Freude ĂŒber Freilassung weiterer Geiseln
26.11.2023 - 13:55:27Erst ein diplomatisches Tauziehen nach einer plötzlichen Verzögerung durch die Terrororganisation hatte am Samstagabend die Freilassung einer zweiten Gruppe ermöglicht. Im Gegenzug entlieĂ Israel weitere 39 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus dem GefĂ€ngnis. Ăhnlich sollte im Zuge der bis DienstagfrĂŒh anhaltenden Feuerpause am Sonntag eine dritte Gruppe von Geiseln freikommen.
Nach Informationen der Nachrichtenseite "Ynet" sollen wieder 13 israelische Geiseln freigelassen werden. Es wird demnach erwartet, dass sich diesmal auch US-StaatsbĂŒrger darunter befinden. Auch sollten Familienmitglieder diesmal nicht getrennt werden, wie es bei der zweiten Gruppe am Vortag der Fall gewesen sei, berichtete "Ynet" unter Berufung auf israelische Beamte. Unter den am Samstag freigelassenen Geiseln war auch ein zunĂ€chst fĂŒr tot gehaltenes, neunjĂ€hriges israelisch-irisches MĂ€dchen.
Auf den StraĂen im israelisch besetzten Westjordanland und in Ost-Jerusalem wurden die 39 am Samstag entlassenen palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge von einer Menschenmenge mit Jubel begrĂŒĂt. Dabei wurden Hamas-Fahnen geschwenkt, wie die "The Times of Israel" berichtete.
Weitere deutsche Doppelstaatler frei
Bei den vier am Samstag freigekommenen Deutschen handelt es sich nach Angaben ihrer Familien um eine 67-jĂ€hrige Frau sowie ihre 38-jĂ€hrige Tochter und deren Kinder im Alter von 3 und 8 Jahren. "Ich denke an sie und an die, die noch in den HĂ€nden der Hamas sind. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, dass auch sie bald in Freiheit sind", schrieb AuĂenministerin Annalena Baerbock in der Nacht zum Sonntag auf der Plattform X, ehemals Twitter. Schon am Freitag waren vier Deutsch-Israelis als Teil einer Gruppe von 24 Geiseln freigekommen.
Die Freude ĂŒber die Freilassung wurde allerdings getrĂŒbt durch die Sorge um die weiter in Gefangenschaft verbleibenden rund 200 Verschleppten. Die zur Zeit andauernde Feuerpause soll mindestens vier Tage bis DienstagfrĂŒh dauern. GemÀà der Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas sollen in dieser Zeit zunĂ€chst insgesamt 50 israelische Geiseln freigelassen werden. ZusĂ€tzlich kamen unter anderem bereits auch 14 ThailĂ€nder und ein philippinischer StaatsbĂŒrger frei. Eine VerlĂ€ngerung der Feuerpause auf bis zu zehn Tage und weitere Freilassungen sollen möglich sein, wie das im Konflikt vermittelnde Golfemirat Katar mitteilte.
Auslöser des jĂŒngsten Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen hatten. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche.
Israel reagierte mit massiven Luftangriffen, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der islamistischen Hamas fast 15 000 Menschen getötet. Mehr als 36 000 wurden demnach verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Steinmeier in Israel erwartet
Zu einem SolidaritĂ€tsbesuch wurden am Sonntag die beiden höchsten ReprĂ€sentanten des deutschen Staates - BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) - in Israel erwartet. In einer Videobotschaft begrĂŒĂte Steinmeier die Freilassungen und betonte: "Der Weg zur Beendigung des Kampfes wird und kann nur ĂŒber die Freilassung der Geiseln fĂŒhren. Aller Geiseln!"
US-PrÀsident vermittelt im Ringen um Geiseln
Bei der Freilassung der zweiten Gruppe von Geiseln hatte die Hamas die Ăbergabe am Samstag in letzter Minute zunĂ€chst gestoppt. Als Grund nannte die Terrororganisation, dass Israel aus ihrer Sicht gegen einen Teil des Geisel-Deals verstoĂen habe. Sie warf Israel unter anderem vor, nicht ausreichend Hilfslieferungen in den nördlichen Teil des Gazastreifens ermöglicht zu haben. Israel wies das zurĂŒck und drohte mit einer AufkĂŒndigung des Abkommens.
US-PrĂ€sident Joe Biden schaltete sich daraufhin am Samstag persönlich ein, wie eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der US-Regierung mitteilte. Der 81-JĂ€hrige habe mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, und dem katarischen Premier- und AuĂenminister, Mohammed bin Abdulrahman Al Thani telefoniert. Am Ende lenkte die Hamas nach Einschreiten Katars am spĂ€ten Samstagabend ein.
Tot geglaubtes MĂ€dchen kommt frei
Daraufhin kam nach 50 Tagen Gefangenschaft auch ein ursprĂŒnglich einmal fĂŒr tot gehaltenes, neunjĂ€hriges israelisch-irisches MĂ€dchen frei. "Wir finden keine Worte, um unsere GefĂŒhle nach 50 schwierigen und komplizierten Tagen zu beschreiben. Wir sind ĂŒberglĂŒcklich, Emily wieder in die Arme schlieĂen zu können", erklĂ€rte die Familie. Emily Hand war wĂ€hrend ihrer Geiselhaft neun Jahre alt geworden, was in Dublin vor anderthalb Wochen mit einer Party gefeiert worden war.
Ihr Vater hatte in einem emotionalen TV-Interview unter TrĂ€nen seine Erleichterung darĂŒber geĂ€uĂert, dass sie nicht in die HĂ€nde der Hamas gefallen sei, weil das noch "schlimmer als der Tod" gewesen wĂ€re. SpĂ€ter hieĂ es, seine Tochter sei womöglich doch als Geisel in den Gazastreifen verschleppt worden. Am Samstagabend war sie in Freiheit.
PalÀstinensische HÀftlinge gefeiert
Die im Gegenzug freigelassenen palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen seien wegen terroristischer Straftaten verurteilt oder angeklagt worden, erklĂ€rte der israelische Armeesprecher Doron Spielman. Dass sich die Freigelassenen unter den Fahnen der Hamas feiern lieĂen, zeige, um was fĂŒr Menschen es sich handele. "Es ist eine Schande, dass wir sie freilassen." PalĂ€stinensischen Medien zufolge handelt es sich um sechs Frauen sowie 33 mĂ€nnliche Jugendliche unter 19 Jahren.
Am Samstagabend hatten Dutzende vor einem GefÀngnis nördlich von Jerusalem auf die Freilassung gewartet. PalÀstinensischen Angaben zufolge gingen israelische Soldaten gegen die Wartenden mit TrÀnengas und Gummigeschossen vor. Laut SanitÀtern wurden vier Menschen verletzt. Nach Angaben der "Times of Israel" ist unter den Freigelassenen eine 38-JÀhrige, die 2015 an einem Kontrollpunkt im Westjordanland eine Gasflasche in ihrem Auto zur Explosion gebracht und dabei einen Polizeibeamten verletzt habe.
Katar hofft auf VerlÀngerung der Feuerpause
Katar hoffe, dass der Schwung, der durch die Freilassungen und die Feuerpause entstanden sei, es ermögliche, "die Feuerpause ĂŒber diese vier Tage hinaus zu verlĂ€ngern und somit ernsthaftere GesprĂ€che ĂŒber die restlichen Geiseln zu fĂŒhren", sagte der Sprecher des katarischen AuĂenministeriums, Majed Al-Ansari, dem US-Fernsehsender CNN.

