ROUNDUPKrieg, Ukraine

Opfer auf beiden Seiten - Die Nacht im Überblick

22.01.2024 - 06:00:03

Nach einer neuen Serie massiver russischer Attacken auf ukrainische StĂ€dte und Dörfer hat PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj Konsequenzen fĂŒr die Angreifer versprochen.

"Russland wird fĂŒr all diesen Terror zur Rechenschaft gezogen werden", sagte der ukrainische Staatschef am Sonntag in seiner allabendlichen Videoansprache. "Ohne die Entscheidungen Moskaus, diese Aggression und diesen Terror auszulösen, wĂ€ren Abertausende von Menschen heute noch am Leben." Daher mĂŒssten sowohl die individuellen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden als auch der gesamte russische Staat. "Russland muss lernen und sich immer daran erinnern, dass der Aggressor am meisten durch Aggression verliert."

Vor Selenskyj hatte bereits der Generalstab in Kiew von der neuen Serie russischer Angriffe am Sonntag berichtet. "Die heftigsten KĂ€mpfe gab es im Sektor Awdijiwka sowie in Bachmut, Marjinka, Kupjansk und im SĂŒden der Ukraine", sagte Selenskyj. "Allein an diesem Tag beschossen russische Unmenschen mehr als hundert StĂ€dte, Ortschaften und ukrainische Dörfer in neun Regionen: von Tschernihiw und Sumy bis Mykolajiw und Kirowohrad." Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich meist kaum unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Selenskyj sieht vorerst keinen Bedarf fĂŒr neue Mobilmachung

Selenskyj hĂ€lt nach eigenen Worten trotz der festgefahrenen Fronten die Mobilisierung von weiteren 500 000 Soldaten nicht fĂŒr nötig. "Ich persönlich sehe heute keinen Bedarf, noch eine halbe Million Menschen zu mobilisieren", sagte er am Sonntag in einem Interview des britischen Senders Channel 4. Er kenne bisher noch nicht genĂŒgend gute GrĂŒnde, um so viele Menschen zu den Waffen zu rufen. Dabei gehe es neben dem Leben der Soldaten auch um die Finanzierung einer solchen Mobilisierung, die das MilitĂ€r bereits vorgeschlagen habe.

Donezk unter ukrainischem Beschuss

In der von russischen MilitĂ€rs kontrollierten Stadt Donezk wurde am Sonntag nach Angaben der Besatzer ein Marktplatz von ukrainischer Artillerie getroffen. Dabei seien mindestens 28 Menschen getötet worden. Auch in anderen Teilen der Region Donezk habe es weitere Opfer ukrainischer Angriffe gegeben, die Gesamtzahl der Toten liege bei 28, außerdem gebe es 30 Verletzte.

Berichte ĂŒber russische und ukrainische Luftangriffe

Die Fronten im Osten und SĂŒden der Ukraine wurden am Sonntag von einer Reihe von Angriffen der ukrainischen und der russischen Luftwaffe erschĂŒttert. Der ukrainische Generalstab berichtete am Abend, es seien neun russische MilitĂ€rziele attackiert worden. Zugleich nannte der Generalstab ohne Ortsangaben auch eine Serie russischer Attacken am Sonntag. Bei den 69 Luftangriffen und durch Beschuss mit Raketen und Mehrfachraketenwerfern habe es erneut Opfer gegeben.

Russisches Gasterminal in Brand

Bei einem möglicherweise von der Ukraine initiierten Angriff auf das GelĂ€nde des russischen Erdgasproduzenten Novatek im Gebiet Leningrad ist am Sonntag ein großflĂ€chiger Brand ausgebrochen. Verletzte habe es durch das Feuer im Ostseehafen Ust-Luga nicht gegeben, das Personal sei evakuiert worden, sagte der Gouverneur der Region laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass am Sonntag. Ust-Luga liegt nahe der Grenze zum Nato-Mitgliedstaat Estland.

Das ukrainische Online-Medium "Ukrajinska Prawda" sprach spĂ€ter unter Berufung auf Quellen in der FĂŒhrung in Kiew vom Ergebnis einer "Spezialoperation" des ukrainischen Geheimdienstes. Das Terminal sei mit Drohnen angegriffen und in Brand gesetzt worden.

Eine BestĂ€tigung oder ErklĂ€rung von russischer Seite dazu gab es zunĂ€chst nicht. Allerdings riefen die Behörden des Gebiets Leningrad am Sonntagabend zu erhöhter Wachsamkeit rund um Objekte der kritischen Infrastruktur auf, wie die Staatsagentur Tass berichtete. Die Wachmannschaften und Sicherheitsbehörden seien angewiesen worden, "unbemannte Flugobjekte bei AnnĂ€herung zu zerstören". Nach ukrainischer Lesart mĂŒsste Russland dafĂŒr Flugabwehrsysteme von der Front abziehen.

Russland berichtet von Raketenangriffen auf die Krim

Das ukrainische MilitĂ€r griff derweil nach russischen Angaben Ziele auf der von Moskau besetzten Halbinsel Krim mit Raketen an. Eine der Raketen sei ĂŒber dem Schwarzen Meer abgeschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau an Sonntag mit. Eine weitere sei ĂŒber dem Hafengebiet von Sewastopol zerstört worden, berichtete der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew. Anschließend sei der Luftalarm ĂŒber der Krim aufgehoben worden.

Was am Montag wichtig wird

Die Außenminister der EU-Staaten wollen am Montag mit dem GeneralsekretĂ€r der Arabischen Liga sowie ihren Kollegen aus Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und aus Kiew ĂŒber den Nahost-Konflikt und den russischen Angriffskrieg in der Ukraine beraten. Zudem soll ĂŒber mögliche langfristige Sicherheitszusagen der EU und weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew gesprochen werden.

@ dpa.de