Zölle, USA

Ende von Trumps weltweiten Zöllen: Wann kommen die nÀchsten?

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 03:00 Uhr | dpa.de

Nach seiner Niederlage vor dem Obersten US-Gericht ließ Trump nicht locker und erhob fĂŒr 150 Tage neue globale Abgaben. Was haben die Zölle des PrĂ€sidenten den USA gebracht und wie geht es weiter?

  • FĂŒr die meisten Importe aus der EuropĂ€ischen Union gilt weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. (Archivbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    FĂŒr die meisten Importe aus der EuropĂ€ischen Union gilt weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. (Archivbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Eines der Lieblingsworte von US-PrĂ€sident Trump, bei seinen Landsleuten unbeliebt: Zölle. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Eines der Lieblingsworte von US-PrÀsident Trump, bei seinen Landsleuten unbeliebt: Zölle. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Vor allem auf die Automobilindustrie in der EU haben US-Zölle Auswirkungen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Vor allem auf die Automobilindustrie in der EU haben US-Zölle Auswirkungen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
FĂŒr die meisten Importe aus der EuropĂ€ischen Union gilt weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. (Archivbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Eines der Lieblingsworte von US-PrĂ€sident Trump, bei seinen Landsleuten unbeliebt: Zölle. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Vor allem auf die Automobilindustrie in der EU haben US-Zölle Auswirkungen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

FĂŒr Donald Trump sind Zölle gegen unliebsame VerbĂŒndete und Handelspartner ein bewĂ€hrtes Mittel, um US-Interessen durchzusetzen. Nach seiner Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof der USA bestand der US-PrĂ€sident darauf, seine von Kritikern stark infrage gestellte Zollpolitik fortzufĂŒhren. Seither wird auf die meisten Einfuhren ein Zoll von zehn Prozent erhoben – doch der zeitliche Rahmen dafĂŒr lĂ€uft nun aus. Ein Überblick:

Um welche Zölle geht es dieses Mal ĂŒberhaupt?

Grundlage fĂŒr die neuen ImportgebĂŒhren ist der Paragraf 122 aus dem Handelsgesetz von 1974, das die Erhebung einer Abgabe von höchstens 15 Prozent maximal 150 Tage lang erlaubt. Seit dem 24. Februar 2026 verlangen die USA auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland einen Zoll von zehn Prozent, die Frist lĂ€uft am Freitag (24. Juli) aus.

Was passiert nach Auslaufen der Frist?

Nach dem Stichtag mĂŒsste das US-Parlament seinen Segen geben, damit die Regierung nach der Frist weiter die Abgaben erheben darf. Angesichts der ohnehin hohen Inflation derzeit ist dies mehr als unwahrscheinlich. 

So dĂŒrften es sich weder Republikaner noch Demokraten wenige Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen des Kongresses mit ihren WĂ€hlern verscherzen wollen. Letztere haben infolge der Energiekrise – ein Resultat des von Trump vorangetriebenen Kriegs gegen den Iran – ohnehin mit erhöhten Lebenshaltungskosten zu kĂ€mpfen.

Dabei könnte Trumps Lieblingsinstrument genau das sein, was US-BĂŒrger entlasten könnte, befand das unabhĂ€ngige Council on Foreign Relations: «Eine Senkung der Zölle könnte fĂŒr die Trump-Regierung ein wirksames Mittel sein, um auf die Sorgen der WĂ€hler hinsichtlich der Lebenshaltungskosten einzugehen.» Die meisten Amerikaner seien ĂŒberzeugt, dass Zölle die Preise fĂŒr eine Reihe von GĂŒtern erhöhten.

Was hatte der Supreme Court entschieden? 

Zuvor war Trump vor dem Supreme Court gescheitert. Dieser hatte entschieden, dass seine frĂŒheren Zölle gegen Dutzende Handelspartner – darunter auch die EuropĂ€ische Union – auf Basis eines Notstandsgesetzes rechtswidrig waren. Trump habe dabei seine Befugnisse als PrĂ€sident ĂŒberschritten, urteilte eine deutliche Mehrheit der Richter.

In der Konsequenz muss die US-Regierung nun Milliarden an Zöllen wieder zurĂŒckzahlen. Zwischen Oktober 2025 und Ende Juni wurden dem Finanzministerium zufolge rund 81,3 Milliarden US-Dollar (knapp 72,9 Mrd Euro) erstattet – ein Großteil davon ist laut Haushaltsbehörde des US-Kongresses (CBO) auf das Urteil des Supreme Courts zurĂŒckzufĂŒhren. Im Vorjahreszeitraum wurden noch knapp 5,3 Milliarden Dollar zurĂŒckgezahlt.

Wie schÀtzen Experten Trumps Zollpolitik ein?

Experten und Ökonomen sehen Trumps Vorgehen kritisch. «Die beispiellose und chaotische Zollpolitik der Trump-Regierung (...) hat der US-Wirtschaft schweren Schaden zugefĂŒgt», heißt es etwa in einer Analyse der unabhĂ€ngigen und unparteiischen Denkfabrik Center for American Progress. Grund dafĂŒr seien Umfang und «ihre oft impulsive Umsetzung» gewesen. So hatte Trump oft unangekĂŒndigt und mit wenig Tagen Vorlauf neue Zölle öffentlich gemacht.

