GESAMT-ROUNDUP: VerstÀrkte Grenzkontrollen laufen an - Kritik von Nachbarn
08.05.2025 - 11:58:50In Bayern etwa kontrolliert die Bundespolizei ab sofort die Grenzen zu Ăsterreich und Tschechien stĂ€rker. Das wird nach Angaben eines Sprechers fĂŒr Reisende wahrnehmbar sein. Auch an den sĂ€chsischen, niedersĂ€chsischen und nordrhein-westfĂ€lischen AuĂengrenzen sind laut Bundespolizei zusĂ€tzliche Beamte im Einsatz. In Rheinland-Pfalz und im Saarland sollen die Kontrollen in KĂŒrze anlaufen. Aus der Opposition und dem Ausland kam Kritik an den strengeren Regeln.
Das PrĂ€sidium der Bundespolizei erklĂ€rte, "MaĂnahmen zur temporĂ€ren KrĂ€fteintensivierung" wĂŒrden stetig geprĂŒft und umgesetzt. Zu konkreten EinsatzstĂ€rken werde man sich nicht Ă€uĂern.
Dobrindt hatte angekĂŒndigt, schĂ€rfer kontrollieren zu lassen. Wenige Stunden nach seinem Amtsantritt kĂŒndigte er an, kĂŒnftig sollten auch Asylsuchende an der Grenze zurĂŒckgewiesen werden können. Dies soll allerdings nicht fĂŒr Schwangere, Kinder und andere Angehörige vulnerabler Gruppen gelten.
GrĂŒnen-Chefin: Beamte fehlen dann an KriminalitĂ€tsschwerpunkten
GrĂŒnen-Chefin Franziska Brantner kritisierte eine fehlende Zusammenarbeit mit den NachbarlĂ€ndern. "In Zeiten, in denen wir mehr Europa brauchen, wir erinnern gerade diese Woche daran, aus welchen kriegerischen ZustĂ€nden wir in Europa kommen und wir zum GlĂŒck Frieden haben, ist es nicht akzeptabel, nicht besonders gut, wenn man nicht mit den Partnern gemeinsam handelt", sagte sie im RTL/ntv-"FrĂŒhstart". Sie bemĂ€ngelte zudem, dass die Beamten anderswo abgezogen wĂŒrden. "Das sind die Hauptbahnhöfe, das ist der Flughafen, das sind KriminalitĂ€tsschwerpunkte in diesem Land. Dort werden die fehlen. Also ein Weniger an Sicherheit an anderen Orten fĂŒr ein Signal an der Grenze."
Die GrĂŒnen-Politikerin Irene Mihalic hĂ€lt die MaĂnahmen nicht fĂŒr rechtskonform. "Pauschale ZurĂŒckweisungen von Asylgesuchen an den Grenzen sind schlicht europarechtswidrig und stellen die Zusammenarbeit mit unseren NachbarlĂ€ndern grundsĂ€tzlich in Frage", sagte die Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der GrĂŒnen-Fraktion im Bundestag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Schweiz: Systematische ZurĂŒckweisungen verstoĂen gegen Recht
Auch aus Polen und der Schweiz kam Kritik. "Systematische ZurĂŒckweisungen an der Grenze verstoĂen aus Sicht der Schweiz gegen geltendes Recht", schrieb das Schweizer Justizministerium anschlieĂend auf der Plattform X. Die Schweizer Behörden "prĂŒfen gegebenenfalls MaĂnahmen". Auch das Innenministerium in Wien pochte auf die Einhaltung des geltenden EU-Rechts. Generell begrĂŒĂe Ăsterreich aber die Bestrebungen Deutschlands im Kampf gegen die Schleppermafia und illegale Migration, hieĂ es.
Polens Regierungschef Donald Tusk hatte die Migrationspolitik der neuen Bundesregierung beim Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert. "Deutschland wird in sein Gebiet lassen, wen es will. Polen wird nur in sein Gebiet lassen, wen es akzeptiert", sagte Tusk am Mittwoch in Warschau. Es solle weder der Eindruck entstehen noch die Fakten geschaffen werden, dass irgendwer einschlieĂlich Deutschlands bestimmte Gruppen von Migranten nach Polen schicke.
Die rechtliche Lage bei ZurĂŒckweisungen an der Grenze ist derzeit nicht eindeutig. Einige Experten lesen geltendes EU-Recht so, dass ZurĂŒckweisungen grundsĂ€tzlich nicht erlaubt sind. Dies hĂ€ngt auch damit zusammen, dass Grenzkontrollen praktisch nicht exakt auf der Grenzlinie erfolgen, sondern oft etwas dahinter.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht hier indes Klarheit. Deutschland habe mit sĂ€mtlichen Anrainerstaaten sogenannte RĂŒckĂŒbernahme-Vereinbarungen vertraglich geregelt, sagte der stellvertretende Vorsitzende Heiko Teggatz der "Welt". Inhalt dieser VertrĂ€ge sei auch, ab welchem Zeitpunkt eine Person als eingereist gilt. "Dieses ist erst dann der Fall, wenn die Einreisekontrolle abgeschlossen ist. Auf welchem Hoheitsgebiet die Kontrollstelle liegt, spielt dabei keine Rolle."
CDU-Politiker Throm verteidigt neue Migrationspolitik
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, verteidigte die MaĂnahmen hingegen. Die Kontrollen wĂŒrden schrittweise hochgefahren, es werde kein Nachbarstaat ĂŒberfordert, sagte er im ARD-"Morgenmagazin". Die AbstimmungsgesprĂ€che mit den NachbarlĂ€ndern seien "am Laufen", sagte Throm. "Es ist ein erster Schritt in der Migrationswende, ein wichtiger Schritt, aber mit Sicherheit nicht der alleinige, den wir jetzt angehen werden."
CSU-Chef Markus Söder bezeichnete die neuen Regeln als Beginn einer "Asylwende". "Seit gestern ist die Asylwende in Deutschland eingeleitet worden. Jetzt gilt wieder der alte Zustand, wie vor 2015", sagte Bayerns MinisterprÀsident in einem auf X geteilten Video.

