BND-Chef Kahl: Russland will Westen auf die Probe stellen
08.03.2025 - 10:30:45In Russland gebe es Ăberlegungen, den Artikel 5 zu testen in seiner ZuverlĂ€ssigkeit, sagte der PrĂ€sident des Bundesnachrichtendienstes (BND) der Deutschen Welle. "Wir hoffen sehr, dass das nicht stimmt und dass wir nicht in die Verlegenheit kommen, dass es getestet wird, aber dass es Russland will, uns testen, die Einheit des Westens auf die Probe zu stellen, davon mĂŒssen wir ausgehen", sagte er.
Die Nato setzt als VerteidigungsbĂŒndnis auf das Prinzip Abschreckung, und dafĂŒr ist vor allem Artikel 5 des Nordatlantikvertrags relevant. Er regelt die Beistandsverpflichtung in der Allianz und besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere Alliierte als ein Angriff gegen alle angesehen wird.
Verlauf des Ukraine-Krieges spielt eine Rolle
Wann Russland den Beistandsartikel austesten könnte, hĂ€ngt nach Kahls Worten auch vom Verlauf des Ukraine-Krieges ab. Wenn dieser frĂŒher zum Stillstand komme als 2029 oder 2030, sei Russland auch frĂŒher in der Lage, mit seinen technischen, materiellen und personellen Mitteln eine Drohkulisse gegen Europa aufzubauen.
"Und da kann es auch sein, dass eine konkrete GefĂ€hrdung, eine Erpressung vielleicht von russischer Seite aus gegenĂŒber den EuropĂ€ern frĂŒher stattfindet, als wir das frĂŒher berechnet haben", sagte Kahl. "Ein frĂŒhes Kriegsende in der Ukraine befĂ€higt die Russen, ihre Energie dort einzusetzen, wo sie sie eigentlich haben wollen, nĂ€mlich gegen Europa."
Russland habe eine kĂŒnftige Weltordnung vor Augen, wie sie Ende der 1990er Jahre in Europa bestanden habe - mit einem ZurĂŒckdrĂ€ngen des Schutzes der Nato und einer Ausdehnung der EinflusssphĂ€re Russlands in Richtung Westen - am besten ohne die Amerikaner in Europa, sagte Kahl.