«Sie fĂŒhrten weder zu neuen Handelsabkommen noch zu einem besseren Marktzugang fĂŒr amerikanische Exporteure», resĂŒmierte Ryan Mulholland vom Center for American Progress. Er betonte, dass auch zusĂ€tzliche auslĂ€ndische Investitionen in die US-Wirtschaft fehlten. Und er bemĂ€ngelte, dass das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten im Mai bei 77,6 Milliarden US-Dollar gelegen habe – 41 Prozent höher als zum Zeitpunkt der ZollankĂŒndigung.

Experten gehen davon aus, dass vor allem Trumps Landsleute die Leidtragenden sind: Die ĂŒberparteiliche Denkfabrik Tax Foundation schĂ€tzt, dass US-Haushalte im laufenden Jahr im Durchschnitt eine Zusatzbelastung von 700 Dollar zu schultern haben – das Tax Policy Center beziffert die BĂŒrde sogar auf 960 Dollar.

Wie geht es jetzt weiter?

Theoretisch kann Trump das gleiche Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 heranziehen, um auf Basis eines anderen Paragrafen neue Zölle zu verhÀngen. So rÀumt Paragraf 301 der Regierung die Möglichkeit ein, bei nachweislich «ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden» Handelspraktiken entsprechend aktiv zu werden. 

Voraussetzung dafĂŒr ist, dass die Regierung zuvor Kommentare eingeholt und Anhörungen durchgefĂŒhrt hat. Dies war zuletzt bei Brasilien der Fall, als der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer einen Zoll von 25 Prozent auf bestimmte GĂŒter des sĂŒdamerikanischen Landes verkĂŒndete. Die Untersuchung habe eine Vielzahl von unfairen Handelspraktiken offenbart, hieß es.

Zuletzt hatte Greer im GesprĂ€ch des US-Senders CNBC Konsequenzen signalisiert, die aus Untersuchungen auf Basis des Paragrafen 301 zu Zwangsarbeit resultierten. Er war auf einen Artikel der «Financial Times» angesprochen worden, der eine zeitnahe AnkĂŒndigung von Zöllen gegen Einfuhren aus Dutzenden LĂ€ndern thematisiert hatte.

Anfang Juni hatten die USA Zölle gegen 60 Volkswirtschaften angedroht, weil diese Importe von Produkten aus mutmaßlicher Zwangsarbeit nicht verhinderten oder bestehende Importverbote nicht genĂŒgend ĂŒberprĂŒften. Demnach mĂŒssen etwa die EuropĂ€ische Union (EU), Großbritannien und die Schweiz, aber auch Staaten in Afrika, Asien und Lateinamerika sowie Kanada und China mit zusĂ€tzlichen Zöllen zwischen 10 und 12,5 Prozent rechnen.

Und was ist mit den EU-Exporten in die USA?

FĂŒr die meisten Importe aus der EU gilt weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Dabei handelt es sich um das auch als «Turnberry-Deal» bekannte, bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich darauf geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. 

BrĂŒssel machte weitere ZugestĂ€ndnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-IndustriegĂŒter. Angesichts der impulsiven Politik unter Trump hat die EU nun zusĂ€tzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollstĂ€ndig umsetzen oder Absprachen wieder ausgesetzt werden, können die EU-Konzessionen ausgesetzt werden – etwa bei erneuten Zollerhöhungen.

Wie ist der aktuelle Stand bei den EU-Ausfuhren?

Bislang hĂ€lt sich Washington laut BrĂŒsseler Kreisen zumindest in den meisten FĂ€llen an das Abkommen. FĂŒr rund 93 Prozent der EU-Exporte in die Vereinigten Staaten fielen Zölle in Höhe von maximal 15 Prozent an, sagte ein EU-Beamter. Bei den restlichen Produkten liege der Satz allerdings höher: Dies sei etwa fĂŒr KĂ€se zutreffend, der effektiv mit knapp 25 Prozent verzollt werde.

Die Ausfuhren in Richtung USA haben nach Darstellung des EU-Beamten nicht besonders gelitten. «Man sieht die Auswirkungen der von den USA verhĂ€ngten Zölle nicht wirklich», sagte er. Zwar sei es zu «erheblichen Schwankungen» gekommen – signifikante Auswirkungen seien mit Ausnahme bestimmter Branchen wie der Automobilindustrie allerdings ausgeblieben.

Mit Blick auf eine Eskalation bei deutschen Pharmazeutika gibt sich die EU gelassen. Zwar untersucht die US-Regierung mutmaßlich unfaire Arzneimittelpreise in Deutschland. Auf politischer Ebene habe die US-Seite den EuropĂ€ern allerdings versichert, «dass sie die maximale Zollgrenze von 15 Prozent respektieren werden», sagte der EU-Beamte. 

Basis der Untersuchungen ist ebenfalls Paragraf 301. Ob die Untersuchung tatsÀchlich «ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden» Handelspraktiken ans Licht bringt, bleibt abzuwarten.

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