HINTERGRUND: Wie sich Israel gegen Luftangriffe schĂŒtzen kann
05.08.2024 - 13:23:46Ob sich die Lage in der Region wieder entschĂ€rfen lĂ€sst - wie bei der letzten groĂen Eskalation im April - ist völlig offen. Damals konnten nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs fast alle Angriffe abgewehrt werden. Möglich macht das ein komplexes Luftverteidigungssystem, das mit mehreren Reichweiten arbeitet.
Eine eiserne Kuppel schĂŒtzt das Land Israel in kurzer Entfernung
Der von Israel entwickelte Iron Dome (Eisenkuppel) fungiert in der NĂ€he. Das Abwehrsystem ist darauf spezialisiert, Raketen und Geschosse ĂŒber kurze Distanz abzufangen. Eine Batterie kann ein kreisrundes Gebiet mit einem Radius von etwa sieben Kilometern schĂŒtzen. Die FlĂ€che entspricht etwa einer Stadt wie Freiburg. Bau, Entwicklung und Instandhaltung haben die USA bisher mit mehr als drei Milliarden Dollar unterstĂŒtzt - der Iron Dome gilt daher als Symbol fĂŒr die Rolle der USA als Schutzmacht Israels.
Seit dem Start 2011 kam das System nach Angaben Israels mehrere Tausend Mal zum Einsatz. Es ist mobil und kann binnen weniger Stunden verlegt werden. Ein RadargerĂ€t erfasst bedrohliche Geschosse wie Mörsergranaten und Kurzstreckenraketen. Die Daten gehen an einen Raketenwerfer weiter, der eine Abfangrakete mit bis zu 70 Kilometern Reichweite startet. Dem Jahresbericht "Military Balance 2024" des Internationalen Instituts fĂŒr strategische Studien zufolge hat der Iron Dome dabei eine Erfolgsquote von ĂŒber 90 Prozent.
Die Schleuder Davids zielt auf gröĂere Angreifer
Einen Schritt weiter bei der Abwehr Israels geht die ebenfalls mit den USA entwickelte David's Sling (Schleuder Davids). Seit FrĂŒhjahr 2017 einsatzbereit, dient das auch als Magic Wand (Zauberstab) bekannte System dazu, im Vergleich zum Iron Dome gröĂere ballistische Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern unschĂ€dlich zu machen. Solche Waffen hat nach US-Angaben der Iran, Syrien und die Hisbollah im Libanon.
Die Reichweite der zur Abwehr eingesetzten Stunner-Abfangraketen betrÀgt den Angaben zufolge rund 25 Kilometer. Eine Abschussvorrichtung kann bis zu 16 solcher Raketen aufnehmen. Zwei Batterien reichen demnach, um die FlÀche von Israel abzudecken. Die USA haben nach eigenen Angaben rund 2,4 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung gesteckt.
Die Evolution des Arrow-Systems: Schutz auf hoher Ebene
Um sich gegen Bedrohungen in der Ferne zu schĂŒtzen, konzipierte Israel ab 1986 mit den USA das Abwehrsystem Arrow (Pfeil). Es zielt darauf ab, Mittel- bis Langstreckenraketen abzufangen. Der Fokus liegt auf der Abwehr von auĂerhalb der ErdatmosphĂ€re fliegenden Raketen. Entwickelt wurde das System in Zusammenarbeit mit Boeing und dem israelischen Luft- und Raumfahrtkonzern IAI. Die USA haben Arrow insgesamt mit mehr als 4,5 Milliarden Dollar unterstĂŒtzt.
Mittlerweile greift Israel auf Raketen des Typs "Arrow 2" und "Arrow 3" zurĂŒck. Laut Hersteller kann "Arrow 3" Abfangraketen in groĂe Höhen von bis zu 100 Kilometern schieĂen und hat eine Reichweite von bis zu 2400 Kilometern. Dabei werden keine explodierenden Stoffe eingesetzt, sondern Ziele durch einen direkten Aufprall - ein sogenannter Hit-to-Kill - zerstört, was die Risiken von TrĂŒmmerschĂ€den minimieren soll.
Vom Flugabwehr-Anfang bis zum Hochenergielaser
Israel hat ab den 1960er-Jahren seine Luftabwehr aufgebaut und kontinuierlich entwickelt - beginnend mit dem Hawk- und gefolgt vom Patriot-System, das seit 1991 zum Einsatz kommt. Neuerungen wie der 2021 verbesserte Iron Dome und die Entwicklung des fortschrittlicheren "Arrow 4" zeigen Israels Bestreben, seine Abwehr stÀndig zu aktualisieren.
Vor etwa zwei Jahren hat Israel den Iron Beam (Eiserner Strahl) vorgestellt. Das kosteneffektive Lasersystem kann nach US-Angaben Ziele wie Drohnen fĂŒr etwa vier Dollar pro Einsatz neutralisieren. Laut Hersteller soll die Laser-Abwehrwaffe, die noch vom MilitĂ€r erprobt wird, ab 2025 einsatzbereit sein./skc/DP/ngu
--- Von Marc Fleischmann und Serhat Koçak, dpa ---

