Israels Armee zerstört Wohnviertel und Dörfer im Libanon
21.10.2024 - 06:15:04Im SĂŒden des Landes zerstörte die israelische Armee laut libanesischen Sicherheitskreisen mehrere Orte fast komplett. Wohngebiete in Vororten der Hauptstadt Beirut liegen Augenzeugen zufolge in Schutt und Asche. Die Angriffe gelten der Schiitenmiliz Hisbollah, die seit gut einem Jahr tĂ€glich Raketen auf Israel feuert. Doch unter dem Krieg leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Auch die libanesische Armee, die sich in dem Konflikt eigentlich neutral verhĂ€lt, vermeldet Verluste. Die israelische Armee meldete ihrerseits, dass fĂŒnf MilitĂ€rs im SĂŒdlibanon bei einem Gefecht getötet worden seien. Die Hisbollah feuerte im Laufe des Tages nach israelischen Angaben mindestens 160 Raketen auf das Nachbarland ab.
Nur noch Teile von GebĂ€uden ĂŒbrig
In den Vierteln am sĂŒdlichen Stadtrand von Beirut, die als Hochburgen der Hisbollah gelten, seien nur noch Reste von GebĂ€uden ĂŒbrig, berichtete eine dpa-Reporterin. Am Samstag hatte das israelische MilitĂ€r dort nach mehrtĂ€giger Pause erneut aus der Luft angegriffen. Die GebĂ€ude, die noch nicht komplett zerstört wurden, hĂ€tten gewaltige SchĂ€den erlitten und mĂŒssten nach Kriegsende entweder abgerissen oder renoviert werden. Nachts lĂ€gen die einst lebendigen Viertel in völliger Dunkelheit, ohne Strom und Licht.
Sowohl die als Dahija bekannten sĂŒdlichen Vororte Beiruts als auch angrenzende Viertel waren vor Kriegsbeginn dicht besiedelte Wohngebiete mit vielen Restaurants und GeschĂ€ften.
"Die meisten Gebiete haben massive SchĂ€den erlitten", sagte Samer, ein Anwohner aus Schujefat am sĂŒdlichen Rand Beiruts, der dpa. "Wenn man GlĂŒck hat, dann hat das eigene Zuhause nur gewaltige SchĂ€den erlitten und ist noch nicht komplett zerstört worden", sagte er. Nach den erneuten Angriffen kam er am Sonntag, um die SchĂ€den an seinem Haus zu begutachten. "Es fĂŒhlt sich so an, als wĂŒrden die Israelis uns bestrafen wollen dafĂŒr, dass wir in von der Hisbollah kontrollierten Gebieten oder in deren NĂ€he wohnen", sagte er. Die meisten Bewohner sind bereits geflohen.
Erneute Angriffe auf Vororte Beiruts
Am Abend nahm die israelische Armee in den Vororten ein neues Ziel ins Visier und kĂŒndigte Angriffe auf Orte an, die der Hisbollah zur Finanzierung dienen. Kurz darauf gab es nach libanesischen Angaben neue Angriffe auf Vororte Beiruts. Der oberste MilitĂ€r Israels, Generalstabschef Herzi Halevi, hatte eine Warnung an die Bewohner von Beirut und anderen Gebieten vor bevorstehenden GegenschlĂ€gen ausgesprochen.
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete unterdessen, dass seit Beginn der Gefechte zwischen der Hisbollah und dem israelischen MilitÀr im Libanon insgesamt 2.646 Menschen getötet wurden. Allein am Samstag seien 16 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.
Sicherheitskreise: Ganze Orte im SĂŒden gesprengt
Im SĂŒden des Libanons hat die israelische Armee laut dortigen Sicherheitskreisen mehrere Orte fast komplett zerstört. Das MilitĂ€r habe im Grenzgebiet unter anderem den Ort Ramja nahe Bint Dschubail gesprengt, erfuhr die dpa aus libanesischen Sicherheitskreisen. Eine offizielle BestĂ€tigung gab es dafĂŒr zunĂ€chst nicht.
