ROUNDUP, Sabotage-Ermittlungen

Sabotage-Ermittlungen zu KabelschÀden in der Ostsee

19.11.2024 - 16:35:20

Nach der BeschÀdigung von zwei Kommunikationskabeln in der Ostsee ermitteln die schwedischen Behörden wegen möglicher Sabotage.

Derzeit werde der Tatbestand als Sabotage eingestuft, teilten die Polizei des skandinavischen Nato-Landes sowie der zustĂ€ndige Staatsanwalt Henrik Söderman mit. An dieser Einstufung könne sich jedoch noch etwas Ă€ndern. Söderman verwies zudem darauf, dass sich die Ermittlungen in einem frĂŒhen Stadium befĂ€nden. Weitere Informationen könne man derzeit nicht herausgeben.

Damit bestĂ€tigten die Schweden eine Vermutung, die Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bereits am Morgen geĂ€ußert hatte. Er ging davon aus, dass die SchĂ€den an den Unterseekabeln zwischen Finnland und Deutschland sowie zwischen Schweden und Litauen absichtlich herbeigefĂŒhrt worden sind. "Niemand glaubt, dass diese Kabel aus Versehen durchtrennt worden sind", sagte der SPD-Politiker in BrĂŒssel. Man mĂŒsse von Sabotage ausgehen. Beweise dafĂŒr gebe es bislang aber nicht.

Datenautobahn zwischen Helsinki und Rostock

Eines der betroffenen Kabel namens C-Lion1 verlĂ€uft auf einer LĂ€nge von 1.173 Kilometern zwischen Helsinki und Rostock. Das staatliche finnische Unternehmen Cinia hatte am Montag einen Defekt an der 2016 in Betrieb genommenen Untersee-Leitung festgestellt, die als Art Datenautobahn am Meeresgrund Mitteleuropa und Rechenzentren in Nordeuropa verbindet. Zum Teil fĂŒhrt die Verbindung ĂŒber dieselbe Route wie die vor zwei Jahren zerstörten Nord-Stream-Pipelines.

Cinia geht davon aus, dass das Kabel am Grund der Ostsee gebrochen ist und durch Ă€ußere Einwirkung durchtrennt wurde, etwa durch einen Anker oder ein Grundschleppnetz. Ob vorsĂ€tzlich oder nicht - dazu ist wie vieles in dem Fall bislang noch unklar. GrĂ¶ĂŸere BeeintrĂ€chtigungen sollen finnische Internet-Nutzer bislang nicht gespĂŒrt haben. Nach Angaben der finnischen Verkehrs- und Kommunikationsbehörde soll auch der Datenverkehr nicht dauerhaft gestört gewesen sein. Die Reparatur des Kabels soll nach Cinia-Angaben etwa 5 bis 15 Tage dauern.

Ebenfalls am Montag war bekannt geworden, dass mit dem Arelion-Kommunikationskabel zwischen der schwedischen Insel Gotland und Litauen noch ein weiteres Datenkabel in den Tiefen der Ostsee beschĂ€digt wurde. Die Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius untersucht die UmstĂ€nde und sammelt Informationen ĂŒber die bereits am Sonntag aufgetretene BeschĂ€digung des Kabels.

Dieses Kabel soll bereits recht alt sein und in der Vergangenheit AusfÀlle erlebt haben, die normalerweise mit Fehlern bei der Schifffahrt zusammenhingen. VerdÀchtig ist diesmal jedoch unter anderem, dass sich dieses Kabel und C-Lion1 östlich von Gotland an einem Punkt kreuzen.

"Wir können Sabotage sicherlich nicht ausschließen, da es bereits zuvor Warnsignale gab. Das wĂ€re nicht das erste Mal und es wĂ€re nichts Neues", sagte der designierte litauische Regierungschef Gintautas Paluckas.

Kritische Infrastruktur in der Ostsee im Fokus der Nato

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 und den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines gut sieben Monate spĂ€ter steht die kritische Infrastruktur in der Ostsee stĂ€rker im Fokus der Öffentlichkeit und insbesondere der Nato. Im Herbst 2023 wurde mit der Ostsee-Pipeline Balticconnector eine wichtige Energieleitung zwischen Finnland und Estland gekappt und dabei auch ein Datenkabel zwischen den beiden EU-Staaten beschĂ€digt.

Nach Angaben der finnischen Ermittler wurde die Pipeline höchstwahrscheinlich vom Anker eines chinesischen Containerschiffs namens "Newnew Polar Bear" zerstört. Ob es sich bei dem Vorfall um einen Unfall oder um bewusste Sabotage handelte, ist bis heute unklar.

@ dpa.de