IWF hebt Deutschland-Prognose fĂŒr 2026 auf 1,3 Prozent an
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 09:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHaushalt und Reformen bestimmen den nÀchsten Schritt
- Der IWF erhöhte die deutsche Wachstumsprognose fĂŒr 2026 von 0,7 auf 1,3 Prozent.
- Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel sieht Chancen fĂŒr ein lĂ€nger anhaltendes Wachstum.
- Beim Investorengipfel in Berlin sollen neue Kapitalmarktmodelle private Investitionen fördern.
Deutschland erwartet Wachstum nach langer Stagnation
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil reist mit verbesserten deutschen Konjunkturaussichten zur Jahrestagung des Internationalen WĂ€hrungsfonds nach Bangkok. Der IWF erwartet fĂŒr Deutschland 2026 nun ein Wachstum von 1,3 Prozent und fĂŒr 2027 ein Plus von 1,1 Prozent.
Nagel sieht Chancen fĂŒr dauerhaften Aufschwung
Klingbeil sagte, Deutschland mĂŒsse sich angesichts der besseren Zahlen nicht verstecken, dĂŒrfe sich aber auch nicht zurĂŒcklehnen. Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel verwies darauf, dass die IWF-Prognosen zuletzt hĂ€ufig nach unten korrigiert worden seien und es diesmal andersherum sei.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist das schuldenfinanzierte Sondervermögen des Bundes fĂŒr Investitionen in die Infrastruktur. Nagel widersprach der EinschĂ€tzung, dadurch entstehe lediglich ein Strohfeuer.
Reformen sollen Wirkung verstÀrken
Nach EinschĂ€tzung des Bundesbank-PrĂ€sidenten könnten die staatlichen Investitionen gemeinsam mit dem Reformpaket der Bundesregierung und Impulsen durch kĂŒnstliche Intelligenz ein lĂ€nger anhaltendes Momentum schaffen. Klingbeil sprach von einer Phase der wirtschaftlichen Erholung nach Jahren der Stagnation.
Die Bundesregierung will beim Investorengipfel am Dienstag in Berlin fĂŒr Deutschland als Investitionsstandort werben. An der Konferenz nehmen neben Klingbeil Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche teil.
Energiepreise belasten den Haushalt
Als Risiken nannte Klingbeil die Folgen internationaler Konflikte fĂŒr Wohlstand, Energiepreise und Lieferketten. Bund und LĂ€nder haben wegen stark gestiegener Spritpreise infolge des Iran-Kriegs erneut einen milliardenteuren Tankrabatt beschlossen, der bis Jahresende lĂ€uft.
Merz erklĂ€rte auĂerdem eine Stromsteuersenkung fĂŒr alle Branchen zum nĂ€chsten Ziel. Klingbeil verwies zugleich auf die begrenzten finanziellen SpielrĂ€ume des Bundeshaushalts.
Koalition plant weitere Reformen
Union und SPD wollen mit BĂŒrokratieabbau, Ănderungen am Arbeitsmarkt sowie Reformen bei Rente und Pflege wachstumsfördernde Impulse setzen. Ziel ist es auch, die BeitrĂ€ge fĂŒr BeschĂ€ftigte und Unternehmen stabil zu halten.
Nagel bezeichnete das Vorhaben als wichtiges Fitnessprogramm und bescheinigte der Bundesregierung die Bereitschaft zur Umsetzung. Innenpolitische Spannungen in Berlin spielten bei den GesprÀchen in Bangkok nach Klingbeils Darstellung keine Rolle.
Die angehobene IWF-Prognose markiert fĂŒr Deutschland eine Verbesserung nach einer langen Phase schwacher Konjunktur. FĂŒr 2026 erwartet der Fonds nun ein Wachstum von 1,3 Prozent statt 0,7 Prozent; 2027 soll die Wirtschaftsleistung um weitere 1,1 Prozent zulegen.
Der Aufschwung hĂ€ngt dabei stark von politischen und finanziellen Rahmenbedingungen ab. Das Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur kann die Nachfrage kurzfristig stĂŒtzen und zugleich die Grundlage fĂŒr höhere ProduktivitĂ€t schaffen. Entscheidend ist jedoch, ob die Mittel tatsĂ€chlich rasch in Verkehrswege, Digitalisierung und Energieversorgung flieĂen.
Investitionen unter Finanzdruck
Die internationale Einordnung fĂ€llt ambivalent aus: Der IWF verbindet seine Wachstumsperspektive mit einer Warnung vor steigenden Staatsschulden, höheren Zinsen und sinkenden finanziellen SpielrĂ€umen. Deutschland plant fĂŒr 2027 einen Bundeshaushalt von rund 555 Milliarden Euro und eine Neuverschuldung von rund 204 Milliarden Euro einschlieĂlich der Kredite fĂŒr Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz.
FĂŒr private Investitionen bleiben Energiepreise, Arbeitskosten, BĂŒrokratie und geopolitische Risiken zentrale Belastungen. Reformen am Arbeitsmarkt, beim BĂŒrokratieabbau sowie bei Rente und Pflege sollen deshalb die Standortbedingungen verbessern und die SozialbeitrĂ€ge stabilisieren.
Was fĂŒr die Dauerhaftigkeit zĂ€hlt
Ob aus dem erwarteten Plus ein lĂ€nger anhaltender Aufschwung wird, entscheidet sich damit weniger an der Prognose als an ihrer Umsetzung. FĂŒr Unternehmen und BeschĂ€ftigte sind vor allem verlĂ€ssliche Energie- und Finanzierungsbedingungen sowie schnellere Genehmigungen relevant.