Soldaten der internationalen UN-Mission hatten dort vor rund einer Woche mehrere israelische Einheiten beobachtet, die aus Israel ĂŒber die Demarkationslinie in den Libanon vorrĂŒckten. Vor einigen Tagen zirkulierte auch ein Foto in sozialen Medien, dass israelische Soldaten zeigt, die offenbar vor dem GemeindegebĂ€ude des Dorfs posieren.
Israels Armee gibt seit Beginn ihrer Bodenoffensive im SĂŒdlibanon im September in der Regel keine Details zu Truppenbewegungen oder deren StĂ€rke heraus. Sie forderte die Bewohner des Grenzgebiets zu Beginn der Bodenoffensive zur Flucht auf. Ziel des Einsatzes ist es nach israelischer Darstellung, dass sich die Hisbollah wie von einer UN-Resolution vorgesehen hinter den Litani-Fluss zurĂŒckzieht und Stellungen der proiranischen Miliz in GrenznĂ€he zu zerstören. Das soll rund 60.000 israelischen BĂŒrgern die RĂŒckkehr in ihre Dörfer im Norden des Landes ermöglichen. Sie mussten wegen der tĂ€glichen Angriffe der Hisbollah seit Beginn des Gaza-Kriegs aus dem Grenzgebiet flĂŒchten.
Im Laufe des Tages feuerte die Schiitenmiliz nach Angaben der israelischen Armee allein bis zum Nachmittag wieder 160 Raketen auf Israel ab. Bis zum Abend gab es Luftalarm in vielen Orten im Norden des Landes. Auch in Haifa, der gröĂten Hafenstadt des Landes, heulten wiederholt die Sirenen. Ăber gröĂere SchĂ€den oder Opfer wurde zunĂ€chst nichts bekannt.
Satellitenfotos zeigen Ausmaà der Zerstörung
Vor einer Woche hatte die israelische Armee ein weiteres Dorf zerstört, wie die "New York Times" nach der Auswertung von Videos und Satellitenfotos berichtete. Soldaten sprengten demnach groĂe Teile des Dorfs Mhaibib, das ebenfalls im Grenzgebiet liegt. In dem Ort befand sich ein Schrein Benjamins, Sohn Jakobs, der im Islam als Prophet verehrt wird und der auch in der Bibel erwĂ€hnt wird.
Israels MilitĂ€r teilte mit, man habe ein von der Hisbollah-Miliz genutztes Tunnel-Netzwerk "zerlegt", das durch den "Kern eines Dorfs" im Libanon gefĂŒhrt habe. Das MilitĂ€r veröffentlichte auch ein Video, das die Sprengung des auf einem HĂŒgel gelegenen Dorfs zeigt.
Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge wurden im Grenzgebiet auch Jarun, Marun al-Ras sowie weitere Dörfer weitgehend zerstört. Der Ort Nabatija im SĂŒdosten, ein kommerzielles Zentrum der Region, soll demnach ebenfalls teilweise zerstört sein.
Erneut libanesische Soldaten getötet
Im SĂŒdlibanon geraten auch immer wieder libanesische Soldaten ins Kreuzfeuer. Drei Soldaten wurden nach Angaben der StreitkrĂ€fte bei einem Angriff getötet. Das israelische MilitĂ€r habe auf ein Armeefahrzeug in der NĂ€he von Ain Ebel unweit der Grenze zu Israel gefeuert, teilte das MilitĂ€r mit. Die israelischen StreitkrĂ€fte teilten mit, sie prĂŒften den Vorfall.
Die libanesische Armee verhÀlt sich in dem Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz neutral. Sie ist nicht der erklÀrte Kriegsgegner Israels. Dennoch wurden bereits mehrere Soldaten getötet.
Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah begann am 8. Oktober vergangenen Jahres mit Raketenangriffen der libanesischen Miliz zur UnterstĂŒtzung der Hamas, die mit dem Terrorangriff auf Israel am Tag zuvor den Gaza-Krieg auslöste. Seitdem liefern sich die Hisbollah und Israels MilitĂ€r schweren Beschuss, Hunderte Menschen wurden getötet, Tausende verletzt und Hunderttausende vertrieben, die meisten davon im Libanon.

