Onlinehandel kann sich nach Absturz wieder fangen
23.01.2025 - 10:01:36Trotz sparsamer Kunden und Wirtschaftskrise hat sich der Onlinehandel in Deutschland nach zwei Jahren mit groĂen UmsatzrĂŒckgĂ€ngen wieder stabilisiert und blickt zuversichtlicher nach vorn. Der Bruttoumsatz mit Waren im E-Commerce stieg 2024 nominal - also nicht inflationsbereinigt - um 1,1 Prozent auf 80,6 Milliarden Euro, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) mitteilte.Â
«Der E-Commerce ist wieder im Plus, obwohl die schlechte Konsumstimmung in Deutschland anhĂ€lt», sagte bevh-PrĂ€sident Gero Furchheim. In diesem Jahr erwartet der Verband, dass die UmsĂ€tze nominal um 2,5 Prozent steigen. Bei gutem Verlauf sei auch mehr möglich, weil die Konsumenten viel gespart und damit RĂŒcklagen gebildet hĂ€tten. Die Corona-Pandemie hatte dem Onlinehandel groĂe ZuwĂ€chse beschert. Die Erlöse stiegen auf knapp 100 Milliarden Euro im Jahr, brachen 2022 und 2023 aber stark ein.Â
Inzwischen schauen die HĂ€ndler optimistischer in die Zukunft. DafĂŒr gibt es laut Furchheim mehrere GrĂŒnde. Nicht nur sei zuletzt die Zahl derjenigen gestiegen, die kĂŒnftig mehr Geld fĂŒr Online-KĂ€ufe ausgeben wollen. Kunden kauften derzeit zudem besonders hĂ€ufig nach einem Impuls auf Social-Media-Plattformen. GroĂer Nachfrage erfreue sich auĂerdem der Handel mit gebrauchten und wiederaufbereiteten Artikeln.Â
Die Zahlen des Branchenverbands stĂŒtzen sich auf reprĂ€sentative Verbraucherbefragungen. Mehr als 700 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren werden jede Woche befragt, was sie online gekauft und wie viel Geld sie ausgegeben haben.Â
Kunden geben mehr fĂŒr Event-Tickets und Medikamente aus
Die gröĂten UmsatzzuwĂ€chse im Onlinehandel verzeichneten 2024 laut Verband die Kategorien Medikamente (+6,3 Prozent), Lebensmittel (+5,5) und Tierbedarf (+5,4). Gesteigert wurden auch die Erlöse mit digitalen Dienstleistungen wie Reisebuchungen (+7,1) oder dem Verkauf von Event-Tickets (+14,5). Dies seien Nachholeffekte nach der Pandemie, wie es heiĂt. Ein Minus hinnehmen mussten OnlinehĂ€ndler bei Elektroartikeln und Telekommunikation (-2,4). Kaum Bewegung gab es fĂŒr den Modehandel.Â
Die Online-MarktplĂ€tze konnten ihren Marktanteil den Angaben zufolge zuletzt von 53 auf 55 Prozent ausbauen. Davon profitierten auch Plattformen chinesischer Herkunft wie Temu, wie Furchheim sagt. «In 2024 machten diese Anbieter bereits 6 Prozent aller Bestellungen aus.» Der Verband fordert: Die EU mĂŒsse endlich durchsetzen, dass keine unsicheren Produkte in den Markt drĂ€ngten oder unfaire Wettbewerbsvorteile durch nicht gezahlte Steuern oder Zölle entstĂŒnden.


