zukunft tĂ€tigen kann», sagte von Hirschheydt.

Bei den Verlusten in den vergangenen Jahren musste oft die Reifensparte das Geld einspielen, um Investitionen in der Autozulieferung stemmen zu können. Seit geraumer Zeit ist die Reifensparte der Gewinnbringer im Konzern mit hohen und weitgehend stabilen Margen, wenn auch das AutozuliefergeschĂ€ft den Großteil des Umsatzes beisteuert.

In Medien kursieren radikale PlÀne

Conti-Vorstandschef Nikolai Setzer, der vor Hirschheydt selbst die GeschĂ€fte in der Autozulieferung fĂŒhrte, gerĂ€t mit den schwachen GeschĂ€ften mehr und mehr in die Defensive. Das letzte große Sparprogramm hatte sein VorgĂ€nger Elmar Degenhart aufgesetzt. Es sollte bis dieses Jahr die jĂ€hrlichen Bruttokosten im Konzern um 850 Millionen Euro senken. In der Autosparte hat es wohl wenig geholfen.

Anfang kommenden Monats (4. Dezember) will der Konzern seinen leidgeplagten Investoren auf einem Kapitalmarkttag die kĂŒnftige strategische Marschroute vorstellen, dann dĂŒrften auch weitere Details zu angestrebten SparbemĂŒhungen auf den Tisch kommen.

In Medien wie dem «Manager Magazin» kursieren radikale PlÀne - Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sehe die Zukunft von Conti vor allem im Reifen- und Kunststofftechnikbereich. Der Konzern selbst will das im Detail nicht kommentieren.

Angesichts der in den vergangenen Jahren vor allem fĂŒr die Zulieferer mauen Autokonjunktur, wegen hoher Kosten und wegen des Umbruchs hin zu Elektromotoren ist die Zuliefererbranche derzeit ohnehin in Bewegung. Der WĂ€lzlager- und Getriebehersteller Schaeffler etwa will den Antriebsspezialisten Vitesco ĂŒbernehmen.

Die Industriellenfamilie Schaeffler bekÀme mit dem Deal Zugriff auf das Know-how der Regensburger im wachsenden Bereich mit Elektroantrieben. Conti ist der ehemalige Mutterkonzern von Vitesco - und auch bei den Hannoveranern haben die Schaefflers mit einem Anteil von 46 Prozent der Aktien ein gewichtiges Wort mitzureden.

@ dpa.de