Beratergremium: Deutsches CO2-Budget de facto aufgebraucht
25.03.2024 - 15:21:43Zu diesem Ergebnis kommt der SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr Umweltfragen (SRU) in einer am Montag in Berlin veröffentlichten aktualisierten Stellungnahme.
Bei der Klimakonferenz in Paris 2015 hatte sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, die ErderwĂ€rmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Leitfrage fĂŒr die SRU-Stellungnahme war, wie viel CO2 Deutschland noch ausstoĂen dĂŒrfte, wenn die Menge international gerecht verteilt wĂŒrde. Dabei bezieht sich der SRU auf die BevölkerungsgröĂe des Jahres 2016, in dem das Pariser Klimaabkommen formal in Kraft trat.
"Inzwischen ist unausweichlich, dass wir mehr CO2 ausstoĂen als uns zusteht, wenn wir unseren Anteil an der Weltbevölkerung zugrunde legen", erklĂ€rte Ratsmitglied Wolfgang Lucht. Ob das deutsche CO2-Budget beinahe oder sogar bereits vollstĂ€ndig aufgebraucht ist, hĂ€ngt davon ab, mit welcher Wahrscheinlichkeit die 1,5-Grad-Grenze eingehalten werden soll. Die Klimawissenschaft geht davon aus, dass bei einer Erhitzung von durchschnittlich mehr als 1,5 Grad die Folgen des Klimawandels deutlich stĂ€rker anwachsen.
Vor kurzem hatte Klimaschutzminister Robert Habeck (GrĂŒne) erklĂ€rt, das deutsche Klimaziel fĂŒr das Jahr 2030, wonach die Emissionen um 65 Prozent gegenĂŒber 1990 sinken sollen, sei erreichbar. Damit wĂŒrde Deutschland nach SRU-Berechnungen aber immer noch mehr verbrauchen, als mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar wĂ€re. "Das zufriedene Klopfen auf die eigenen Schultern bei den jĂŒngst vorgestellten CO2-Projektionen war vollkommen unangebracht", sagte Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan. "Angesichts der schockierenden SRU-Zahlen ist es unverantwortlich, dass die Bundesregierung nicht jede schnell umsetzbare MaĂnahme ergreift, um den CO2-AusstoĂ zu senken."
Der SachverstĂ€ndigenrat mahnte, die Anstrengungen fĂŒr den Klimaschutz trotz Krisen, Kriegen und Populismus zu verstĂ€rken. Heutige Generationen entschieden ĂŒber die Entwicklung der nĂ€chsten Jahrzehnte und Jahrhunderte. "Auswirkungen wie Ăberschwemmungen, BrĂ€nde oder DĂŒrren, insbesondere aber die klimabedingten VerĂ€nderungen der Ăkosysteme der Erde, werden das Leben aller Menschen (sowie aller anderen Lebewesen) erheblich prĂ€gen und verĂ€ndern - und auf vielfĂ€ltige Weise auch gefĂ€hrden."
Der SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr Umweltfragen ist ein Wissenschaftler-Gremium, das die Bundesregierung in Umweltfragen berĂ€t. Die sieben Mitglieder werden von der Bundesregierung fĂŒr vier Jahre ernannt und arbeiten unabhĂ€ngig.

